Sonntag, Juli 26, 2026
abitur-jahrgang.
Ich wurde der WhatsApp-Gruppe „Abitur-Jahrgang 2001“ hinzugefügt. Und plötzlich schaut man sich durch Profilbilder in eine Zeit zurück, die sich gleichzeitig ewig her und erstaunlich nah anfühlt. Einige Gesichter haben sich gefühlt überhaupt nicht verändert. Abgesehen davon, dass wir inzwischen angeblich einfach 25 Jahre mehr auf dem Tacho haben. Bei anderen sitze ich davor und bekomme das Gesicht beim besten Willen keiner Person von damals mehr zugeordnet. Irre, was Zeit mit Menschen macht.
Neulich habe ich erst ein Bild von einigen Jungs aus meinem Jahrgang gesehen, die sich scheinbar noch regelmäßig treffen. Bei zweien habe ich kurz gezuckt, weil ich erschrocken war, wie alt sie aussehen. Da war die Zeit wirklich nicht besonders gnädig. Teilweise hatte ich spontan deren Väter von damals im Kopf. Verrückt, diese Ähnlichkeiten. Und ja, in solchen Momenten freue ich mich dann jedes Mal ein bisschen darüber, dass ich offenbar immer noch locker als Mitte bis Ende 30 durchgehe und die Leute eher sehr überrascht sind, wenn ich ihnen verrate, dass ich Mitte 40 bin. Man muss die kleinen Siege nehmen, wie sie kommen.
Zum Treffen werde ich trotzdem nicht gehen. Es passt zeitlich gar nicht, ist mir zu kurzfristig und ehrlich gesagt bin ich auch nicht scharf genug darauf. Aber neugierig bin ich mittlerweile schon ein bisschen. Zumindest auf ein paar einzelne von damals und darauf, was aus ihnen geworden ist. Wir waren früher so ein vierblättriges Kleeblatt. Irgendwann ist das komplett auseinandergegangen. Vielleicht ist es genau das, was mich heute am meisten interessiert. Wer wir geworden sind, nachdem wir aufgehört hatten, gemeinsam zu sein. Vielleicht gehe ich in 2 oder 5Jahren doch mal zum Treffen. Who knows?
Neulich habe ich erst ein Bild von einigen Jungs aus meinem Jahrgang gesehen, die sich scheinbar noch regelmäßig treffen. Bei zweien habe ich kurz gezuckt, weil ich erschrocken war, wie alt sie aussehen. Da war die Zeit wirklich nicht besonders gnädig. Teilweise hatte ich spontan deren Väter von damals im Kopf. Verrückt, diese Ähnlichkeiten. Und ja, in solchen Momenten freue ich mich dann jedes Mal ein bisschen darüber, dass ich offenbar immer noch locker als Mitte bis Ende 30 durchgehe und die Leute eher sehr überrascht sind, wenn ich ihnen verrate, dass ich Mitte 40 bin. Man muss die kleinen Siege nehmen, wie sie kommen.
Zum Treffen werde ich trotzdem nicht gehen. Es passt zeitlich gar nicht, ist mir zu kurzfristig und ehrlich gesagt bin ich auch nicht scharf genug darauf. Aber neugierig bin ich mittlerweile schon ein bisschen. Zumindest auf ein paar einzelne von damals und darauf, was aus ihnen geworden ist. Wir waren früher so ein vierblättriges Kleeblatt. Irgendwann ist das komplett auseinandergegangen. Vielleicht ist es genau das, was mich heute am meisten interessiert. Wer wir geworden sind, nachdem wir aufgehört hatten, gemeinsam zu sein. Vielleicht gehe ich in 2 oder 5Jahren doch mal zum Treffen. Who knows?
Samstag, Juli 25, 2026
fundstück.
Donnerstag, Juli 23, 2026
halbzeit.
In ein paar Tagen kommt der Teenie wieder und plötzlich fühlt sich die Woche schon ganz anders an. Ein bisschen Vorfreude, ein bisschen Vermissen und dieses besondere Gefühl, wenn das Zuhause bald wieder richtig vollständig wird. Wir machen schon wieder Pläne. Das Einzige, was ich nur so semi vermisse: ihr Chaos. Es liegt nicht mal ein Wäscheturm im Bad. Hier ist es gerade fast so ordentlich, dass ich kaum etwas zum Aufräumen finde und tatsächlich an die Stellen gehe, die ich schon länger mal richtig ausmisten wollte. Der Mann hat sich netterweise sofort angeboten, diesen Part des Kindes selbstlos zu übernehmen. Gestern bin ich direkt über seine Schuhe gestolpert, die strategisch günstig im Weg standen und die ich mit der Wäsche auf dem Arm natürlich nicht gesehen habe. Läuft also.
Da die Beschaffung eines Ersatzes offenbar etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, soll ich künftig besser aufpassen und mich möglichst nicht tödlich verletzen. Na gut, dann passe ich auf. Schon allein wegen der Lieferzeiten. Und selbstverständlich aus Gehässigkeit. Seine Lovelanguage: Risikomanagement.
Bis dahin genießen wir noch die letzten ruhigen Tage und zählen innerlich schon langsam runter.
Da die Beschaffung eines Ersatzes offenbar etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, soll ich künftig besser aufpassen und mich möglichst nicht tödlich verletzen. Na gut, dann passe ich auf. Schon allein wegen der Lieferzeiten. Und selbstverständlich aus Gehässigkeit. Seine Lovelanguage: Risikomanagement.
Bis dahin genießen wir noch die letzten ruhigen Tage und zählen innerlich schon langsam runter.
Mittwoch, Juli 22, 2026
samstagsdate.
Wenn der Mann fragt, ob ich am Wochenende mit ihm zu IKEA komme und wir das schon länger nicht mehr gemacht haben. Natürlich habe ich sofort zugesagt, zum Yoga kann ich schließlich immer gehen. Gemeinsam seelenruhig durch Wohnwelten schlendern, Dinge kaufen, die wir vorher nicht brauchten und die nicht auf der Einkaufsliste stehen und zum krönenden Abschluss einen absolut mittelmäßigen Hotdog. Romantik kann so einfach sein. Das Leben ist schön.
Dienstag, Juli 21, 2026
narbenschmerz.
An manchen Tagen sind Narben nur feine Linien. Blass. Ruhig. Unauffällig. Man weiß, dass sie da sind, aber man spürt sie nicht. Sie gehören zum Körper wie alles andere, was irgendwann passiert und geblieben ist. Man lebt irgendwann darüber hinweg. Zieht sich an. Geht arbeiten. Kauft Brot. Lacht. Schafft und sammelt neue Erinnerungen. Führt Gespräche, in denen niemand ahnt, wie viel Vergangenheit unter einer ganz normalen Haut Platz findet. Und dann gibt es diese anderen Tage. Da verändert sich irgendetwas. Ein Geruch. Ein Satz. Ein Bild. Manchmal nicht einmal das. Manchmal kommt es einfach. Erst als Ziehen unter der Haut. Dann mit einer Wucht, die keinen Abstand mehr zulässt. Dann fühle ich den Verlust. Dann sehe ich die Verzweiflung. Dann spüre ich wieder diesen Druck auf meiner Brust, als würde die Luft im Raum plötzlich nicht mehr für mich reichen. Ich höre meine eigenen Schreie. Sehe die Tränen. Spüre den Aufprall auf den Boden. Nicht wie eine Erinnerung, die ich von außen betrachte. Ich bin wieder dort. Für einen Moment gibt es kein Damals. Mein Körper kennt offenbar keine Kalender. Er weiß nicht, wie viele Jahre vergangen sind. Er erinnert sich an die Enge. An die Hilflosigkeit. An dieses verzweifelte Nichtbegreifen. An den Augenblick, in dem etwas zerbrach und ich trotzdem irgendwie weiter atmen sollte. Mein Verstand weiß, dass es vorbei ist. Mein Körper weiß noch, wie es sich angefühlt hat.
Das ist das Beschissene an Narben. Sie zeigen, dass eine Wunde sich geschlossen hat. Aber sie versprechen nicht, dass sie nie wieder schmerzt. Lange dachte ich, Heilung müsse bedeuten, dass all das irgendwann keine Macht mehr über mich hat. Dass ich ruhig darüber sprechen kann. Abgeklärt. Fast sachlich. Als wäre Schmerz erst dann wirklich vergangen, wenn er sich ordentlich erzählen lässt. Heute glaube ich, Heilung sieht anders aus. Vielleicht ist sie der Moment, in dem mich die Erinnerung wieder mit voller Kraft trifft und ich irgendwann trotzdem erkenne, ich bin hier. Nicht dort. Ich höre die Schreie, aber sie sind nicht mehr real. Ich spüre den Druck, aber die Luft kommt zurück. Ich sehe die Tränen und diesmal bin ich nicht allein mit ihnen. Ich bin heute bei mir. An manchen Tagen zerreißt es mich noch immer. Dann fühle ich alles gleichzeitig. Den Verlust, den Schmerz, die Angst, die Verzweiflung und diese unfassbare Leere danach. Aber irgendwann wird der Raum wieder größer. Ich atme ein. Ich atme aus. Die Gegenwart legt sich langsam um mich. Die Narbe bleibt. Der Schmerz kommt manchmal zurück. Aber ich komme auch immer wieder. Zu mir. In diesen Raum. In dieses Leben. Zu den Menschen, die heute an meiner Seite sind.
Das ist das Beschissene an Narben. Sie zeigen, dass eine Wunde sich geschlossen hat. Aber sie versprechen nicht, dass sie nie wieder schmerzt. Lange dachte ich, Heilung müsse bedeuten, dass all das irgendwann keine Macht mehr über mich hat. Dass ich ruhig darüber sprechen kann. Abgeklärt. Fast sachlich. Als wäre Schmerz erst dann wirklich vergangen, wenn er sich ordentlich erzählen lässt. Heute glaube ich, Heilung sieht anders aus. Vielleicht ist sie der Moment, in dem mich die Erinnerung wieder mit voller Kraft trifft und ich irgendwann trotzdem erkenne, ich bin hier. Nicht dort. Ich höre die Schreie, aber sie sind nicht mehr real. Ich spüre den Druck, aber die Luft kommt zurück. Ich sehe die Tränen und diesmal bin ich nicht allein mit ihnen. Ich bin heute bei mir. An manchen Tagen zerreißt es mich noch immer. Dann fühle ich alles gleichzeitig. Den Verlust, den Schmerz, die Angst, die Verzweiflung und diese unfassbare Leere danach. Aber irgendwann wird der Raum wieder größer. Ich atme ein. Ich atme aus. Die Gegenwart legt sich langsam um mich. Die Narbe bleibt. Der Schmerz kommt manchmal zurück. Aber ich komme auch immer wieder. Zu mir. In diesen Raum. In dieses Leben. Zu den Menschen, die heute an meiner Seite sind.
Montag, Juli 20, 2026
südkorea.
Ich darf als Nächstes eine Postkarte nach Südkorea schicken, an jemanden, der gerade ganz frisch mit Postcrossing angefangen hat. Und ich finde das irgendwie besonders schön. Vielleicht wird meine Karte eine ihrer ersten sein. Vielleicht liegt sie irgendwann zwischen vielen anderen aus der ganzen Welt und erinnert daran, wie alles angefangen hat.
Ich liebe die Idee, winzig kleine Sequenzen und Augenblicke aus unserem Leben loszuschicken und dafür Geschichten aus Orten zu bekommen, die ich vielleicht nie selbst sehen werde. Handschriften, Briefmarken, Stadtansichten, kleine Gedanken von fremden Menschen. Ein Stück Welt im eigenen Briefkasten. Ich mag das. Am schönsten finde ich die persönlichen Details. Welches Lied hört jemand gerade rauf und runter? Welches Gericht könnte er ständig essen? Wie sieht ein ganz normaler Tag aus? Und dann ist da das Aussuchen der Postkarte. Welche passt zu diesem Menschen und Profil? Was möchte ich von meiner Stadt, meinem Leben, meiner kleinen Ecke der Welt zeigen? Das macht mir meistens so viel Freude. Es ist ein tolles Hobby. Bester Tipp vom Mann, der mir das schon vor längerer Zeit mal für den Teenie empfohlen hatte - dieses Jahr endlich ausprobiert und schockverliebt. Der Teenie hat längst ihr eigenes Konto und testet nun den Travelmodus.
Ich liebe die Idee, winzig kleine Sequenzen und Augenblicke aus unserem Leben loszuschicken und dafür Geschichten aus Orten zu bekommen, die ich vielleicht nie selbst sehen werde. Handschriften, Briefmarken, Stadtansichten, kleine Gedanken von fremden Menschen. Ein Stück Welt im eigenen Briefkasten. Ich mag das. Am schönsten finde ich die persönlichen Details. Welches Lied hört jemand gerade rauf und runter? Welches Gericht könnte er ständig essen? Wie sieht ein ganz normaler Tag aus? Und dann ist da das Aussuchen der Postkarte. Welche passt zu diesem Menschen und Profil? Was möchte ich von meiner Stadt, meinem Leben, meiner kleinen Ecke der Welt zeigen? Das macht mir meistens so viel Freude. Es ist ein tolles Hobby. Bester Tipp vom Mann, der mir das schon vor längerer Zeit mal für den Teenie empfohlen hatte - dieses Jahr endlich ausprobiert und schockverliebt. Der Teenie hat längst ihr eigenes Konto und testet nun den Travelmodus.
Sonntag, Juli 19, 2026
fassade.
Heute unter der Dusche musste ich an einen meiner früheren besten Freunde denken. Vor einigen Jahren stand er vor mir, sah mich an und fragte: „Ist das Dein fucking Ernst? Was tust Du hier? Wer bist Du überhaupt geworden? Warum gibst Du Dir so viel Mühe, nach außen das perfekte Leben zu inszenieren? Und wo ist die krasse Frau, die ich einmal kannte? Das wirkt, als müsstest Du Dich selbst von Deinem Leben überzeugen.“
Scheiße, war ich sauer. Das hat mich voll getroffen. Ich konnte und wollte damals nicht sehen, was er sofort gesehen hat. Ich war zu beschäftigt damit, alles am Laufen zu halten. Gut ein bis zwei Jahre später fiel mein Leben komplett auseinander und mir um die Ohren. Rückblickend war es das Beste, was mir passieren konnte. Ich hatte mich in diesem Leben fast vollständig aufgelöst. Wir haben danach nie wieder miteinander gesprochen. Das ist inzwischen fast zehn Jahre her.
Scheiße, war ich sauer. Das hat mich voll getroffen. Ich konnte und wollte damals nicht sehen, was er sofort gesehen hat. Ich war zu beschäftigt damit, alles am Laufen zu halten. Gut ein bis zwei Jahre später fiel mein Leben komplett auseinander und mir um die Ohren. Rückblickend war es das Beste, was mir passieren konnte. Ich hatte mich in diesem Leben fast vollständig aufgelöst. Wir haben danach nie wieder miteinander gesprochen. Das ist inzwischen fast zehn Jahre her.
Samstag, Juli 18, 2026
reichtum.
Gestern hatte ich den besten Abend. Mein Geburtstags-Sit-in mit den Mädels. Nur der engste Kreis. Menschen, die ich inzwischen seit acht, zehn, teilweise zwölf Jahren kenne. Vor fünfzehn Jahren bin ich in diese Stadt gezogen. Damals kannte ich hier niemanden. Außer den Ex. Und heute sitze ich in einem Raum voller Frauen, mit denen ich inzwischen halbe Leben geteilt habe. Es ist schon verrückt, wie sich so etwas entwickelt. Erst kennt man sich lose. Dann kennt man irgendwann die Geschichten. Die Familien. Die Muster. Die Katastrophen. Die Männer. Die noch schlechteren Entscheidungen. Und irgendwann kennt man sich so gut, dass ein Blick reicht und niemand mehr so tun muss, als wäre alles in Ordnung.
Wir sind miteinander durch einige ziemlich tiefe Täler gelaufen und durch viele schöne Momente. Sie mit mir durch meine, auch in Zeiten, in denen ich mich selbst kaum wiedererkannte. Ich mit ihnen durch ihre. Nicht immer elegant, aber zuverlässig. Gestern habe ich Karten bekommen, so schön und wertschätzend, dass ich kurz nicht wusste, wohin mit mir. Es war wirklich rührend. Darin stand noch einmal schwarz auf weiß, welchen Platz ich in ihrem Leben habe. Ich bin die Freundin, die man anrufen kann. Und ich komme. Ohne große Fragen. Mit einer Schaufel, Taschentüchern, einer Flasche Rum und Limetten. Je nachdem, was die Lage erfordert.
Und ich weiß, dass es auf Gegenseitigkeit beruht. Da wird schon mal alles stehen und liegen gelassen, und fünfzehn Minuten später steht jemand vor meiner Tür, trocknet Tränen, kocht Tee, läuft mit mir Kilometer durch den Wald oder übernimmt vorübergehend die Erwachsenenaufsicht. Damals bei der Trennung war das eine richtig üble Zeit. Aber sie waren an meiner Seite. Auch wenn ich das meiste trotzdem mit mir selbst ausgemacht habe. Mein persönlicher Lernbereich ist weniger das Geben. Das kann ich richtig gut - ich gebe gern, wenn ich jemanden in unser Leben lasse. Mein Lernbereich ist das Annehmen. Wirklich anzurufen. Zu sagen, ich brauche Dich. Nicht erst dann, wenn ich schon alles allein getragen, dreimal analysiert und vorsichtshalber noch den Müll rausgebracht habe. Das musste ich erst lernen. Und ich übe stetig weiter. Es kostet mich jedesmal Überwindung und ist ein Kampf mit mir selbst, aber ich werde allmählich besser.
Aber gestern saß ich da, zwischen diesen Frauen, diesen Geschichten und diesen völlig übertrieben schönen Karten, und dachte: "Fuck. So sieht echter Reichtum aus. Die lieben mich. Ich bin ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens." Und es ist einfach schön zu erleben, dass Menschen gern bleiben.
Wir sind miteinander durch einige ziemlich tiefe Täler gelaufen und durch viele schöne Momente. Sie mit mir durch meine, auch in Zeiten, in denen ich mich selbst kaum wiedererkannte. Ich mit ihnen durch ihre. Nicht immer elegant, aber zuverlässig. Gestern habe ich Karten bekommen, so schön und wertschätzend, dass ich kurz nicht wusste, wohin mit mir. Es war wirklich rührend. Darin stand noch einmal schwarz auf weiß, welchen Platz ich in ihrem Leben habe. Ich bin die Freundin, die man anrufen kann. Und ich komme. Ohne große Fragen. Mit einer Schaufel, Taschentüchern, einer Flasche Rum und Limetten. Je nachdem, was die Lage erfordert.
Und ich weiß, dass es auf Gegenseitigkeit beruht. Da wird schon mal alles stehen und liegen gelassen, und fünfzehn Minuten später steht jemand vor meiner Tür, trocknet Tränen, kocht Tee, läuft mit mir Kilometer durch den Wald oder übernimmt vorübergehend die Erwachsenenaufsicht. Damals bei der Trennung war das eine richtig üble Zeit. Aber sie waren an meiner Seite. Auch wenn ich das meiste trotzdem mit mir selbst ausgemacht habe. Mein persönlicher Lernbereich ist weniger das Geben. Das kann ich richtig gut - ich gebe gern, wenn ich jemanden in unser Leben lasse. Mein Lernbereich ist das Annehmen. Wirklich anzurufen. Zu sagen, ich brauche Dich. Nicht erst dann, wenn ich schon alles allein getragen, dreimal analysiert und vorsichtshalber noch den Müll rausgebracht habe. Das musste ich erst lernen. Und ich übe stetig weiter. Es kostet mich jedesmal Überwindung und ist ein Kampf mit mir selbst, aber ich werde allmählich besser.
Aber gestern saß ich da, zwischen diesen Frauen, diesen Geschichten und diesen völlig übertrieben schönen Karten, und dachte: "Fuck. So sieht echter Reichtum aus. Die lieben mich. Ich bin ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens." Und es ist einfach schön zu erleben, dass Menschen gern bleiben.
Donnerstag, Juli 16, 2026
brechstange.
Es gibt Morgen, da kommt man in die Firma und braucht ungefähr drei Sekunden, um festzustellen, dass nachts jemand versucht hat einzubrechen. Nicht mit Dietrich, Hightech oder einem dieser lautlosen Geräte, die in Filmen immer sehr professionell aussehen. Nein. Mit einer Brechstange. Ganz klassisch und oldschool. Man sieht es sofort. Tür und Schloss haben ordentlich gelitten. Metall verbogen, Holz ist gesplittert und rausgebrochen, Spuren am Rahmen, alles ein bisschen gewaltsam und brachial. Die gute Nachricht, sie sind nicht reingekommen. Die massive Außentür hat standgehalten. Die Eisenbeschläge auch. Und die Sicherheitstüren dahinter hoffentlich sowieso. Man kann sagen, was man will. Deutsche Sicherheitsarchitektur hat selten Charme, aber ist offenbar sehr belastbar.
Es war nicht der erste Versuch. Vor Jahren hatte der Vermieter die Tür bereits mit allem verstärken lassen, was nach Mittelalter, Baumarkt und Belagerungszustand aussieht. Wir selbst haben zusätzlich Sicherheitstüren einbauen lassen. Damals dachte ich noch, das sei vielleicht ein bisschen viel. Heute Morgen dachte ich: Nein. Alles richtig gemacht.
Natürlich beginnt man dann trotzdem sofort zu überlegen, was passiert wäre, wenn sie reingekommen wären. Was sie gesucht hätten. Was sie mitgenommen hätten. Ob sie überhaupt etwas gefunden hätten, das ihren nächtlichen Einsatz rechtfertigt. Vermutlich wären sie irgendwann zwischen Aktenordnern, Kabeln und alten Präsentationsunterlagen zusammengebrochen und hätten aus Frust den Kaffeevollautomaten mitgenommen. Oder sie hätten sich durch meine Ablage gearbeitet und danach freiwillig die Polizei gerufen. Der eigentliche Schaden war also überschaubar. Tür kaputt. Schloss kaputt. Der Summer funktioniert nicht mehr. Mein Nervensystem war sofort hellwach.
Während andere Menschen ihren Kreislauf morgens mit Sport, kaltem Duschen oder Zitronenwasser aktivieren, reichte bei mir heute ein Einbruchsversuch. Kann ich nicht empfehlen, dann doch lieber Sport. Der Tag kann weg.
Es war nicht der erste Versuch. Vor Jahren hatte der Vermieter die Tür bereits mit allem verstärken lassen, was nach Mittelalter, Baumarkt und Belagerungszustand aussieht. Wir selbst haben zusätzlich Sicherheitstüren einbauen lassen. Damals dachte ich noch, das sei vielleicht ein bisschen viel. Heute Morgen dachte ich: Nein. Alles richtig gemacht.
Natürlich beginnt man dann trotzdem sofort zu überlegen, was passiert wäre, wenn sie reingekommen wären. Was sie gesucht hätten. Was sie mitgenommen hätten. Ob sie überhaupt etwas gefunden hätten, das ihren nächtlichen Einsatz rechtfertigt. Vermutlich wären sie irgendwann zwischen Aktenordnern, Kabeln und alten Präsentationsunterlagen zusammengebrochen und hätten aus Frust den Kaffeevollautomaten mitgenommen. Oder sie hätten sich durch meine Ablage gearbeitet und danach freiwillig die Polizei gerufen. Der eigentliche Schaden war also überschaubar. Tür kaputt. Schloss kaputt. Der Summer funktioniert nicht mehr. Mein Nervensystem war sofort hellwach.
Während andere Menschen ihren Kreislauf morgens mit Sport, kaltem Duschen oder Zitronenwasser aktivieren, reichte bei mir heute ein Einbruchsversuch. Kann ich nicht empfehlen, dann doch lieber Sport. Der Tag kann weg.
Mittwoch, Juli 15, 2026
zwischenfrage.
Das Kind kam ins Zimmer und fragte: „Hast Du kurz Zeit?“
Diese Frage ist bei Teenagern nicht messbar. Sie kann bedeuten: Wo ist mein Ladekabel? Oder, ich habe eine komplexe moralische Situation, drei Freundinnen sind beteiligt und Du musst sämtliche Vorgeschichten seit der fünften Klasse kennen.
Ich sagte ja. Es war das Ladekabel. Ich war fast enttäuscht.
Dienstag, Juli 14, 2026
kühlkette.
Ich stand mit offener Kühlschranktür da und wusste nicht mehr, was ich wollte. Also schaute ich hinein, als könnte der Kühlschrank mich erinnern. Er konnte nicht. Dafür sah ich Dinge, die dringend gegessen werden müssen, und schloss die Tür wieder. Manchmal ist Selbstfürsorge auch, Probleme kurz wieder kaltzustellen.
Montag, Juli 13, 2026
rückgeld.
Vor mir an der Kasse stand heute morgen ein älterer Mann, der sein Kleingeld sehr sorgfältig sortierte. Hinter ihm wurden Menschen bereits körperlich ungeduldig. Dieses leichte Gewichtsverlagern. Seufzen. Blick zur Nebenkasse. Als hinge die gesamte persönliche Zukunft an diesen vierzig Sekunden.
Der Mann bedankte sich, steckte sein Portemonnaie ein und ging langsam hinaus. Ich dachte: Vielleicht ist das später einmal der eigentliche Luxus. Sich nicht mehr hetzen zu lassen von Menschen, deren Namen man nicht kennt.
Der Mann bedankte sich, steckte sein Portemonnaie ein und ging langsam hinaus. Ich dachte: Vielleicht ist das später einmal der eigentliche Luxus. Sich nicht mehr hetzen zu lassen von Menschen, deren Namen man nicht kennt.
Freitag, Juli 10, 2026
treibenlassen.
Geburtstagswochenende. Zeit ist gerade ein bisschen knapp, das Leben dafür umso voller. Ich wünsche mir überhaupt nichts Großes. Kein Programm, das man schon morgens um neun ambitioniert abarbeiten muss. Kein Ereignis, das später unbedingt eine gute Geschichte ergeben soll. Kein Freizeitstress mit hübscher Kulisse. Nur einen Tag, an dem wir uns einfach treiben lassen. Zusammen. Ohne Uhr im Nacken, ohne Pflichtgefühl, ohne dieses ewige innere Abhaken, das selbst aus schönen Dingen eine To-do-Liste macht. Ein bisschen schauen. Ein bisschen stehen bleiben. Irgendwo etwas essen. Weitergehen. Lachen. Vielleicht falsch abbiegen und noch eine Runde drehen. Vielleicht irgendwo länger sitzen bleiben als gedacht. Müde werden, ohne erschöpft zu sein. Eventuell treffen wir wieder den „weltbesten“ Panflötenspieler. Vielleicht ist Glück manchmal genau das: kein besonderer Plan. Nur die richtigen Menschen und genug Zeit, ihn nicht zu brauchen. Ich freu mich so richtig.
Donnerstag, Juli 09, 2026
intensität.
Ich stand heute im Aufzug mit einem Mann, der sehr intensiv nach Aftershave roch. Nicht schlecht. Nur entschlossen. So ein Duft, der nicht fragt, ob er mitfahren darf. Er steigt ein, übernimmt die Hausordnung und gründet spätestens im dritten Stock eine Bürgerinitiative.
Der Mann sagte: „Ganz schön warm heute.“
Ich sagte: „Ja.“
Der Mann sagte: „Ganz schön warm heute.“
Ich sagte: „Ja.“
Mehr war nicht nötig. Manchmal ist Smalltalk ja nur ein soziales Nicken in Richtung Apokalypse. Wir fuhren gemeinsam fünf Etagen. Beide schweigend. Sein Aftershave bleibt vermutlich noch bis morgen im Aufzug zurück und wird dort Pakete entgegennehmen. Oben angekommen stieg ich aus und dachte: Menschen hinterlassen Spuren. Manche in Herzen. Manche in WhatsApp-Verläufen. Und manche in schlecht belüfteten Aufzügen. Alles nur eine Frage der Intensität.
45.
Geburtstage sind seltsam. So viel Aufmerksamkeit auf einmal. Nachrichten, Anrufe, Glückwünsche, kleine liebe Sätze aus allen Richtungen. Ich freue mich wirklich. Und gleichzeitig sitzt irgendwo im inneren Maschinenraum ein kleines Wesen mit Klemmbrett und ruft: "Bitte einzeln eintreten, das System verarbeitet noch." Mich überfordert das jedes Jahr. Vielleicht war genau deshalb dieser Abend so wunderschön. Nicht groß. Nicht laut. Nicht perfekt inszeniert. Kein Geburtstagsprogramm mit emotionaler Anwesenheitspflicht. Keine Show. Kein „jetzt muss es aber besonders werden“.
Einfach wir drei. Essen. Reden. Lachen. Zusammen am Tisch sitzen. Dieses leise Nebeneinander, das manchmal so viel größer ist als alles, was man planen könnte. Mehr wollte ich gar nicht. Kein Spektakel. Keine Überraschung. Keine Konfettikanone. Kein Beweisstück für ein gelungenes Leben. Nur einen ruhigen Abend. Mit den beiden Menschen, die mir am nächsten sind. Und ich hab die besten persönlichen Geschenke und das leckerste Essen bekommen. Ich liebs einfach.
Einfach wir drei. Essen. Reden. Lachen. Zusammen am Tisch sitzen. Dieses leise Nebeneinander, das manchmal so viel größer ist als alles, was man planen könnte. Mehr wollte ich gar nicht. Kein Spektakel. Keine Überraschung. Keine Konfettikanone. Kein Beweisstück für ein gelungenes Leben. Nur einen ruhigen Abend. Mit den beiden Menschen, die mir am nächsten sind. Und ich hab die besten persönlichen Geschenke und das leckerste Essen bekommen. Ich liebs einfach.
45, here we go! Ich mag die Zahlenkombi irgendwie so richtig.
Mittwoch, Juli 08, 2026
wirkungsketten.
Ich glaube, Wirkungsketten in Beziehungen werden massiv unterschätzt. Nicht diese großen, dramatischen Momente mit Blitz, Donner und Menschen, die durch Regen rennen. Sondern diese kleinen Verschiebungen. Ein Satz. Ein Ton. Ein Angebot. Eine Unsicherheit. Mein alter Reflex, der sich sofort meldet und sagt: "Sei weniger. Regel das allein. Sei nicht auch noch ein Problem!" Und schon ist man nicht mehr im Jetzt, sondern irgendwo in einem alten Kellerraum, in dem noch sehr viel Zeug steht. Ich finde das lästig, weil ich gern behaupten würde, ich habe meine Innenausstattung inzwischen vollständig verstanden. Aber ich kenne offensichtlich nur die Lichtschalter besser.
Und dann gibt es diesen Satz, der erst einmal wunderschön klingt. Du bist nicht mehr allein. Warm. Beruhigend. Fast wie eine Decke. Bis man merkt, dass darin nicht nur Trost steckt, sondern auch viel Verantwortung. Weil Nähe eben keine Einbahnstraße mit hübscher Bepflanzung ist. Wenn einer explodiert, bekommt der andere den Luftdruck mit. Wenn einer aus Stress knapp wird, landet das nicht im Nirgendwo, sondern irgendwo im Körper des Menschen, der daneben steht und versucht, es nicht direkt persönlich zu nehmen. Meistens ist es überhaupt nicht böse gemeint. Das ist vielleicht das Anstrengendste daran. Viele Dinge sind nicht böse gemeint und wirken trotzdem.
Ich verstehe oft sehr viel. Manchmal vielleicht zu schnell. Aber verstanden werden möchte ich eben auch. Vielleicht ist genau das erwachsene Liebe. Merken, dass das eigene Chaos nicht an der eigenen Haut endet. Dass Stress nicht privat bleibt, wenn man liebt. Dass Rücksicht nicht bedeutet, sich unsichtbar zu machen. Und dass „nicht mehr allein“ nicht nur ein schöner Satz ist, sondern manchmal auch eine ziemlich praktische Zumutung. Weil auf einmal alles Wirkung hat und zwar in beide Richtungen. Immer. Auch das Gute. Vor allem das Gute.
Und dann gibt es diesen Satz, der erst einmal wunderschön klingt. Du bist nicht mehr allein. Warm. Beruhigend. Fast wie eine Decke. Bis man merkt, dass darin nicht nur Trost steckt, sondern auch viel Verantwortung. Weil Nähe eben keine Einbahnstraße mit hübscher Bepflanzung ist. Wenn einer explodiert, bekommt der andere den Luftdruck mit. Wenn einer aus Stress knapp wird, landet das nicht im Nirgendwo, sondern irgendwo im Körper des Menschen, der daneben steht und versucht, es nicht direkt persönlich zu nehmen. Meistens ist es überhaupt nicht böse gemeint. Das ist vielleicht das Anstrengendste daran. Viele Dinge sind nicht böse gemeint und wirken trotzdem.
Ich verstehe oft sehr viel. Manchmal vielleicht zu schnell. Aber verstanden werden möchte ich eben auch. Vielleicht ist genau das erwachsene Liebe. Merken, dass das eigene Chaos nicht an der eigenen Haut endet. Dass Stress nicht privat bleibt, wenn man liebt. Dass Rücksicht nicht bedeutet, sich unsichtbar zu machen. Und dass „nicht mehr allein“ nicht nur ein schöner Satz ist, sondern manchmal auch eine ziemlich praktische Zumutung. Weil auf einmal alles Wirkung hat und zwar in beide Richtungen. Immer. Auch das Gute. Vor allem das Gute.
Montag, Juli 06, 2026
44.
Heute ist mein letzter Abend mit 44. Ich sitze noch im Workshop, irgendwo zwischen Moderationskarten, fremden Menschen und diesem Gesicht, das man macht, wenn man professionell wirkt, obwohl innen längst jemand die Jahresbilanz auf den Tisch kippt. Es ist viel passiert. Es hat sich viel entwickelt. In mir. Um mich herum. Zwischen Menschen. In Beziehungen. In diesem merkwürdigen Feld zwischen Abschied und Anfang, in dem man manchmal morgens traurig ist und abends trotzdem lachen kann, ohne dass eins davon gelogen ist. Ich lasse die Monate nochmal vor meinem inneren Auge vorbeiziehen.
Ich wollte morgen gern anders aufwachen. Nicht im Hotel. Nicht allein. Sondern neben dem Menschen, bei dem sich mein Leben gerade sehr leise und sehr deutlich neu sortiert. Dieses völlig unspektakuläre Glück. Aufwachen. Nähe. Kein großes Ding. Genau deshalb ein großes Ding. Stattdessen sitze ich hier mitten in der Pampa. Und ja, ein Teil von mir findet das traurig. Vielleicht sogar mehr als nur ein bisschen. Aber ein anderer Teil mag diese Ruhe. Diese Stille, in der niemand etwas von mir will. Kein Smalltalk, kein gut gemeintes Gruppengefühl mit fremden Menschen, die spontan laut und euphorisch singen, mit denen ich eben noch über norwegische Strompreise gesprochen habe. Ich mag Geburtstage, aber ich mag sie leise.
Nur ich, 44 und ein Jahr, das allmählich langsam ausläuft. Es wird der zweite Geburtstag, an dem ein vertrauter Anruf fehlen wird. Das tut weh. Aber morgen Abend bin ich wieder zu Hause. Bei meinen Lieblingsmenschen. Rückblickend kann ich sagen, es war ein gutes Jahr, dafür bin ich dankbar - so darf es weitergehen.
Ich wollte morgen gern anders aufwachen. Nicht im Hotel. Nicht allein. Sondern neben dem Menschen, bei dem sich mein Leben gerade sehr leise und sehr deutlich neu sortiert. Dieses völlig unspektakuläre Glück. Aufwachen. Nähe. Kein großes Ding. Genau deshalb ein großes Ding. Stattdessen sitze ich hier mitten in der Pampa. Und ja, ein Teil von mir findet das traurig. Vielleicht sogar mehr als nur ein bisschen. Aber ein anderer Teil mag diese Ruhe. Diese Stille, in der niemand etwas von mir will. Kein Smalltalk, kein gut gemeintes Gruppengefühl mit fremden Menschen, die spontan laut und euphorisch singen, mit denen ich eben noch über norwegische Strompreise gesprochen habe. Ich mag Geburtstage, aber ich mag sie leise.
Nur ich, 44 und ein Jahr, das allmählich langsam ausläuft. Es wird der zweite Geburtstag, an dem ein vertrauter Anruf fehlen wird. Das tut weh. Aber morgen Abend bin ich wieder zu Hause. Bei meinen Lieblingsmenschen. Rückblickend kann ich sagen, es war ein gutes Jahr, dafür bin ich dankbar - so darf es weitergehen.
Sonntag, Juli 05, 2026
post.
Ich wollte nur ein Paket abholen. Nur. Dieses Wort ist der Anfang vieler sehr schlechter Entscheidungen. Die Post-Filiale ist gleichzeitig Kiosk, Lottoannahmestelle, Hermes-Außenstelle und offenbar auch eine Art psychosoziale Beratungsstelle für Menschen mit verlorenen Retourenscheinen. Vor mir ein Mann, der nicht wusste, ob sein Paket an ihn, seine Frau, seine Firma oder seinen Nachbarn adressiert war. Hinter mir jemand, der sehr laut telefonierte und dabei erklärte, dass „die da wieder alles falsch gemacht haben“. Alter.
Ich stand da mit meinem Ausweis in der Hand und diesem Gesichtsausdruck, den Frauen ab vierzig entwickeln, wenn sie äußerlich ruhig bleiben, innerlich aber bereits eine komplette Prozessoptimierung entworfen haben und nervigen Menschen einfach kommentarlos ins Gesicht schießen möchten. Der Mann hinter der Theke sagte: „Hausnummer?“ Ich antwortete. Er verschwand. Kam zurück. Verschwand wieder. Kam mit einem Paket zurück, das ungefähr die Größe eines Hamsters hatte. Ich hatte Schuhe bestellt. Für einen Moment dachte ich, entweder ist das der Beginn einer Reklamation oder meine Füße haben heimlich abgenommen. Samstagvormittag in der Post und ich weiß wieder, warum ich andere Menschen nicht mag.
Ich stand da mit meinem Ausweis in der Hand und diesem Gesichtsausdruck, den Frauen ab vierzig entwickeln, wenn sie äußerlich ruhig bleiben, innerlich aber bereits eine komplette Prozessoptimierung entworfen haben und nervigen Menschen einfach kommentarlos ins Gesicht schießen möchten. Der Mann hinter der Theke sagte: „Hausnummer?“ Ich antwortete. Er verschwand. Kam zurück. Verschwand wieder. Kam mit einem Paket zurück, das ungefähr die Größe eines Hamsters hatte. Ich hatte Schuhe bestellt. Für einen Moment dachte ich, entweder ist das der Beginn einer Reklamation oder meine Füße haben heimlich abgenommen. Samstagvormittag in der Post und ich weiß wieder, warum ich andere Menschen nicht mag.
Samstag, Juli 04, 2026
ratio.
Manchmal ist Schmerz nicht laut. Manchmal sitzt er einfach mit am Tisch. Er trinkt keinen Kaffee, sagt nichts, macht sich aber breit. In einer Ecke des Körpers. Zwischen den Rippen. Hinter den Augen. In diesem kleinen Moment, in dem man eigentlich funktionieren müsste, aber plötzlich wieder irgendwo steht, wo man nie wieder stehen wollte. Manchmal ist er ein Geruch. Ein Satz. Ein Datum. Ein Lied im Supermarkt. Eine fremde Handbewegung. Ein Foto oder ein Bild, das man weder gesucht noch darum gebeten hat. Eine Erinnerung, die nicht anklopft, sondern einfach die Tür eintritt. Schmerz ist ein seltsames Tier. Man denkt, man hätte ihn irgendwo abgelegt. In alten Jahren. In Krankenhausfluren. In Friedhofserde. In vergangenen Lieben. In Entscheidungen, die richtig waren und trotzdem viel gekostet haben. In Gesprächen, nach denen man anders war als vorher. Und dann steht er plötzlich wieder da. Nicht mit Musik, eher so nebenbei. Mitten im Alltag. Zwischen Espresso, Kalender, Meetings und irgendeinem schwarzen Rechteck, das mal wieder niemand richtig zuordnen kann. Manchmal reicht ein Satz. Eine Bewegung. Ein Detail, das nicht eingeordnet ist. Und schon ist der Kopf nicht mehr im Heute, sondern irgendwo, wo ich überhaupt gar nicht hinwollte. Das Ärgerliche ist, man weiß es. Man weiß, dass alte Bilder keine Gegenwart sind. Dass der Kopf manchmal aus einer Lücke eine ganze Katastrophe baut. Trotzdem greift das Ratio manchmal nicht.
Freitag, Juli 03, 2026
bäckerschlange.
Es gibt kaum einen besseren Ort für Gesellschaftsstudien als eine Bäckerschlange am frühen Morgen. Menschen mit unausgesprochenen Brötchenkonzepten, Kinder mit Croissantverhandlungsmandat, Männer, die „nur schnell“ sagen und dann acht verschiedene Körnerbrötchen nicht unterscheiden können. Ich stehe dazwischen, noch halb im Bett, aber innerlich bereits mitten in einer ethnografischen Feldstudie. Dabei wollte ich nur schnell ein Brötchen und ins erste Meeting.
Donnerstag, Juli 02, 2026
mitreisende.
Manchmal denke ich, das Leben besteht aus lauter Versionen von uns, die irgendwo zurückgeblieben sind. Eine an einem Krankenbett. Eine in einer alten Liebe. Eine in einem Gespräch, das zu spät kam. Eine in einer Nacht, in der sie etwas erfahren hat, was sie nie wissen wollte. Eine mit einem Kind an der Hand. Eine mit einem Koffer. Eine mit einem Lächeln, das noch nicht wusste, was kommt. Und viele weitere. Und dann muss man all diese Versionen irgendwie mitnehmen, ohne dass sie einem ständig ins Steuer greifen. Das ist Arbeit.
Dienstag, Juni 30, 2026
idealistin eiskalt.
Ich glaube weiterhin, dass man sehr viel sehr gut hinbekommen kann, wenn zwei Menschen wirklich beteiligt sind. Nicht halb. Nicht nebenbei. Nicht mit offenem Hinterausgang. Sondern da. Wirklich da. Mit beiden Füßen. Ich rede von dieser Für-immer-Beziehung. Von gemeinsam alt werden. Von bleiben, auch wenn es unbequem wird. Von gemeinsamer Arbeit, Nähe, Wahrheit und der Entscheidung, nicht bei jedem Sturm innerlich den Fluchtweg zu suchen oder zuzumachen. Ich wünsche mir, dass man sich immer wieder füreinander entscheidet. Nicht aus Pflicht. Nicht aus Angst. Nicht aus Gewohnheit. Sondern weil man sich gut tut. Weil man einander bereichert. Weil das Leben durch den anderen nicht kleiner, sondern größer wird. Ein Stück wärmer. Klarer. Lebendiger. Weil man etwas miteinander baut, das größer ist als der Reflex zu fliehen.
Vielleicht bin ich auch einfach besonders bescheuert und die größte Idiotin von allen, weil ich weiter daran glauben möchte. Vielleicht bin ich aber auch nur nicht bereit, mich mit weniger zufriedenzugeben. Ich weiß was es kostet. Und ich will es trotzdem.
Montag, Juni 29, 2026
langfristig.
Als wir letzten Sommer im Urlaub am Meer waren, rief der Mann an und fragte, ob wir uns vorstellen könnten, ihn im nächsten Sommer vielleicht mitzunehmen. Ich weiß noch, wie wir Mädels den abendlichen Spaziergang zum Strand machten und ich die Untermieterin fragte, wie sie das finden würde und ob, sie sich das überhaupt grundsätzlich vorstellen kann. Sie blieb stehen, schaute mich lange prüfend an und meinte völlig trocken: "Na, ER plant ja sehr langfristig." Ich lieb sie einfach. Es war dieser typische Teenager-Moment, in dem in einem einzigen Satz mehr Analyse steckt als in drei Beratungsterminen und einer mittelgroßen PowerPoint-Präsentation. Mittlerweile hat sie ihren ganz persönlichen Countdown und gibt uns jede Woche ein Update, wie viele Tage es noch bis zum Urlaub und den Sommerferien sind. Die beiden freuen sich den Arsch ab, dass wir zu dritt verreisen. Fühlt sich sehr gut an. Das wird die beste und entspannteste Zeit. Es ist so richtig schön normal. Danach sind wir wahrscheinlich alle Schach-Meister und vielleicht lese ich endlich doch noch das Buch, was ich letzten Sommer nicht geschafft habe bzw. einfach nicht reinkam. Am Ende gibts eine Buchpräsentation, weil sie sich seit einem Jahr gemeinsam über mich lustig machen - "Bestes Buch 2025."
Samstag, Juni 27, 2026
luxus.
Ich glaube, kleiner Luxus wird gern unterschätzt. Nicht Hotel, Spa, Champagner, Infinitypool. Eher: frische Bettwäsche. Eine kalte Flasche Eistee bei 38Grad oder Wein. Niemand will gerade etwas. Raum und Luft. Die Küche ist für sechs Minuten sauber. Ein Paket kommt wirklich an. Das Kind schreibt freiwillig eine Nachricht. Der Mann fragt: „Soll ich was mitbringen?“ Das sind keine großen Dinge. Aber große Dinge sind sowieso oft überbewertet. Sie machen Lärm, kosten Geld und brauchen meistens Schuhe, in denen man nicht gut laufen kann. Kleiner Luxus kommt leiser. Er steht in der Küche. Liegt auf dem Bett. Klingelt kurz. Schiebt einem ein Glas hin. Merkt, dass man müde ist. Ich werde offenbar älter. Früher habe ich vielleicht mehr Glanz gebraucht. Heute denke ich manchmal, wenn jetzt noch jemand die Spülmaschine ausräumt, ist das hier praktisch Versailles.
Freitag, Juni 26, 2026
präsenz.
Ich glaube, ich verstehe immer besser, wie wichtig mir echte Präsenz ist. Nicht als großes Konzept. Nicht als Forderung. Nicht als weiterer Punkt auf der ohnehin schon absurden Liste dessen, was Menschen angeblich alles leisten müssen, um beziehungstauglich zu sein. Eher als etwas sehr Einfaches. Da sein, wenn man da ist. Das klingt so schlicht, dass man es fast überlesen könnte. Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Anwesenheit können viele. Körper im Raum, Kopf woanders. Neben jemandem sitzen und trotzdem nicht wirklich dort sein. Das passiert. Mir auch. Das Leben ist laut, der Kopf ist voll, das Handy blinkt, irgendeine innere ToDo- oder Einkaufsliste führt immer Protokoll. Präsenz ist für mich etwas anderes.
Präsenz ist eher, den anderen bei all dem alltäglichen Wahnsinn nicht ganz aus dem Blick zu verlieren. Zwischen Arbeit, Terminen, Nachrichten, Verantwortung, Stress, eigenen Gedanken und diesem ganzen Grundrauschen, das einen enger macht. Oder wieder hinzuschauen, wenn man merkt, dass man kurz verschwunden war. Sie beginnt in diesen kleinen Momenten, in denen jemand merkt, dass ein Satz nicht nur ein Satz ist. Dass ein „alles gut“ vielleicht gerade nur mittelgut konstruiert wurde. Dass jemand kurz leiser wird, obwohl er nach außen noch hervorragend funktioniert. Ich brauche keine Daueraufmerksamkeit. Überhaupt nicht. Keinen emotionalen Butler, keine Dauerschalte in meine Innenwelt, keine Panflöte im Hintergrund.
Aber ich merke, dass es mich tief beruhigt, wenn jemand wirklich da ist. Nicht perfekt. Nicht immer. Aber echt. Manchmal heißt Präsenz einfach nur, ich halte diesen Moment mit Dir aus. Keine Filmszene. Zu wenig Regen, zu wenig Bahnhof, zu wenig Mantelkragen. Eher Küchenlicht. Müde Gesichter. Wassergläser. Halbe Sätze. Ein Blick, der bleibt. Jemand, der fragt und nicht nur auf die nächste Gelegenheit wartet, selbst etwas zu sagen. Ich traue diesen kleinen Momenten mehr als jedem großen Versprechen. Weil Alltag so viel ehrlicher ist als Feuerwerk. Im schönen Licht kann man viel fühlen. Im normalen Licht zeigt sich, ob man wirklich miteinander da sein kann. Mit beiden Füßen im Raum. Nicht immer glänzend. Nicht immer souverän. Nicht immer sofort richtig. Aber anwesend. Vielleicht ist genau das der Teil, der etwas weiter wachsen lässt.
Präsenz ist eher, den anderen bei all dem alltäglichen Wahnsinn nicht ganz aus dem Blick zu verlieren. Zwischen Arbeit, Terminen, Nachrichten, Verantwortung, Stress, eigenen Gedanken und diesem ganzen Grundrauschen, das einen enger macht. Oder wieder hinzuschauen, wenn man merkt, dass man kurz verschwunden war. Sie beginnt in diesen kleinen Momenten, in denen jemand merkt, dass ein Satz nicht nur ein Satz ist. Dass ein „alles gut“ vielleicht gerade nur mittelgut konstruiert wurde. Dass jemand kurz leiser wird, obwohl er nach außen noch hervorragend funktioniert. Ich brauche keine Daueraufmerksamkeit. Überhaupt nicht. Keinen emotionalen Butler, keine Dauerschalte in meine Innenwelt, keine Panflöte im Hintergrund.
Aber ich merke, dass es mich tief beruhigt, wenn jemand wirklich da ist. Nicht perfekt. Nicht immer. Aber echt. Manchmal heißt Präsenz einfach nur, ich halte diesen Moment mit Dir aus. Keine Filmszene. Zu wenig Regen, zu wenig Bahnhof, zu wenig Mantelkragen. Eher Küchenlicht. Müde Gesichter. Wassergläser. Halbe Sätze. Ein Blick, der bleibt. Jemand, der fragt und nicht nur auf die nächste Gelegenheit wartet, selbst etwas zu sagen. Ich traue diesen kleinen Momenten mehr als jedem großen Versprechen. Weil Alltag so viel ehrlicher ist als Feuerwerk. Im schönen Licht kann man viel fühlen. Im normalen Licht zeigt sich, ob man wirklich miteinander da sein kann. Mit beiden Füßen im Raum. Nicht immer glänzend. Nicht immer souverän. Nicht immer sofort richtig. Aber anwesend. Vielleicht ist genau das der Teil, der etwas weiter wachsen lässt.
Donnerstag, Juni 25, 2026
lebensentscheidung.
Ich habe heute zwei Wassermelonen gekauft. Das klingt erstmal nicht weiter berichtenswert. Ist es vermutlich auch nicht. Aber bei Temperaturen, bei denen selbst meine Gedanken keine Hosen oder kurze Kleidchen tragen wollen, wird Wassermelone plötzlich zur Lebensentscheidung. Ich stand also morgens im Supermarkt und klopfte auf Melonen. Als hätte ich Ahnung. Habe ich nicht. Ich klopfe immer sehr konzentriert auf Obst und hoffe, dass niemand merkt, dass ich keinerlei System habe. Es klingt entweder dumpf oder anders dumpf. Daraus leite ich dann eine Entscheidung ab, die ich später zuhause für Schicksal halte, falls die Melone nichts kann. Erwachsene Menschen machen so etwas.
Zu Hause habe ich die Melone aufgeschnitten und war kurz stolz, als hätte ich sie selbst erfunden. Rot. Kalt. Süß. Manchmal ist Glück nicht kompliziert. Manchmal steht es auf einem Schneidebrett, tropft auf die Arbeitsplatte und man isst direkt im Stehen über der Spüle, weil Teller bei der Affenhitze völlig überbewertet sind.
Mittwoch, Juni 24, 2026
kühlkette.
Ich glaube, ich bin heute kurz aus der Kühlkette gefallen. Keine großen Schäden. Nur dieses leichte Schmelzen an den Rändern, wenn man bei zu viel Grad versucht, Unterlagen fertig zustellen, spontan Feuerwehr zu spielen, freundlich zu bleiben und nebenbei ein erwachsener souveräner Mensch zu sein. Erwachsensein bei so krasser Hitze ist sowieso irgendwie ein Konzeptfehler. Man soll Termine einhalten, E-Mails beantworten, an Meetings teilnehmen, lächeln, Projekte vorbereiten und vorantreiben, Dinge sortieren und gleichzeitig nicht aussehen wie ein nasser Waschlappen. Ich habe mein Bestes gegeben. Mehr war temperaturbedingt nicht drin. Das Hirn wechselt spätestens jetzt final in den Gemüsemodus. Die Tetris-Melodie lief schon seit dem Mittag.
Mit das Beste heute, der Mann, der als erstes aufzählte, was unsere Homeoffice-Mittagsküche heute und morgen Leckeres servieren wird. Ich liebs einfach.
Dienstag, Juni 23, 2026
miteinander.
Manchmal reicht es, sich einfach hinzusetzen und zu reden. Ich mag es sehr, wie wir miteinander sprechen. Wie wir zuhören, nachfragen, sortieren. Einordnen. Wie wir versuchen, nicht in alten Mustern hängen zu bleiben, sondern Dinge besser zu machen. Zu lernen. Zu verstehen. Und es ist irre, was daraus entsteht. Nicht immer leicht. Aber sehr wir. Und vielleicht genau deshalb unsere Superpower.
Montag, Juni 22, 2026
hitzefrei.
Es ist zu heiß für kluge Gedanken. Ich habe heute schon sehr erwachsen Dinge erledigt, Ordner getragen, Wasser getrunken, die restlichen Gurken aufgekauft, 1kg Joghurt und kurz überlegt, ob man Steuerunterlagen einfach bei 34 Grad automatisch als abgegeben gelten lassen könnte. Leider nein. Jetzt sitze ich hier, schwitze höflich vor mich hin und tue so, als wäre das ein ganz normaler Montag. In vier Wochen starten übrigens die Sommerferien. Verrückt, wieder ein Schuljahr geschafft. Die Untermieterin zählt bereits die Tage runter - zumindest haben sie diese Woche Hitzefrei. Das Kind startet dann direkt erstmal mit Ferien bei ihrem Vater. Wie sind eigentlich die aktuellen Temperaturen in Norwegen?
Sonntag, Juni 21, 2026
ursprung.
Es ist am Ende nie nur eine Zahl. Nicht 80. Nicht über 80. Nicht „ein gutes Alter“. Nicht diese Sätze, die man sagt, weil man irgendetwas sagen muss und weil der Tod im hohen Alter vernünftiger klingt als ein anderer Tod.
Es ist die Mutter.
Für irgendwen ist dieser Mensch nicht alt gewesen, sondern Ursprung. Kindheit. Zuhause. Reibung. Stimme. Geruch. Sorge. Liebe. Pflicht. Alte Muster. Nähe. Konflikt. Wahrscheinlich vieles gleichzeitig.
Und plötzlich ist da ein erwachsener Mann, den man sehr schätzt. Beruflich sicher. Lebenserfahren. Klug. Einer, der Entscheidungen trifft, Verantwortung trägt, Dinge einordnet, sein eigenes Leben gebaut hat und trotzdem ist er jetzt gerade vor allem eins. Ein Sohn, dessen Mutter gestorben ist. Das berührt mich. Weil Eltern in uns nie ganz nur alt werden. Sie bleiben an irgendeiner Stelle groß. Auch dann, wenn wir selbst längst groß sind. Auch dann, wenn wir ihre Schwächen kennen. Ihre Eigenheiten. Ihre Grenzen. Auch dann, wenn wir uns längst abgelöst haben oder es zumindest versucht haben. Eine Mutter hört nicht einfach auf, Mutter zu sein, nur weil ihr Kind erwachsen ist.
Und ein Sohn hört nicht auf, Sohn zu sein, nur weil er über 50 ist. Auch wenn man weiß, dass Sterben zur Reihenfolge und dem Kreislauf des Lebens gehört. Es ist trotzdem traurig. Ich habe über die Jahre so viele Geschichten über seine Mutter gehört, gesehen wie er still gelächelt oder liebevoll die Augen verdreht hat, wenn er von ihr sprach. Habe mit ihm über diese kleinen Eigenheiten gelacht, die Eltern manchmal haben und die einen nerven, prägen und irgendwann fehlen. Ich fand sie immer richtig klasse.
Seine Welt ist gestern Abend ein Stück anders geworden.
Und vielleicht trifft es mich auch deshalb so, weil es mir für einen Moment sehr nah holt, was ich sonst lieber nicht zu Ende denke. Dass auch meine Eltern irgendwann sterben werden. Dass man das selbstverständlich weiß und trotzdem nicht wissen will. Dass man erwachsen sein kann, ein eigenes Leben haben, selbst Mutter sein und an dieser Stelle trotzdem Kind bleibt. Vielleicht bleibt man das immer. Irgendwo.
Es ist die Mutter.
Für irgendwen ist dieser Mensch nicht alt gewesen, sondern Ursprung. Kindheit. Zuhause. Reibung. Stimme. Geruch. Sorge. Liebe. Pflicht. Alte Muster. Nähe. Konflikt. Wahrscheinlich vieles gleichzeitig.
Und plötzlich ist da ein erwachsener Mann, den man sehr schätzt. Beruflich sicher. Lebenserfahren. Klug. Einer, der Entscheidungen trifft, Verantwortung trägt, Dinge einordnet, sein eigenes Leben gebaut hat und trotzdem ist er jetzt gerade vor allem eins. Ein Sohn, dessen Mutter gestorben ist. Das berührt mich. Weil Eltern in uns nie ganz nur alt werden. Sie bleiben an irgendeiner Stelle groß. Auch dann, wenn wir selbst längst groß sind. Auch dann, wenn wir ihre Schwächen kennen. Ihre Eigenheiten. Ihre Grenzen. Auch dann, wenn wir uns längst abgelöst haben oder es zumindest versucht haben. Eine Mutter hört nicht einfach auf, Mutter zu sein, nur weil ihr Kind erwachsen ist.
Und ein Sohn hört nicht auf, Sohn zu sein, nur weil er über 50 ist. Auch wenn man weiß, dass Sterben zur Reihenfolge und dem Kreislauf des Lebens gehört. Es ist trotzdem traurig. Ich habe über die Jahre so viele Geschichten über seine Mutter gehört, gesehen wie er still gelächelt oder liebevoll die Augen verdreht hat, wenn er von ihr sprach. Habe mit ihm über diese kleinen Eigenheiten gelacht, die Eltern manchmal haben und die einen nerven, prägen und irgendwann fehlen. Ich fand sie immer richtig klasse.
Seine Welt ist gestern Abend ein Stück anders geworden.
Und vielleicht trifft es mich auch deshalb so, weil es mir für einen Moment sehr nah holt, was ich sonst lieber nicht zu Ende denke. Dass auch meine Eltern irgendwann sterben werden. Dass man das selbstverständlich weiß und trotzdem nicht wissen will. Dass man erwachsen sein kann, ein eigenes Leben haben, selbst Mutter sein und an dieser Stelle trotzdem Kind bleibt. Vielleicht bleibt man das immer. Irgendwo.
Freitag, Juni 19, 2026
humor.
Situationskomik.
Wir sitzen beim Abendessen und ich frage den Mann, ob er mir die Cola reicht.
Er: „Ich kann Dir auch etwas einschenken.“
Ich reiche ihm mein Glas.
Der Teenie merkt an, dass sie ebenfalls gern Cola hätte.
Die Flasche ist fast leer. Der Mann fängt an die Cola gerecht aufzuteilen, hält inne, schaut breit grinsend von der Untermieterin zu mir: „Wer von euch beiden mag mich eigentlich lieber?“ und schwenkt dabei verschwörerisch die Flasche.
Der Teenie stellte kommentarlos grinsend eine neue Flasche auf den Tisch :)
Wir sitzen beim Abendessen und ich frage den Mann, ob er mir die Cola reicht.
Er: „Ich kann Dir auch etwas einschenken.“
Ich reiche ihm mein Glas.
Der Teenie merkt an, dass sie ebenfalls gern Cola hätte.
Die Flasche ist fast leer. Der Mann fängt an die Cola gerecht aufzuteilen, hält inne, schaut breit grinsend von der Untermieterin zu mir: „Wer von euch beiden mag mich eigentlich lieber?“ und schwenkt dabei verschwörerisch die Flasche.
Der Teenie stellte kommentarlos grinsend eine neue Flasche auf den Tisch :)
Ich mag uns Drei.
Donnerstag, Juni 18, 2026
111.
Schnapszahlenpost. Ich freu mich gerade. Weil ich merke, alles ist auf dem Weg und sortiert sich. Mit den Jahren gelernt. Manches bewegt sich. Manches findet seinen Platz. Manches wird endlich losgelassen. Manches, das lange wild und unklar war, wird langsam ruhiger. Vielleicht ist das genau der Moment zwischen Chaos und Ankommen. Und manchmal reicht das schon, um kurz dankbar zu sein.
beste.
Das Beste heute. A) Mein Vater darf nach fast einem Monat endlich aus dem Krankenhaus nach Hause. Auch wenn sich damit nochmal einiges massiv ändern wird bei meinen Eltern. Sie freuen sich beide und sind erleichtert. Schauen wir mal, wie das wird. B) Es ist schon wieder Donnerstag. C) Ich liebs, wenn der Mann nachts seine Decke hebt und signalisiert, dass ich ran rutschen soll zum Andocken und er mich einfach festhält und seelenruhig weiterschläft. Ich genieße die Ruhe darin.
Mittwoch, Juni 17, 2026
medienkompetenz.
Wem glauben wir eigentlich noch, wenn alle gleichzeitig senden?
Heute Morgen habe ich in den Reuters Institute Digital News Report 2026 reingeschaut und bin wieder an dieser einen Stelle hängen geblieben, es geht gar nicht nur um Medien. Es geht um uns. Um unsere Art, morgens, mittags, abends die Welt in uns reinzulassen. Meistens zwischen zwei, drei anderen Dingen. Selten mit voller Aufmerksamkeit. Fast nie ohne Nebenrauschen. Nachrichten kommen ja heute nicht mehr geordnet zur Tür rein. Sie fallen einem aufs Handy. Zwischen Wetterapp, Sprachnachricht, Einkaufsliste, Teenager-Orga, Arbeit, irgendeinem Reel und einem KI-generierten Satz, der verdächtig glatt klingt. Weltlage im Hochformat. Krieg, Klima, Wahl, Krise, Fußball, Rezept, Werbung. Alles gleich nah. Alles gleich hell. Alles gleich scrollbar.
Und dann soll man noch unterscheiden, was wichtig ist. Was stimmt. Was eingeordnet wurde. Was nur laut ist. Was Journalismus ist. Was Meinung ist. Was jemand erzählt, weil es Reichweite bringt. Und was man vielleicht lieber erstmal nicht glauben sollte, nur weil es sehr selbstbewusst formuliert wurde. Ich finde, das ist manchmal anstrengend. Nicht, weil Menschen zu dumm für Nachrichten wären. Sondern weil das Informationssystem inzwischen wirkt wie ein Supermarkt kurz vor Ladenschluss. Alles liegt irgendwo, alle sind ein bisschen müde, jemand steht im Weg und man selbst wollte eigentlich nur drei Dinge holen.
Der Report zeigt für mich vor allem, Sichtbarkeit ist nicht mehr das Problem. Wir sehen genug. Zu viel sogar. Das Problem ist Orientierung. Wem traue ich zu, die Dinge nicht noch nervöser zu machen? Wer sortiert, statt nur zu senden? Wer erklärt, ohne mich wie ein Kind zu behandeln? Wer hält Komplexität aus, ohne sie in Drama oder Beruhigungssprache zu verwandeln? Vielleicht ist Vertrauen deshalb die eigentliche Währung. Nicht Geschwindigkeit. Nicht Lautstärke. Nicht der nächste Kanal. Vertrauen entsteht nicht, weil jemand überall auftaucht. Sondern weil jemand wiedererkennbar verlässlich ist. Weil man merkt, da denkt jemand. Da prüft jemand. Da wird nicht nur Content ausgespuckt, weil der Algorithmus Hunger hat.
Aber natürlich ist Orientierung keine Einbahnstraße. Wir können nicht nur auf bessere Medien, bessere Plattformen und bessere Institutionen hoffen. Wir müssen auch selbst entscheiden, wem wir unsere Aufmerksamkeit geben. Was wir teilen. Was wir glauben wollen, weil es gut in unser Weltbild passt. Und wo wir vielleicht einmal kurz langsamer werden müssten, bevor wir innerlich nicken. Unsere Aufgabe ist auch: hinterfragen, filtern, Quellen prüfen. Nicht jede Zuspitzung für Erkenntnis halten. Nicht jede Empörung weitertragen. Nicht jedes Video glauben, nur weil es nah, laut oder gut geschnitten ist. Und nicht jeden Satz für wahr halten, nur weil er sich so anfühlt. Das ist unbequem. Weil es bedeutet, auch unser eigener Daumen ist Teil des Problems. Und vielleicht ist genau das die neue Medienkompetenz. Nicht noch mehr wissen, sondern bewusster auswählen. Nicht alles sofort reinlassen. Nicht alles sofort bewerten. Nicht alles sofort teilen.
Und vielleicht ist genau das die Aufgabe von Medien, Marken und Institutionen. Weniger Welt in die Welt drücken. Mehr sortieren. Mehr Haltung. Mehr Kontext. Mehr Verantwortung für die Wirkung, die Information hat. Denn am Ende brauchen wir nicht noch mehr Nachrichten. Wir brauchen bessere Gründe, jemandem zuzuhören.
Wer sich mit Medien, Kommunikation, Vertrauen oder digitaler Öffentlichkeit beschäftigt. Der Digital News Report 2026 lohnt sich. Und mich würde interessieren: Wem hörst Du heute noch zu und warum?
Heute Morgen habe ich in den Reuters Institute Digital News Report 2026 reingeschaut und bin wieder an dieser einen Stelle hängen geblieben, es geht gar nicht nur um Medien. Es geht um uns. Um unsere Art, morgens, mittags, abends die Welt in uns reinzulassen. Meistens zwischen zwei, drei anderen Dingen. Selten mit voller Aufmerksamkeit. Fast nie ohne Nebenrauschen. Nachrichten kommen ja heute nicht mehr geordnet zur Tür rein. Sie fallen einem aufs Handy. Zwischen Wetterapp, Sprachnachricht, Einkaufsliste, Teenager-Orga, Arbeit, irgendeinem Reel und einem KI-generierten Satz, der verdächtig glatt klingt. Weltlage im Hochformat. Krieg, Klima, Wahl, Krise, Fußball, Rezept, Werbung. Alles gleich nah. Alles gleich hell. Alles gleich scrollbar.
Und dann soll man noch unterscheiden, was wichtig ist. Was stimmt. Was eingeordnet wurde. Was nur laut ist. Was Journalismus ist. Was Meinung ist. Was jemand erzählt, weil es Reichweite bringt. Und was man vielleicht lieber erstmal nicht glauben sollte, nur weil es sehr selbstbewusst formuliert wurde. Ich finde, das ist manchmal anstrengend. Nicht, weil Menschen zu dumm für Nachrichten wären. Sondern weil das Informationssystem inzwischen wirkt wie ein Supermarkt kurz vor Ladenschluss. Alles liegt irgendwo, alle sind ein bisschen müde, jemand steht im Weg und man selbst wollte eigentlich nur drei Dinge holen.
Der Report zeigt für mich vor allem, Sichtbarkeit ist nicht mehr das Problem. Wir sehen genug. Zu viel sogar. Das Problem ist Orientierung. Wem traue ich zu, die Dinge nicht noch nervöser zu machen? Wer sortiert, statt nur zu senden? Wer erklärt, ohne mich wie ein Kind zu behandeln? Wer hält Komplexität aus, ohne sie in Drama oder Beruhigungssprache zu verwandeln? Vielleicht ist Vertrauen deshalb die eigentliche Währung. Nicht Geschwindigkeit. Nicht Lautstärke. Nicht der nächste Kanal. Vertrauen entsteht nicht, weil jemand überall auftaucht. Sondern weil jemand wiedererkennbar verlässlich ist. Weil man merkt, da denkt jemand. Da prüft jemand. Da wird nicht nur Content ausgespuckt, weil der Algorithmus Hunger hat.
Aber natürlich ist Orientierung keine Einbahnstraße. Wir können nicht nur auf bessere Medien, bessere Plattformen und bessere Institutionen hoffen. Wir müssen auch selbst entscheiden, wem wir unsere Aufmerksamkeit geben. Was wir teilen. Was wir glauben wollen, weil es gut in unser Weltbild passt. Und wo wir vielleicht einmal kurz langsamer werden müssten, bevor wir innerlich nicken. Unsere Aufgabe ist auch: hinterfragen, filtern, Quellen prüfen. Nicht jede Zuspitzung für Erkenntnis halten. Nicht jede Empörung weitertragen. Nicht jedes Video glauben, nur weil es nah, laut oder gut geschnitten ist. Und nicht jeden Satz für wahr halten, nur weil er sich so anfühlt. Das ist unbequem. Weil es bedeutet, auch unser eigener Daumen ist Teil des Problems. Und vielleicht ist genau das die neue Medienkompetenz. Nicht noch mehr wissen, sondern bewusster auswählen. Nicht alles sofort reinlassen. Nicht alles sofort bewerten. Nicht alles sofort teilen.
Und vielleicht ist genau das die Aufgabe von Medien, Marken und Institutionen. Weniger Welt in die Welt drücken. Mehr sortieren. Mehr Haltung. Mehr Kontext. Mehr Verantwortung für die Wirkung, die Information hat. Denn am Ende brauchen wir nicht noch mehr Nachrichten. Wir brauchen bessere Gründe, jemandem zuzuhören.
Wer sich mit Medien, Kommunikation, Vertrauen oder digitaler Öffentlichkeit beschäftigt. Der Digital News Report 2026 lohnt sich. Und mich würde interessieren: Wem hörst Du heute noch zu und warum?
Dienstag, Juni 16, 2026
übergangsorte.
Unser Flur erzählt ziemlich viel über unser Leben. Schuhe von Menschen, die alle eigene Pläne haben. Viele Schuhe! Eine Schultasche. Diverse Jacken, die angeblich alle noch gebraucht werden. Schlüssel. Vokabelkarten. Post. Pakete. Einkaufstaschen. Manchmal auch Dinge vom Mann. Und irgendwo darunter liegt manchmal meine Geduld. Unser Flur ist kein Pinterest-Flur, obwohl ich dieses lichtgrau so sehr liebe. Er ist selten richtig aufgeräumt. Flure sind Übergangsorte. Hier kommt man an. Hier geht man los. Hier wird noch schnell etwas gerufen, gesucht, vergessen, diskutiert, fest umarmt oder geküsst. Man findet einen Schal, den niemand gesucht hat. Manchmal eine Tasche, die seit drei Tagen „gleich weggeräumt“ wird. Ich mag unseren Flur nicht immer trotz seiner ziemlich perfekten Form und Größe. Aber manchmal stehe ich dort und denke: "Ja. Genau so sieht Leben halt aus." Lebendig. Nicht sortiert. Aber da.
Montag, Juni 15, 2026
schnipsel.
Die Frau mit den Blumen. Vor mir lief neulich eine Frau mit einem riesigen, wunderschönen, bunten Blumenstrauß. So groß, dass sie dahinter fast verschwand. Ich weiß nicht, ob die Blumen für sie waren oder für jemanden anders. Ob Geburtstag, Entschuldigung, Besuch, Liebe oder einfach Samstag. Aber sie trug sie mit dieser Mischung aus Stolz und leichter Überforderung, die große Blumensträuße verursachen. Ich mochte das. Ich liebe Blumen und ich liebe diese Alltagsschnipsel. Manchmal sieht man auf der Straße einen Menschen und bekommt für ein paar Sekunden eine Geschichte geschenkt, über die man nie mehr erfahren wird. Vielleicht war sie in diesem Moment glücklich. Vielleicht war sie spät dran. Vielleicht beides.
Sonntag, Juni 14, 2026
echtzeit.
Manchmal bin ich emotional schneller im Rückzug, als ich es selbst mitbekomme. Dann ist nach außen noch alles normal, aber innen hat schon jemand die Stühle hochgestellt. Ich merke das inzwischen früher. Nicht immer rechtzeitig. Aber früher. Das ist auch Fortschritt.
Samstag, Juni 13, 2026
altlasten.
Der Mann nennt unsere Ex-Freunde und Ex-Freundinnen liebevoll den „Friedhof der Kuscheltiere“ und irgendwie passt das erschreckend gut. Da sind diese Gestalten aus alten Leben, die längst begraben sind. Geschichten, Verstrickungen, halboffene Türen, Menschen, die nicht richtig loslassen können oder wollen. Sie liegen eine Weile still, tun so, als hätten sie ihren Frieden gefunden und irgendwann hört man es wieder kratzen. Erst leise, dann erstaunlich selbstbewusst. Und das in regelmäßigen Abständen, fast amüsant zu beobachten. Manche Menschen können scheinbar nicht gut ertragen, dass eine Geschichte ohne sie weitergeht.
Eine Nachricht. Ein Kommentar. Ein Schatten, der vergessen hat, dass er keiner mehr ist. Bedeutungslos, ohne Gewicht, weil man selbst längst abgeschlossen hat und weitergezogen ist. Einfach nur noch ein Echo aus einem alten Raum. Und nicht jedes Echo verdient eine Antwort. Ich schaue heute maximal noch kurz hin und denke: „Ach. Du schon wieder.“ Und genau dabei belasse ich es. Es gibt Menschen, die gehören nicht mehr in mein Leben. Nicht in meine Gegenwart, nicht in meine Ruhe und nicht in das, was wir uns gerade so schön aufbauen. Und das ist gut so.
Eine Nachricht. Ein Kommentar. Ein Schatten, der vergessen hat, dass er keiner mehr ist. Bedeutungslos, ohne Gewicht, weil man selbst längst abgeschlossen hat und weitergezogen ist. Einfach nur noch ein Echo aus einem alten Raum. Und nicht jedes Echo verdient eine Antwort. Ich schaue heute maximal noch kurz hin und denke: „Ach. Du schon wieder.“ Und genau dabei belasse ich es. Es gibt Menschen, die gehören nicht mehr in mein Leben. Nicht in meine Gegenwart, nicht in meine Ruhe und nicht in das, was wir uns gerade so schön aufbauen. Und das ist gut so.
Freitag, Juni 12, 2026
fluchten.
Manchmal reicht schon eine Stunde irgendwo anders. Ein Drink, ein anderes Viertel, ein Tisch am Fenster, Menschen beobachten, nicht zuständig sein. Kleine Fluchten sind unterschätzt. Nicht, weil man weg will. Sondern weil man sich danach wieder etwas besser mitnimmt.
Donnerstag, Juni 11, 2026
straßenbahn.
Ich liebs, wenn mir schon morgens vor 08.30Uhr fremde Gespräche aufgezwungen werden. In der Straßenbahn saß mir eine Frau gegenüber, die so laut in ihr Handy sprach, dass ich jetzt vermutlich Teil ihrer Familiengeschichte bin. Ich weiß nicht, ob Kevin sich melden wird. Aber ich habe inzwischen eine Meinung dazu.
Mittwoch, Juni 10, 2026
agentin001.
Ich wäre übrigens eine richtig gute Agentin geworden. Also wirklich. Das war mit 14 tatsächlich mal mein Plan. Nicht mal unbedingt wegen Waffen, Verfolgungsjagden oder dramatischer Sonnenbrillen-Momente an Flughäfen. Obwohl Menschen ab und zu einen unangespitzten Bleistift in den Hals rammen, würde manchmal einiges einfacher machen. Meine Superkraft ist offenbar eine andere. Ich kann nachts so leise nach Hause kommen, dass niemand etwas mitbekommt. Kein Schlüsselklimpern, kein Türenknallen, kein Absatzgeräusch im Flur. Nur lautlose Präzision. Ich habe mich völlig unbemerkt und lautlos ins Bett gelegt. Wirklich meisterhaft. Bis ich dieses Ding mit dem Ankuscheln gemacht habe und der Mann sich kurz fast zu Tode erschreckt hat, bevor er mich in den Arm genommen hat.
Der Abend hatte harmlos angefangen. Ich wollte gegen 22.20 Uhr austrinken, ein Uber rufen und sehr erwachsen nach Hause fahren. Das war der Plan. Dann eskalierte es plötzlich. Seitdem tanzten alle. Also wirklich alle. Einer muss halt den Anfang machen und das sind irgendwie immer wir. Es gibt Menschen, die betreten einen Raum und warten ab. Und es gibt uns. Wir betreten einen Raum und irgendwann tanzt plötzlich jemand auf einer imaginären Linie zwischen „noch seriös“ und „was passiert hier eigentlich gerade?“. Irgendwann trugen wir eine Wassermelone. Warum? Weiß ich nicht. Aber in dem Moment fühlte es sich vollkommen logisch an. Es gibt diese Partymomente, in denen niemand mehr fragt, warum eine Wassermelone Teil der Choreografie geworden ist. Man akzeptiert es einfach und tanzt weiter. Man ist quasi Teil eines sozialen Experiments. Besonders spannend war wieder die Dynamik, die entsteht, wenn ordentlich Alkohol über den Tresen geht. Menschen werden lauter, mutiger, weicher, aufdringlicher oder alles gleichzeitig. Und dann gibt es diese wunderbare stille Kompetenz unter einigen Teams, sehr betrunkene, aufdringliche Herren wurden einfach höflich in die Mitte genommen und rausbegleitet. Ohne großes Theater. Ohne Aufsehen. Fast elegant.
Meine beste Entscheidung des Abends war übrigens, das letzte Glas Wein gegen 22.45 Uhr einfach stehen zu lassen und nur noch Wasser zu trinken. Ich möchte nicht sagen, dass ich dadurch heute Morgen topfit war oder jetzt bin. Aber ich war zumindest noch in der Lage, mehrere Minuten lang darüber nachzudenken, wie dieses Online-Portal der Steuerverwaltung heißt. Elster! Eventuell arbeitet mein Gehirn etwas langsamer und zeitverzögert.
War ein guter Abend. Eine gute Party. Gut unterhalten. Viel getanzt. Viel gelacht. Mir sagen lassen, dass ich schon deutlich länger auf Parties geblieben bin. Und am Ende sogar fast ziemlich vernünftig gewesen.
Der Abend hatte harmlos angefangen. Ich wollte gegen 22.20 Uhr austrinken, ein Uber rufen und sehr erwachsen nach Hause fahren. Das war der Plan. Dann eskalierte es plötzlich. Seitdem tanzten alle. Also wirklich alle. Einer muss halt den Anfang machen und das sind irgendwie immer wir. Es gibt Menschen, die betreten einen Raum und warten ab. Und es gibt uns. Wir betreten einen Raum und irgendwann tanzt plötzlich jemand auf einer imaginären Linie zwischen „noch seriös“ und „was passiert hier eigentlich gerade?“. Irgendwann trugen wir eine Wassermelone. Warum? Weiß ich nicht. Aber in dem Moment fühlte es sich vollkommen logisch an. Es gibt diese Partymomente, in denen niemand mehr fragt, warum eine Wassermelone Teil der Choreografie geworden ist. Man akzeptiert es einfach und tanzt weiter. Man ist quasi Teil eines sozialen Experiments. Besonders spannend war wieder die Dynamik, die entsteht, wenn ordentlich Alkohol über den Tresen geht. Menschen werden lauter, mutiger, weicher, aufdringlicher oder alles gleichzeitig. Und dann gibt es diese wunderbare stille Kompetenz unter einigen Teams, sehr betrunkene, aufdringliche Herren wurden einfach höflich in die Mitte genommen und rausbegleitet. Ohne großes Theater. Ohne Aufsehen. Fast elegant.
Meine beste Entscheidung des Abends war übrigens, das letzte Glas Wein gegen 22.45 Uhr einfach stehen zu lassen und nur noch Wasser zu trinken. Ich möchte nicht sagen, dass ich dadurch heute Morgen topfit war oder jetzt bin. Aber ich war zumindest noch in der Lage, mehrere Minuten lang darüber nachzudenken, wie dieses Online-Portal der Steuerverwaltung heißt. Elster! Eventuell arbeitet mein Gehirn etwas langsamer und zeitverzögert.
War ein guter Abend. Eine gute Party. Gut unterhalten. Viel getanzt. Viel gelacht. Mir sagen lassen, dass ich schon deutlich länger auf Parties geblieben bin. Und am Ende sogar fast ziemlich vernünftig gewesen.
Montag, Juni 08, 2026
dauerlast.
Es ist schon heftig, mit welchen Verantwortlichkeiten man sich im Unternehmertum rumschlägt. Nicht mal wegen der einzelnen Themen. Eher wegen der Dauerpräsenz von allem. Entscheidungen, Menschen, Geld, Erwartungen, Risiken, Timing, Fristen. Alles läuft permanent mit. Manchmal bin ich einfach so müde, wenn mich wieder jemand fragend anschaut, weil am Ende vieles bei mir zusammenläuft. Und nebenbei ziehe ich seit acht Jahren allein meine Tochter groß. Ich hätte kurz gern wieder dieses Gefühl von 13 sein. Kein Überblick, kein Plan, keine Rolle. Nur irgendwo sitzen und wissen, jemand anderes hat den Rest im Blick. Heute ist so ein Tag.
Und jetzt würde ich bitte gern fest in den Arm genommen werden! Einfach nur 7Minuten, danach geht's wieder.
Und jetzt würde ich bitte gern fest in den Arm genommen werden! Einfach nur 7Minuten, danach geht's wieder.
Samstag, Juni 06, 2026
100.
Post einhundert! Für 2026.
Der Teenie ist heute das erste Mal beim CSD mit ihrem besten Freund und Kids aus der LGBTQ Community. Ich habe sie ermutigt, sich das einfach mal anzuschauen und mitzugehen. Ich erinnere mich an 1996 zurück als ich zufällig dort hineingeraten bin am Ku'damm. Ich war völlig geflasht und fasziniert von den bunten Wagen und der Stimmung. Abends saß ich stundenlang vor den Nachrichten, um alles darüber herauszufinden. Ich fand's großartig. Danach bin ich lange regelmäßig jedes Jahr zum CSD mit Freunden. Ich bin gespannt, was die Untermieterin nachher erzählt.
Der Teenie ist heute das erste Mal beim CSD mit ihrem besten Freund und Kids aus der LGBTQ Community. Ich habe sie ermutigt, sich das einfach mal anzuschauen und mitzugehen. Ich erinnere mich an 1996 zurück als ich zufällig dort hineingeraten bin am Ku'damm. Ich war völlig geflasht und fasziniert von den bunten Wagen und der Stimmung. Abends saß ich stundenlang vor den Nachrichten, um alles darüber herauszufinden. Ich fand's großartig. Danach bin ich lange regelmäßig jedes Jahr zum CSD mit Freunden. Ich bin gespannt, was die Untermieterin nachher erzählt.
Freitag, Juni 05, 2026
kö-papageien
Vor unserem Fenster sitzen Papageien im Baum. Mitten in Düsseldorf. Man muss sich das kurz auf der Zunge zergehen lassen, weil es immer noch klingt, als hätte jemand beim Stadtmarketing zu viel Fantasie gehabt. Aber nein, da sitzen sie wirklich. Nicht einer, nicht zwei, sondern gleich in größeren Gruppen. Grün, laut, sehr von sich überzeugt und vollkommen unbeeindruckt davon, dass ich morgens regelmäßig noch nicht bereit bin für tropische Zustände. Sie kreischen durch den Innenhof, als hätten sie wichtige Nachrichten zu verkünden, während ich versuche, wach zu werden, mir ein Brot zu machen und mein Leben halbwegs zusammenzuhalten. Manchmal wirken sie wie kleine fliegende Ausrufezeichen. Zu laut für die Uhrzeit, zu schön für schlechte Laune und irgendwie genau richtig.
Ich stehe dann am Fenster oder sitze am Küchentisch und sehe ihnen gern zu, als wäre das mein Naturfilm für Menschen ohne Garten. Sehr urban, sehr improvisiert. Unten rauscht der Verkehr, ein Hund bellt, und mittendrin sitzt diese grüne Bande, als wäre der Rhein eine Nebenstraße des Amazonas. Besonders beeindruckend sind ihre Formationsflüge. Erst sitzen sie noch scheinbar planlos im Baum, alle reden durcheinander, niemand hört zu, sehr kleine, sehr grüne Eigentümerversammlung. Und dann plötzlich: Abflug. Als hätte jemand ein geheimes Zeichen gegeben. Sie schießen los, drehen eine Runde über die Dächer, verschwinden kurz aus dem Blick und tauchen wieder auf, als hätten sie Düsseldorf von oben kontrolliert und für weiterhin bewohnbar befunden.
Eigentlich sind es Halsbandsittiche. Ursprünglich kommen sie aus Afrika und Südasien, aber irgendwann sind ein paar ausgebüxt oder wurden ausgesetzt, so genau klingt die Geschichte je nach Erzählung ein bisschen unterschiedlich. Seit den 1960er Jahren haben sie sich im Rheinland ausgebreitet, in Düsseldorf wurden sie lange vor allem mit der Kö verbunden. Kö-Papageien. Als hätte selbst die Königsallee irgendwann beschlossen, dass ein bisschen tropisches Durcheinander zwischen Luxusläden und Platanen nicht schaden kann. Inzwischen findet man sie längst nicht mehr nur dort. Sie haben sich weiter vorgearbeitet, Baum für Baum, Innenhof für Innenhof, bis sie irgendwann auch vor unserem Fenster angekommen sind vor 8Jahren. Damals war das noch jedesmal eine richtige Attraktion und seltene Momente.
Ich mag das. Diese völlige Selbstverständlichkeit, mit der sie hier sind und sich ausgebreitet haben. Zwischen Altbau, Regenrinne, Lieferwagen und halb geöffnetem Fenster sitzen sie da, als wäre Düsseldorf schon immer ihr Revier gewesen. Vielleicht ist das auch der Trick. Einfach irgendwo landen, laut sein, bleiben und irgendwann gehört man dazu. Morgens, wenn ich noch im Handtuch am Fenster stehe und innerlich deutlich weniger sortiert bin als der Tag es von mir erwartet, beruhigt mich das fast ein bisschen. Draußen ist auch nicht alles geordnet. Es hat nur Federn, bessere Farben und macht mehr Lärm.
Ich stehe dann am Fenster oder sitze am Küchentisch und sehe ihnen gern zu, als wäre das mein Naturfilm für Menschen ohne Garten. Sehr urban, sehr improvisiert. Unten rauscht der Verkehr, ein Hund bellt, und mittendrin sitzt diese grüne Bande, als wäre der Rhein eine Nebenstraße des Amazonas. Besonders beeindruckend sind ihre Formationsflüge. Erst sitzen sie noch scheinbar planlos im Baum, alle reden durcheinander, niemand hört zu, sehr kleine, sehr grüne Eigentümerversammlung. Und dann plötzlich: Abflug. Als hätte jemand ein geheimes Zeichen gegeben. Sie schießen los, drehen eine Runde über die Dächer, verschwinden kurz aus dem Blick und tauchen wieder auf, als hätten sie Düsseldorf von oben kontrolliert und für weiterhin bewohnbar befunden.
Eigentlich sind es Halsbandsittiche. Ursprünglich kommen sie aus Afrika und Südasien, aber irgendwann sind ein paar ausgebüxt oder wurden ausgesetzt, so genau klingt die Geschichte je nach Erzählung ein bisschen unterschiedlich. Seit den 1960er Jahren haben sie sich im Rheinland ausgebreitet, in Düsseldorf wurden sie lange vor allem mit der Kö verbunden. Kö-Papageien. Als hätte selbst die Königsallee irgendwann beschlossen, dass ein bisschen tropisches Durcheinander zwischen Luxusläden und Platanen nicht schaden kann. Inzwischen findet man sie längst nicht mehr nur dort. Sie haben sich weiter vorgearbeitet, Baum für Baum, Innenhof für Innenhof, bis sie irgendwann auch vor unserem Fenster angekommen sind vor 8Jahren. Damals war das noch jedesmal eine richtige Attraktion und seltene Momente.
Ich mag das. Diese völlige Selbstverständlichkeit, mit der sie hier sind und sich ausgebreitet haben. Zwischen Altbau, Regenrinne, Lieferwagen und halb geöffnetem Fenster sitzen sie da, als wäre Düsseldorf schon immer ihr Revier gewesen. Vielleicht ist das auch der Trick. Einfach irgendwo landen, laut sein, bleiben und irgendwann gehört man dazu. Morgens, wenn ich noch im Handtuch am Fenster stehe und innerlich deutlich weniger sortiert bin als der Tag es von mir erwartet, beruhigt mich das fast ein bisschen. Draußen ist auch nicht alles geordnet. Es hat nur Federn, bessere Farben und macht mehr Lärm.
Dienstag, Juni 02, 2026
statik.
Meine Therapeutin sagte gestern diesen einen Satz: "Sie dürfen erstmal lernen, einen Fuß vom alten Boden zu nehmen und zu merken: Ich stürze nicht sofort, wenn ich nicht alles allein halte." - der ist hängen geblieben. Nicht springen. Nicht Vertrauen lernen. Nicht loslassen, als hätte man irgendwo einen Schalter übersehen. Sondern erstmal nur einen Fuß vom alten Boden nehmen. Der alte Boden ist dieses jahrelange Funktionieren. Alles sehen. Alles halten. Alles absichern. Möglichst nicht stören. Möglichst nichts brauchen. Erst fragen, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Das war lange keine Macke. Das war meine Statik. Und jetzt soll ich einfach nur üben, einen Fuß zu heben. Kurz merken, dass nichts einstürzt, sondern stattdessen sehr tragfähig ist. Nicht sofort wieder alles allein halten. Klingt klein. Ist es aber nicht. Es fühlt sich an wie freier Fall. Sie meint, ich sei bereits mitten im Umbau meines inneren Sicherheitssystems. Und dass Angst an dieser Stelle kein Fehler ist, sondern Teil davon.
Sonntag, Mai 31, 2026
entlassung.
Festgestellt. So ein Kündigungsgespräch kostet mehr Energie, als man vorher denkt. Gerade bei Menschen, die lange da waren. Man entscheidet sachlich, wirtschaftlich, notwendig vielleicht. Auf dem Papier sind sie eine unternehmerische Entscheidung. Im Raum sitzt dann aber ein Mensch, dessen Alltag man aufschneidet und den man gut kennt. Man kann sachlich richtig handeln und sich trotzdem beschissen fühlen. Das ist der Teil, den keine Prozessbeschreibung sauber abbildet. Manchmal ist Führung einfach schwer. Das sind die doofen Tage. Der Mann hat kommentarlos einen Drink gereicht am Freitag. Das war nötig.
Samstag, Mai 30, 2026
erkenntnis.
Es gibt zwei Arten von Entscheidungen: die richtigen und die, aus denen man später etwas lernen musste. Beide bringen einen weiter. Nur auf unterschiedliche Weise.
Donnerstag, Mai 28, 2026
weich.
Weich zu sein ist für mich riskanter als stark sein. Stark sein, kenne ich. Stark kann ich organisieren, blind abrufen, zeigen. Ich hab's von klein auf gelernt. Stark gibt mir Struktur, Abstand, Kontrolle. Es macht mich handlungsfähig und schützt davor, zu viel zu brauchen. Stark sein bekommt Respekt, manchmal sogar Bewunderung. Obwohl mir das egal ist, es macht eher müde und vielleicht auch ein bisschen einsam. Weich sein funktioniert anders. Weich hat keine Rüstung. Keine vorbereiteten Antworten. Keinen inneren Fluchtweg, den ich mir schon zurechtlege, während ich eigentlich Nähe suche. Weich stellt keine Fragen mit Messergriff und sagt nicht: Beweise es! Weich sagt eher: Ich brauche Dich gerade. Ich brauche eine feste Umarmung. Ich bin gerade da. Wirklich da.
Genau deshalb fällt es mir manchmal so schwer. Nicht, weil ich mich nicht einlassen will. Im Gegenteil. Sondern weil ich lange gelernt habe, mich stets selbst zu halten. Weil Autonomie für mich nicht nur Freiheit ist, sondern auch Schutz. Weil ich weiß, dass ich immer klarkomme, wenn es sein muss. Ich muss mir das nicht mehr beweisen. Die eigentliche Herausforderung ist, in einem Moment nicht sofort zu prüfen, ob ich auch ohne den anderen zurechtkomme. Eben nicht mehr auszuweichen. Nicht schon innerlich den Plan B zu schreiben, falls der andere hinschmeißt. Nicht alles abzusichern, bevor ich etwas Echtes sage.
Weich sein heißt für mich nicht, mich aufzugeben oder weniger autonom zu sein. Es heißt eher, meine Autonomie nicht mehr ständig als Schutzschild vor mir herzutragen. Einen Moment lang mal nicht vorzubauen. Stehen zu bleiben und ehrlich zu sagen, was gerade ist. Was ich brauche. Nicht dramatisch. Nicht klein. Einfach wahr. Ich übe das. Bestimmt überhaupt nicht elegant, nicht immer freiwillig und sicher nicht ohne zwischendurch trotzdem immer noch hin und wieder wieder nach meiner Rüstung zu greifen. Aber ich übe.
Genau deshalb fällt es mir manchmal so schwer. Nicht, weil ich mich nicht einlassen will. Im Gegenteil. Sondern weil ich lange gelernt habe, mich stets selbst zu halten. Weil Autonomie für mich nicht nur Freiheit ist, sondern auch Schutz. Weil ich weiß, dass ich immer klarkomme, wenn es sein muss. Ich muss mir das nicht mehr beweisen. Die eigentliche Herausforderung ist, in einem Moment nicht sofort zu prüfen, ob ich auch ohne den anderen zurechtkomme. Eben nicht mehr auszuweichen. Nicht schon innerlich den Plan B zu schreiben, falls der andere hinschmeißt. Nicht alles abzusichern, bevor ich etwas Echtes sage.
Weich sein heißt für mich nicht, mich aufzugeben oder weniger autonom zu sein. Es heißt eher, meine Autonomie nicht mehr ständig als Schutzschild vor mir herzutragen. Einen Moment lang mal nicht vorzubauen. Stehen zu bleiben und ehrlich zu sagen, was gerade ist. Was ich brauche. Nicht dramatisch. Nicht klein. Einfach wahr. Ich übe das. Bestimmt überhaupt nicht elegant, nicht immer freiwillig und sicher nicht ohne zwischendurch trotzdem immer noch hin und wieder wieder nach meiner Rüstung zu greifen. Aber ich übe.
Mittwoch, Mai 27, 2026
nacken.
Gerade kam der Termin für die Skifreizeit. Das Kind ist dagegen. Nicht „ich hab keine Lust“-dagegen. Eher, warum gibt es das überhaupt noch und warum tun alle so, als sei das selbstverständlich und freiwillig? Ich kann die Frage nicht mal wegwischen. Zu meiner Zeit war das ein freiwilliges Format für 20Kids pro Jahrgang. Weil eine Skifreizeit eben nicht nur ein Termin ist. Eigentlich müssten jetzt Listen entstehen. Kosten. Größen. Fristen. Wer leiht was? Was muss alles gekauft werden? Was ist Pflicht, was optional, was steht nicht in der Mail, kostet aber trotzdem? Nebenbei warte ich noch auf eine Nachricht aus dem Krankenhaus.
Mein Nacken ist seit Stunden fest. Ich bin völlig verspannt. Als hätte jemand hinten eine Schraube zu fest angezogen und vergessen, sie wieder zu lösen. So fest, dass es weh tut. Und dann sitzt man da zwischen Postfach, Kind, Kalender und Körper und merkt, wie wenig Kapazität man gerade für Systeme hat, die so tun, als sei alles ganz easy, wenn man nur früh genug eine Packliste verschickt. Als hätte jeder ein Kind, das begeistert „Juhu“ ruft. Meins bekommt einen halben Nervenzusammenbruch und hat direkt Stress, wenn sie hört 8Bett-Zimmer, klassenübergreifende Zimmerverteilung und eine Woche skifahren.
Der Tag fing schon beschissen an. Es ist einfach nur dieser ganz normale Wahnsinn. Heute mag ich nicht mehr.
Mein Nacken ist seit Stunden fest. Ich bin völlig verspannt. Als hätte jemand hinten eine Schraube zu fest angezogen und vergessen, sie wieder zu lösen. So fest, dass es weh tut. Und dann sitzt man da zwischen Postfach, Kind, Kalender und Körper und merkt, wie wenig Kapazität man gerade für Systeme hat, die so tun, als sei alles ganz easy, wenn man nur früh genug eine Packliste verschickt. Als hätte jeder ein Kind, das begeistert „Juhu“ ruft. Meins bekommt einen halben Nervenzusammenbruch und hat direkt Stress, wenn sie hört 8Bett-Zimmer, klassenübergreifende Zimmerverteilung und eine Woche skifahren.
Der Tag fing schon beschissen an. Es ist einfach nur dieser ganz normale Wahnsinn. Heute mag ich nicht mehr.
Dienstag, Mai 26, 2026
tochtermodus.
Ich kenne den Krisenmodus. Nur zu gut. Er ist immer wieder Teil meines Jobs. Ich kann organisieren. Telefonieren. Informationen sammeln. Ärzte verstehen. Fragen stellen, wenn andere nur noch nicken. Ich kann nicht weinen, wenn es gerade nicht passt. Ich kann völlig problemlos funktionieren, während innen alle Lampen brennen. Ich kann ruhig klingen, obwohl mein Körper längst verstanden hat, dass etwas nicht stimmt. Aber das hier ist anders, weil es mein Vater ist. Da hilft keine Kompetenz. Keine erwachsene Fassung, die man sich morgens anzieht wie einen Mantel. Ich habe meine Mutter auf unser Mädels-Mantra eingeschworen. Wir nehmen es, wie es kommt und wenn es wie eine Welle kommt, schauen wir, wie wir sie reiten. Nicht, weil das besonders mutig klingt. Nicht, weil wir keine Angst haben, sondern weil keiner von uns das Meer anhalten kann. Morgen drehen sie ihn erneut auf links und suchen. Derweil bekommt er weiter fremdes Blut.
Montag, Mai 25, 2026
sonntage.
Morgens gemütlich nackt bei tollstem Sonnenschein Arm in Arm im Bett liegen, gemeinsam FAZ und Havard Business Manager hören und die Artikel diskutieren. Irgendwann händchenhaltend zum Bäcker spazieren, um Frühstück zu organisieren und schließlich mit Zeitungen am Tisch sitzen und interessante Stellen vorlesen und besprechen. Liebe alles daran. Bester Start in einen Pfingstsonntag vorm Familienprogramm. Einfach ein bisschen Ruhe und entspannte Zeit zu zweit.
Donnerstag, Mai 21, 2026
dünnhäutig.
Panikattacke. Nachts um kurz vor 2.00Uhr hochschrecken mit der plötzlichen Angst, dass mein Vater jetzt sterben könnte. Auf dem Badezimmerfußboden und der Bettkante sitzen, atmen, zählen und versuchen mein Nervensystem irgendwie zu regulieren. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so dünnhäutig macht. Der Mann hat leise geschnarcht, das hatte etwas Beruhigendes. Ankuscheln und fest in den Arm genommen werden, hat nachher geholfen.
Mittwoch, Mai 20, 2026
rollenwechsel.
Wenn WhatsApp-Nachrichten meiner Mutter morgens um 7:30 Uhr mit „Bitte keinen Schreck bekommen, aber …“ anfangen und ich eine Minute später meine völlig aufgelöste Mutter am Telefon habe. Ihr Einstieg hat nicht so richtig funktioniert, bei mir gingen direkt alle Alarmglocken an. Früher hat man sich Sorgen gemacht, ob man das eigene Leben im Griff hat. Heute macht man sich zusätzlich Sorgen, ob die Eltern ihres noch im Griff haben. Das sind diese Zusatzfunktionen des Erwachsenseins.
Dienstag, Mai 19, 2026
konsequenz.
Parrhesia ist kein großes Konzept. Es ist im Grunde ziemlich einfach. Du sagst, was in Dir ist. Ohne es vorher so zu formen, dass es keine Konsequenzen hat. Die meisten halten sich für ehrlich. Sind sie aber nicht. Sie sind ehrlich, solange es nichts kostet. Solange es die Beziehung nicht gefährdet, die Stimmung nicht kippt, das eigene Bild intakt bleibt. Sobald etwas auf dem Spiel steht, wird es weich. Oder still. Dann wird erklärt, relativiert, eingeordnet. Man findet gute Gründe, warum es jetzt nicht gesagt werden muss. Oder warum es vielleicht gar nicht so wichtig ist. In Wirklichkeit geht es nur darum, die Situation unter Kontrolle zu halten. Parrhesia beginnt genau da, wo diese Kontrolle aufhört. Wenn klar ist, dass das, was gesagt werden müsste, etwas verändern wird. Vielleicht nur leicht. Vielleicht auch grundlegend. Und Du sagst es trotzdem. Nicht laut. Nicht emotional aufgeladen. Auch nicht, um etwas durchzusetzen. Einfach klar. Der Unterschied ist nicht, was Du sagst. Der Unterschied ist, ob Du bereit bist, die Konsequenz auszuhalten. Wenn nichts passieren kann, ist es keine Wahrheit. Dann ist es nur Kommunikation. Wahrheit zeigt sich erst, wenn Du nicht mehr sicher bist, wie der andere reagiert. Wenn Nähe kippen könnte. Wenn Du ein Stück Kontrolle abgibst. Wenn Du Schmerz riskierst. Parrhesia heißt, genau da nicht auszuweichen. Weil genau dort Beziehung beginnt. Nicht in dem, was leicht ist. Sondern in dem, was echt und unbequem ist. Alles andere hält die Situation stabil. Aber nicht Dich.
Wer bist Du, wenn Ehrlichkeit wirklich etwas kostet?
Wer bist Du, wenn Ehrlichkeit wirklich etwas kostet?
Montag, Mai 18, 2026
japan.
Meine nächste Postkarte geht nach Japan, Tokyo. Ich freue mich. So witzig. Wir schauen gerade eine Serie, die in Tokyo spielt. Ich meinte passend dazu erst neulich, dass ich super gern irgendwann mal die Kirschblüte live sehen möchte und die Nachbarn unter uns sind gestern für 3Wochen nach Japan aufgebrochen.
integration.
Freitag gibt es bei meinen Eltern Soljanka. Meine Mutter ist schon leicht aufgeregt, neben der ganzen Vorfreude und hat offenbar beschlossen, den Mann nochmal explizit mit ostdeutscher Küche offiziell in die Familie einzukochen. Ich hatte schon angekündigt, dass sie garantiert irgendwas machen werden, was er mag oder eigens nach seinen Wünschen fragen. ...Soljanka. Ragout Fin. Hat's ewig nicht mehr gegeben. Diese Förmchen stehen seit meiner Kindheit oben im Schrank. Wahrscheinlich gibt's noch irgendwas, das „nur schnell“ gemacht wurde und am Ende für 10 Personen reicht. Ich mag das. Nicht, weil es perfekt ist, überhaupt nicht. Sondern weil es genau diese Art von Willkommen ist, die man nicht groß ausspricht. Man stellt einfach einen Topf auf den Tisch. Gibt Schmand dazu. Fragt, ob noch jemand nachnimmt und dann ist eigentlich alles gesagt. Integration galore. Mein Bruder hat sich schon direkt beschwert, dass es nach Jahren wieder Soljanka gibt, ohne das er eingeladen wurde. Mal schauen, wer nachher alles am Tisch sitzt.
Mich fragt lustigerweise direkt niemand mehr. Ich muss nur Kind und Mann mitbringen. Der Mann freut sich. Das wird ein Overkill an Familie am WE.
Samstag, Mai 16, 2026
gemüsemodus.
Nach dem ersten Cuba Libre um 17.00Uhr haben wir gestern noch das Bett aufgebaut und am Ende waren exakt vier identische Teile übrig, die ich so überhaupt gar nicht zuordnen konnte. Es sind nie(!) vier identische Teile übrig, sondern maximal diverse Einzelteile zur Reserve. Die Anleitung mehrfach durchgeblättert und beim dritten Mal festgestellt, dass sie bereits äußerst unscheinbar auf Seite 7 verbaut wurden. Ich habe sie einfach völlig übersehen und gar nicht wahrgenommen, aber ich hatte die beste Entschuldigung. Mein Hirn war im Gemüsemodus nach dem intensiven Workshoptag. Wir haben kurz diskutiert, ob die Teile wirklich wichtig und überhaupt notwendig sind - ich bin da sehr pragmatisch und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Der Mann war sehr klar fürs Verbauen. Der Teenie fand unsere Unterhaltung sehr amüsant. Sie meint, wir wären wie eine eigene Sitcom. Zum Glück mussten wir nicht wieder alles auseinander bauen, sondern nur vier Muttern nochmal lösen, war also halb so wild. Das Beste waren vermutlich unsere Gesichter, als ich feststellte, dass vier Teile übrig sind. Der Mann kann diesen Blick der Schande besonders gut.
Ich mag uns.
Freitag, Mai 15, 2026
62tage.
Nach 62 Tagen(!!!) ist meine dritte Postcrossing-Karte doch noch in Washington, USA angekommen. Ich hatte sie innerlich schon fast abgeschrieben und nicht mehr dran geglaubt. Und war ein bisschen traurig, weil sie echt hübsch und besonders war. Aber nein. Sie kam an, ich habe eine richtig nette Mail vom Empfänger bekommen - er hat sich richtig gefreut. 62 Tage. Für eine Postkarte. Andere machen in der Zeit Weltreisen, schreiben Bücher oder verarbeiten Beziehungsmuster. Meine Karte brauchte diese Zeit offenbar. Bestes Trainingslager für meine ausgeprägte Geduld.
Donnerstag, Mai 14, 2026
beziehungstest.
Beziehungstest, nächstes Level. Vor ein paar Monaten sind wir das allererste Mal zusammen bei Ikea gewesen. Das war spannend und für mich eine Herausforderung, das ist Reizüberflutung pur. Dieser Ort, an dem Beziehungen entweder reifen oder man sich in der Lampenabteilung innerlich trennt. Spätestens irgendwo zwischen Köttbullar und Hotdog-Romantik, dem Probesitzen auf 27Stühlen, dem Walk durch die Markthalle neben 8976 anderen Menschen und „wir gucken erstmal“ weiß man ungefähr, womit man es zu tun hat.
Gestern wurde final der letzte Schwung angeliefert. Wir haben in den letzten Wochen schon einiges zusammen aufgebaut. Möbel vor allem. Und vielleicht auch ein bisschen diese Routine, bei der keiner heimlich die Anleitung übernimmt, keiner „nur mal kurz“ alles besser weiß und niemand dieses besondere Schweigen anschaltet, bei dem selbst der Akkuschrauber schlechte Stimmung oder Angst bekommt. Wir haben uns zunehmend auf das Betriebssystem des anderen eingestellt. Das ging erstaunlich gut.
Wir alle wissen, so ein Aufbau hat durchaus sehr viel Potenzial. Zwei Menschen, ein Brett, das aussieht wie alle anderen Bretter, Schrauben in Tütchen mit Nummern oder Buchstaben, die man nur mit spiritueller Begabung auseinanderhalten kann, drölf Imbusschlüssel und diese eine Zeichnung, die aussieht, als hätte ein sehr stiller Schwede versucht, ein Beziehungsproblem ohne Worte zu erklären. Da redet man dann plötzlich ganz schnell nicht mehr über Seite 14 der Anleitung, sondern über Grundsätzliches. Über Kindheit. Über Bindungsmuster. Und darüber, warum jemand angeblich „nur kurz helfen“ wollte.
Aber nichts. Kein Streit. Kein Drama. Kein „gib mal her, ich mache das selbst!“. Kein genervtes „das gehört aber andersrum“. Kein „ich hab’s doch gesagt“. Kein passiv-aggressives Atmen über Pressspan. Kein schweres Schweigen. Stattdessen: Schrauben sortiert, gelacht, aufgebaut. Nebenbei angeregt über Gott und die Welt geredet. Über alles und nichts. Parallel durch die Anleitungen navigiert und schwedische Piktogramm-Poesie in halbwegs sinnvolle Handgriffe übersetzt, wir bauen gemeinsam. Hand in Hand. Der Mann meinte letzte Woche, wenn wir das auch noch aufgebaut bekommen, ohne uns gegenseitig umzubringen, dann schaffen wir alles. Heute stellte er zwischendurch fest, dass wir immer besser werden. Stimmt. Andere machen Paartherapie. Wir bauen Regale inzwischen entspannter, schneller und souveräner auf, als sie gestern hochgetragen wurden.
Gestern wurde final der letzte Schwung angeliefert. Wir haben in den letzten Wochen schon einiges zusammen aufgebaut. Möbel vor allem. Und vielleicht auch ein bisschen diese Routine, bei der keiner heimlich die Anleitung übernimmt, keiner „nur mal kurz“ alles besser weiß und niemand dieses besondere Schweigen anschaltet, bei dem selbst der Akkuschrauber schlechte Stimmung oder Angst bekommt. Wir haben uns zunehmend auf das Betriebssystem des anderen eingestellt. Das ging erstaunlich gut.
Wir alle wissen, so ein Aufbau hat durchaus sehr viel Potenzial. Zwei Menschen, ein Brett, das aussieht wie alle anderen Bretter, Schrauben in Tütchen mit Nummern oder Buchstaben, die man nur mit spiritueller Begabung auseinanderhalten kann, drölf Imbusschlüssel und diese eine Zeichnung, die aussieht, als hätte ein sehr stiller Schwede versucht, ein Beziehungsproblem ohne Worte zu erklären. Da redet man dann plötzlich ganz schnell nicht mehr über Seite 14 der Anleitung, sondern über Grundsätzliches. Über Kindheit. Über Bindungsmuster. Und darüber, warum jemand angeblich „nur kurz helfen“ wollte.
Aber nichts. Kein Streit. Kein Drama. Kein „gib mal her, ich mache das selbst!“. Kein genervtes „das gehört aber andersrum“. Kein „ich hab’s doch gesagt“. Kein passiv-aggressives Atmen über Pressspan. Kein schweres Schweigen. Stattdessen: Schrauben sortiert, gelacht, aufgebaut. Nebenbei angeregt über Gott und die Welt geredet. Über alles und nichts. Parallel durch die Anleitungen navigiert und schwedische Piktogramm-Poesie in halbwegs sinnvolle Handgriffe übersetzt, wir bauen gemeinsam. Hand in Hand. Der Mann meinte letzte Woche, wenn wir das auch noch aufgebaut bekommen, ohne uns gegenseitig umzubringen, dann schaffen wir alles. Heute stellte er zwischendurch fest, dass wir immer besser werden. Stimmt. Andere machen Paartherapie. Wir bauen Regale inzwischen entspannter, schneller und souveräner auf, als sie gestern hochgetragen wurden.
Es nimmt Form an und wird. Ich bin ziemlich begeistert. Das wird richtig gut.
Mittwoch, Mai 13, 2026
verbindlichkeit.
Ich glaube, wir haben irgendwann angefangen, Individualität mit Isolation zu verwechseln. Jeder soll besonders sein. Eigenständig. Unabhängig. Emotional autonom. Niemand will mehr „zu viel“ brauchen. Niemand will abhängig wirken. Also bauen Menschen sich Leben, die von außen maximal frei aussehen und innerlich oft erschreckend unverbunden sind. Alles kreist um Selbstverwirklichung, Selbstoptimierung, Selbstschutz. Um Grenzen. Bedürfnisse. Und vieles davon ist wichtig. Wirklich. Aber manchmal frage ich mich, ob wir dabei langsam verlernen, wie sich echtes Miteinander eigentlich anfühlt. Dieses unspektakuläre, nicht performative Dasein füreinander. Ohne strategische Distanz. Ohne permanente Selbstbehauptung.
Vielleicht macht genau das diese Zeit so seltsam müde. Dass jeder gleichzeitig sichtbar sein will, aber möglichst unangreifbar bleibt. Dass Menschen Nähe wollen, aber kaum noch bereit sind, die Unordnung auszuhalten, die echte Nähe automatisch mitbringt. Ich merke das auch bei mir selbst. Wie schnell man sich zurückzieht, sobald etwas emotional relevant wird. Wie tief dieses Bedürfnis sitzt, sich im Zweifel lieber selbst zu regulieren, bevor man jemandem wirklich zumutet, was in einem los ist. Vielleicht ist genau das die traurigste Form von Einsamkeit. Wenn Menschen sich gegenseitig vermissen, während gleichzeitig alle versuchen, möglichst souverän zu wirken.
Und vielleicht ist das auch der Grund, warum so viele Begegnungen heute gleichzeitig intensiv und seltsam unverbindlich wirken. Menschen öffnen sich schnell. Erzählen intime Dinge nach wenigen Stunden. Teilen Traumata, Ängste, Sehnsüchte. Aber sobald echte Verbindlichkeit entsteht, sobald etwas beginnt, Konsequenzen für das eigene Leben zu bekommen, ziehen sich plötzlich alle wieder zurück. Als wäre emotionale Tiefe inzwischen erlaubt, solange sie folgenlos bleibt. Ich merke, wie sehr wir gelernt haben, uns selbst zu managen. Gefühle einzuordnen. Bedürfnisse wegzuregulieren. Uns nicht zu sehr zuzumuten. Bloß nicht klammern. Bloß nicht bedürftig wirken. Bloß die eigene Würde behalten. Und gleichzeitig sitzen so viele Menschen nachts alleine mit diesem absurden Wunsch, einfach irgendwo wirklich gemeint zu sein.
Vielleicht ist genau das die große Erschöpfung unserer Zeit. Dieses permanente Austarieren zwischen Sehnsucht und Selbstschutz. Zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Angst, dabei die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Und manchmal frage ich mich, wie viele Menschen eigentlich gerade parallel nebeneinander leben und sich heimlich nach genau demselben sehnen, während alle so tun, als bräuchten sie niemanden wirklich.
Ich habe selbst Jahre geglaubt, dass Rückzug Sicherheit bedeutet. Dass ich souveräner wirke, wenn ich möglichst wenig brauche. Dass Kontrolle schützt. Bis irgendwann jemand geblieben ist und sich einfach gemütlich dazugesetzt hat, obwohl ich es ihm überhaupt nicht leicht gemacht habe. Und vielleicht hatte ich einfach nur Glück, dass er nicht irgendwann aufgehört hat, gegen meine Mauern anzulaufen. Und richtig spannend wird es erst, wenn zwei Menschen plötzlich merken, wie viel eigene Geschichte mit am Tisch sitzt. Irre. Ich glaube, Nähe ist am Ende gar nichts Spektakuläres. Sie ist einfach nur die seltene Entscheidung, nicht sofort zu verschwinden, sobald es unbequem wird.
Vielleicht macht genau das diese Zeit so seltsam müde. Dass jeder gleichzeitig sichtbar sein will, aber möglichst unangreifbar bleibt. Dass Menschen Nähe wollen, aber kaum noch bereit sind, die Unordnung auszuhalten, die echte Nähe automatisch mitbringt. Ich merke das auch bei mir selbst. Wie schnell man sich zurückzieht, sobald etwas emotional relevant wird. Wie tief dieses Bedürfnis sitzt, sich im Zweifel lieber selbst zu regulieren, bevor man jemandem wirklich zumutet, was in einem los ist. Vielleicht ist genau das die traurigste Form von Einsamkeit. Wenn Menschen sich gegenseitig vermissen, während gleichzeitig alle versuchen, möglichst souverän zu wirken.
Und vielleicht ist das auch der Grund, warum so viele Begegnungen heute gleichzeitig intensiv und seltsam unverbindlich wirken. Menschen öffnen sich schnell. Erzählen intime Dinge nach wenigen Stunden. Teilen Traumata, Ängste, Sehnsüchte. Aber sobald echte Verbindlichkeit entsteht, sobald etwas beginnt, Konsequenzen für das eigene Leben zu bekommen, ziehen sich plötzlich alle wieder zurück. Als wäre emotionale Tiefe inzwischen erlaubt, solange sie folgenlos bleibt. Ich merke, wie sehr wir gelernt haben, uns selbst zu managen. Gefühle einzuordnen. Bedürfnisse wegzuregulieren. Uns nicht zu sehr zuzumuten. Bloß nicht klammern. Bloß nicht bedürftig wirken. Bloß die eigene Würde behalten. Und gleichzeitig sitzen so viele Menschen nachts alleine mit diesem absurden Wunsch, einfach irgendwo wirklich gemeint zu sein.
Vielleicht ist genau das die große Erschöpfung unserer Zeit. Dieses permanente Austarieren zwischen Sehnsucht und Selbstschutz. Zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Angst, dabei die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Und manchmal frage ich mich, wie viele Menschen eigentlich gerade parallel nebeneinander leben und sich heimlich nach genau demselben sehnen, während alle so tun, als bräuchten sie niemanden wirklich.
Ich habe selbst Jahre geglaubt, dass Rückzug Sicherheit bedeutet. Dass ich souveräner wirke, wenn ich möglichst wenig brauche. Dass Kontrolle schützt. Bis irgendwann jemand geblieben ist und sich einfach gemütlich dazugesetzt hat, obwohl ich es ihm überhaupt nicht leicht gemacht habe. Und vielleicht hatte ich einfach nur Glück, dass er nicht irgendwann aufgehört hat, gegen meine Mauern anzulaufen. Und richtig spannend wird es erst, wenn zwei Menschen plötzlich merken, wie viel eigene Geschichte mit am Tisch sitzt. Irre. Ich glaube, Nähe ist am Ende gar nichts Spektakuläres. Sie ist einfach nur die seltene Entscheidung, nicht sofort zu verschwinden, sobald es unbequem wird.
Dienstag, Mai 12, 2026
neue gewohnheiten.
Wenn Du den Tisch schon völlig automatisch für Drei deckst, auch wenn heute mal nur zwei da sind. Der Teenie fand's lustig. Offensichtlich dran gewöhnt.
königsdisziplin.
Es gibt Situationen im Unternehmensalltag, die sofort zeigen, woran moderne Organisationen wirklich hängen. Ein großer Kunde springt ab. Der Drucker streikt im ungünstigsten Moment. Die Kaffeemaschine fällt aus. Und dann die absolute Königsdisziplin. In der kompletten Firma ist das Internet tot. Nicht langsam. Nicht wackelig. Nicht „bei mir lädt Teams gerade nicht“. Sondern: weg. Komplett. Funkstille. Heute. Hier. Keina Ahnung, wo es hakt. Die ersten fahren ins HO. Großartig.
Ein Hoch auf den persönlichen Hotspot! Tief durchatmen. Wusa.
Ein Hoch auf den persönlichen Hotspot! Tief durchatmen. Wusa.
Montag, Mai 11, 2026
sichtbarkeit.
Ich habe nie verstanden, warum Menschen lügen, um geliebt zu werden. Irgendwann kommt doch sowieso alles ans Licht. Immer. Das liegt in der Natur der Sache. Und dann muss man plötzlich nicht nur die Wahrheit aushalten, sondern zusätzlich noch die Enttäuschung verwalten. Vielleicht ist genau das das eigentlich Zerstörerische daran. Nicht der Fehler. Nicht die Schwäche. Nicht einmal der Verrat. Sondern dieses Gefühl, dass man einer Version eines Menschen vertraut hat, die strategisch gebaut wurde. Kuratiert. Geglättet. Emotional optimiert.
Ich glaube inzwischen, dass viele Menschen weniger Angst davor haben, abgelehnt zu werden, als davor, wirklich gesehen zu werden. Also machen sie sich passend. Polieren Kanten weg. Verschweigen Bedürfnisse. Spielen Klarheit, während innerlich längst Chaos herrscht. Erfinden emotionale Souveränität, weil Verletzlichkeit sich für viele anfühlt wie Kontrollverlust. Und vielleicht berührt mich das so sehr, weil ich mich darin selbst erkenne. Weil es für mich unfassbar schwer ist, mich wirklich zu zeigen. NICHT die funktionierende Version. NICHT die reflektierte. NICHT die starke. Sondern die unperfekte. Die erschöpfte. Die unsichere. Die, die eben nicht immer alles im Griff, einen Masterplan oder sofort Antworten hat. Wirklich gesehen zu werden, ohne sich vorher zu sortieren, fühlt sich für mich nicht romantisch an. Eher gefährlich. Weil Sichtbarkeit immer bedeutet, dass jemand theoretisch auch entscheiden könnte zu gehen. Vielleicht kontrolliert man deshalb so viel. Vielleicht baut man sich deshalb Versionen von sich selbst, die leichter liebbar wirken.
Aber Nähe funktioniert nicht über perfekte Inszenierung. Jedenfalls keine echte. Nähe entsteht dort, wo etwas unfertig bleiben darf. Wo man nicht permanent versucht, die eigene Wahrheit in eine schöne Form zu bringen. Wo jemand das Chaos sieht beziehungsweise sehen darf und trotzdem nicht sofort die Distanz vergrößert. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Tragik. Dass Menschen so sehr geliebt werden wollen, dass sie ausgerechnet das verstecken, was sie überhaupt erst echt macht.
Ich glaube inzwischen, dass viele Menschen weniger Angst davor haben, abgelehnt zu werden, als davor, wirklich gesehen zu werden. Also machen sie sich passend. Polieren Kanten weg. Verschweigen Bedürfnisse. Spielen Klarheit, während innerlich längst Chaos herrscht. Erfinden emotionale Souveränität, weil Verletzlichkeit sich für viele anfühlt wie Kontrollverlust. Und vielleicht berührt mich das so sehr, weil ich mich darin selbst erkenne. Weil es für mich unfassbar schwer ist, mich wirklich zu zeigen. NICHT die funktionierende Version. NICHT die reflektierte. NICHT die starke. Sondern die unperfekte. Die erschöpfte. Die unsichere. Die, die eben nicht immer alles im Griff, einen Masterplan oder sofort Antworten hat. Wirklich gesehen zu werden, ohne sich vorher zu sortieren, fühlt sich für mich nicht romantisch an. Eher gefährlich. Weil Sichtbarkeit immer bedeutet, dass jemand theoretisch auch entscheiden könnte zu gehen. Vielleicht kontrolliert man deshalb so viel. Vielleicht baut man sich deshalb Versionen von sich selbst, die leichter liebbar wirken.
Aber Nähe funktioniert nicht über perfekte Inszenierung. Jedenfalls keine echte. Nähe entsteht dort, wo etwas unfertig bleiben darf. Wo man nicht permanent versucht, die eigene Wahrheit in eine schöne Form zu bringen. Wo jemand das Chaos sieht beziehungsweise sehen darf und trotzdem nicht sofort die Distanz vergrößert. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Tragik. Dass Menschen so sehr geliebt werden wollen, dass sie ausgerechnet das verstecken, was sie überhaupt erst echt macht.
Sonntag, Mai 10, 2026
eins.
Er fragte, ob ich es bereue. Ich muss nicht überlegen. Nein, keine Sekunde. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wo wir landen. Keinen Plan, kein Zielbild, keine Sicherheit. Heute weiß ich, das hier ist besser, als ich es mir vorgestellt habe. Nicht perfekt, aber stimmig. Es hat sich entwickelt. Organisch. Unaufgeregt. Konsequent. Zack, ein Jahr rum. Ein wirklich gutes Jahr. Und jetzt stehe ich da, ein Jahr und einige Tage später und freue mich einfach. So verrückt. Ich liebs.
Mittwoch, Mai 06, 2026
vermissung.
Und dann bekommst Du morgens Fotos vom Friedhof. Vom frisch bepflanzten Grab. BÄM. Wie gern würde ich Dich einfach anrufen und Deine Stimme hören. Einmal.
Montag, Mai 04, 2026
unruhe.
Schlaflos. Die Unruhe ist einfach da. Tagsüber funktioniert alles. Ich rede, arbeite, lache. Von außen ist nichts zu sehen. Aber darunter läuft etwas mit. Eine Spannung, die nie ganz weggeht. Ein Teil, der immer wach bleibt. Nachts wird es deutlicher. Lauter. Wenn es still wird und nichts mehr ablenkt. Dann reicht manchmal ein Gefühl, etwas ganz Unbestimmtes, und es ist plötzlich wieder da. Nicht als Erinnerung, sondern als Zustand. Mein Körper reagiert, als wäre es jetzt. Ich merke, wie schnell ich wieder in dieses Allein rutsche. Wie ich Dinge bei mir halte, um niemanden zusätzlich zu belasten. Dabei stimmt es ja. Ich bin nicht mehr allein. Und ich merke, wie gut es mir tut, das nicht mehr sein zu müssen. Ich lerne nur noch, es auch wirklich so zu fühlen.
Donnerstag, April 30, 2026
homeoffice.
Komme ich gegen 08.30Uhr ins gemeinsame Homeoffice. Er legt den Kopf schief und grinst: "Verdammt, Du siehst schon wieder so gut aus." und küsst mich. Ich, in schlichter Hose & Strickjacke, mag dieses arbeiten Rücken an Rücken - zwischendurch mal kurz anfassen und küssen. Und ich schaffe sogar richtig was.
Montag, April 27, 2026
verbindung.
Ich habe heute beim Postcrossing einen 7-jährigen Jungen aus Prag gezogen. Er macht das zusammen mit seiner Oma und lernt dabei Englisch. Das ist wirklich zauberhaft. Ich saß einen Moment da und musste einfach lächeln. Da steckt so viel drin. Neugier, Geduld. Zwei Generationen, die sich Zeit füreinander nehmen und diese leise, fast unscheinbare Idee, die Welt ein kleines Stück größer zu machen. Und irgendwo sitzt dieser kleine Junge und wartet auf seine nächste Karte. Und ich darf die schreiben. Ich glaube, genau dafür liebe ich das. Diese kleinen, echten Momente. Ein Stück Papier, das sich auf den Weg macht. Ein paar Worte und dieses stille Wissen, dass da draußen jemand ist, der sich gerade über genau das freut und dessen Tag damit ein kleines bisschen besser wird.
unbekümmertheit.
Wenn allmählich ins Bewusstsein sickert, dass Du in dieser Nacht geglaubt hast, Du würdest sterben und Dir später manchmal gewünscht hast, es wäre so gewesen. Dann ist das kein Wunsch nach dem Tod. Es war der Moment, in dem jegliche Sicherheit endete und das reine Überleben begann. Nicht Leben. Nicht Vertrauen. Nur Funktionieren. Und Durchhalten. Immer nur weiter. Stets auf der Hut sein. Niemals stehenbleiben oder ankommen. Der ewige Kampf gegen mich selbst. Manchmal vermisse ich die Zeit davor. Diese Unbekümmertheit. Das selbstverständliche Gefühl von Sicherheit. Das war richtig schön.
Sonntag, April 26, 2026
samstage.
Was für ein fantastischer Tag. Einer von denen, die man nicht planen kann und genau deshalb so gut sind. Eigentlich war alles anders gedacht. Termine, Ideen, Struktur. Und dann hat sich der Tag einfach selbst geschrieben. Pläne wurden kurzfristig über Bord geworfen, wir haben uns spontan treiben lassen und genau darin lag diese besondere Ruhe. Diese Leichtigkeit, die entsteht, wenn nichts muss und alles darf. Mein Visionboard ist endlich fertig geworden. Also fast. Es liegt jetzt da, noch nicht geklebt, noch nicht ganz final. Ich mache das nie sofort. Ich brauche immer noch diese eine Nacht dazwischen. Abstand, ein Gefühl, ob es wirklich passt. Aber ich merke jetzt schon, da ist etwas entstanden, das sich richtig anfühlt. Klar. Ruhig. Stimmig. Ich finds richtig gut.
Und dann dieser unerwartete Moment heute - die Untermieterin hat ihre eigenen Pläne einfach abgesagt. Ganz selbstverständlich. Und plötzlich hatten wir Zeit. Ohne Ablenkung. Ungeteilte Aufmerksamkeit. Nur wir, wie früher. Wir haben stundenlang am großen Tisch gesessen, Kuchen gegessen, geredet. Über alles und nichts. Es war warm, normal, fast selbstverständlich. Die Untermieterin fühlt sich so richtig wohl. Man merkt, wie es sie dorthin zieht. Sie hat bereits zwei Packungen Eis im Tiefkühlschrank gebunkert. Ich weiß, wer den zweiten Löffel gewinnt. Nebenbei lief ein neuer Krimi bei Bookbeat, wir haben geschnitten, sortiert, gedruckt, Papier hin- und hergeschoben wie die Weltmeister, Ideen ausprobiert, wieder verworfen. Dieses kreative Chaos, das sich ganz organisch ordnet. Irgendwo dazwischen dieser kleine, absurde Moment. Die Tischlampe, an der ein BH hängt. Der Teenie schaute mich an, rollte nur die Augen und wir mussten beide lachen. So ein typischer Augenblick. Besser wird's nicht. Ich mag dieses Gefühl von Nähe, von einfach zusammen sein. Kein großes Event, kein „Highlight“ im klassischen Sinne. Sondern ein Tag, der sich still und unaufgeregt richtig gut angefühlt hat. Und manchmal sind genau das die allerbesten Tage, an die wir uns erinnern.
Und dann dieser unerwartete Moment heute - die Untermieterin hat ihre eigenen Pläne einfach abgesagt. Ganz selbstverständlich. Und plötzlich hatten wir Zeit. Ohne Ablenkung. Ungeteilte Aufmerksamkeit. Nur wir, wie früher. Wir haben stundenlang am großen Tisch gesessen, Kuchen gegessen, geredet. Über alles und nichts. Es war warm, normal, fast selbstverständlich. Die Untermieterin fühlt sich so richtig wohl. Man merkt, wie es sie dorthin zieht. Sie hat bereits zwei Packungen Eis im Tiefkühlschrank gebunkert. Ich weiß, wer den zweiten Löffel gewinnt. Nebenbei lief ein neuer Krimi bei Bookbeat, wir haben geschnitten, sortiert, gedruckt, Papier hin- und hergeschoben wie die Weltmeister, Ideen ausprobiert, wieder verworfen. Dieses kreative Chaos, das sich ganz organisch ordnet. Irgendwo dazwischen dieser kleine, absurde Moment. Die Tischlampe, an der ein BH hängt. Der Teenie schaute mich an, rollte nur die Augen und wir mussten beide lachen. So ein typischer Augenblick. Besser wird's nicht. Ich mag dieses Gefühl von Nähe, von einfach zusammen sein. Kein großes Event, kein „Highlight“ im klassischen Sinne. Sondern ein Tag, der sich still und unaufgeregt richtig gut angefühlt hat. Und manchmal sind genau das die allerbesten Tage, an die wir uns erinnern.
Morgen ist dann Marathon in der Stadt. Wird wieder ein Chaos vor der Haustür, weil die ganze Stadt verkehrstechnisch lahmgelegt ist.
Freitag, April 24, 2026
sturmfrei.
Und Freizeitstress. Ich habe zwei Ziele für die nächsten Tage. Meine Steuererklärung 2024 endlich fertigmachen - ich bin vor Monaten bei 80% hängengeblieben - und mein Visionboard final aufkleben. Ich habs bisher einfach nicht gefühlt, es war einfach zu viel los. Der Mann ist schon ultragespannt und meinte, ich soll schöne Sachen aufkleben. Er steht regelmäßig vor meinen alten Boards und studiert sie aufmerksam. Diesen Zielen gegenüber stehen Kunst, Kultur, ein Ausflug und diverse Freundinnen-Dates. Ausserdem werde ich das ganze Wochenende temporär arbeiten müssen, da wir Sonntag, 14.00Uhr eine Deadline und Abgabe haben - für einen Pitch der Montagvormittag rausgeht. Darüberhinaus bin ich Mutter eines Teenies und wir werden diese Mädelszeit so richtig zelebrieren, haben wir verabredet. Sie sehen die Challenge? Zuviel Freizeit für zu wenig Zeit. Mal schauen wann sie das erste Mal fragt, wann der Mann wiederkommt. Machen Sie's fein!
Donnerstag, April 23, 2026
Girls Day.
Wenn der Teenie an ihrem ersten Girls Day teilnimmt und sich fürs Hacken & Programmieren entschieden hat. Sie hat sich auch für zwei Jahre auf Informatik festgelegt ab dem nächsten Schuljahr. Liebe alles daran, wie sie ihre Komfortzone verlässt und anfängt sich zu orientieren und herauszufinden, was ihr Spaß macht und sie interessiert. Ihre Freundin geht zur Feuerwehr. Ich finds absolut klasse, dass die Mädels das nutzen und wahrnehmen. Bin vielleicht ein bisschen stolz.
Dienstag, April 21, 2026
argumente.
Nochmal rund 80 Seiten Gerichtsakten konzentriert durchgearbeitet, um final zu prüfen, ob Argumente fehlen und eine letzte Replik erforderlich ist. Was auffällt, es wird extrem viel geschrieben. Wirklich viel. Gleiche Argumente, leicht anders formuliert, nochmal gedreht, nochmal erklärt. Die eigentlichen Punkte sind ziemlich überschaubar. Wer hat was gemacht? Was ist belegt? Was passt nicht zusammen? Was fehlt? Der Rest ist Beiwerk. Mit jeder weiteren Seite wird es nicht unbedingt klarer. Eher im Gegenteil. Am Ende bleibt ein ziemlich einfacher Eindruck. Es kommt nicht darauf an, möglichst viel zu sagen. Sondern das Relevante argumentativ sauber hinzubekommen. Und ich mag unseren Anwalt, wirklich. Gerade nochmal mit ihm gesprochen und wir sind uns einig. Sie dürfen trotzdem die Daumen drücken! Ich bin sehr zuversichtlich - aber ich habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen, wie mein Vater immer so schön sagt.
Montag, April 20, 2026
zeitgefühl.
Meine kleine Nichte wird heute 6. In Worten sechs Jahre alt. Es ist so verrückt, wie schnell die Zeit vergeht. Sie wurde damals mitten in Corona geboren. Ihre Halbschwester wird im Sommer 17(!) und fährt jetzt seit Ende letzten Jahres ein 45km/h Auto - wir nennen es liebevoll "Bobbycar mit Schnur". Ich glaube, wir sind ganz schön alt geworden, seit dieser Blog hier existiert. 2007 war ich unschuldige 25 - alter Schwede. Ich fühle mich nur überhaupt nicht so und glücklicherweise werde ich immer noch deutlich jünger geschätzt. Am Ende ist es nur eine Zahl, auch wenn der Mann keine Gelegenheit auslässt, mich darauf hinzuweisen, dass ich stark auf die 50 zugehe. Ich teste im Sommer erstmal dieses „Mitte 40“. Ist dann der zweite Geburtstag, den wir gemeinsam feiern. Gefällt mir.
Sonntag, April 19, 2026
projektionsfläche.
Nicht jede Reaktion gehört mir. Ich habe vor längerem aufgehört, alles anzunehmen, nur weil es mir entgegengeworfen wird. Manche Menschen begegnen nicht mir, sondern sich selbst. Ihren Themen, ihren Verletzungen, ihrem Kontrollverlust. Ihrer Angst, ihrer Unsicherheit, ihrem Verlust, ihrer Wut. Ich bin einfach nur der Ort, an dem das sichtbar wird. Früher hätte ich das noch sortiert, hätte mich gefragt, wo mein Anteil ist, ob ich etwas übersehe. Heute nicht mehr. Ich weiß ziemlich genau, was meins ist. Und der Rest bleibt da, wo er hingehört. Nicht bei mir. Fühlt sich ziemlich gut an.
Samstag, April 18, 2026
learning.
Wenn ich eins im Leben gelernt habe. Man kann Menschen nicht dorthin stellen, wo man sie gern hätte. Niemanden. Niemals. Egal, wie gern man etwas anderes möchte. Und man muss sie auch nicht verschieben. Jeder zeigt irgendwann sehr klar, welchen Platz er selbst einnimmt. Wie er spricht. Wie er handelt. Wie er sich verhält, wenn es schwierig wird. Und genau dort steht er dann. Dort, wo er sich selbst positioniert hat. Das Einzige, was wirklich in unserer Hand liegt, ob wir daneben stehen bleiben oder aufstehen, loslassen und unseren eigenen Platz wählen.
Dienstag, April 14, 2026
Sonntag, April 12, 2026
sonntagmorgen.
Sonntagmorgen gemeinsam in der Küche sitzen. Der Teenie noch selig schlummernd im Bett. Die FAZ im Hintergrund, ein gemütliches Frühstück. Kein Tempo. Einfach da sein und über das sprechen, was gerade ist. Ich mag diese Unaufgeregtheit. Diese Ruhe. Kein Müssen. Nur dieser Moment. Ich liebs.
Samstag, April 11, 2026
geborgenheit.
Es gibt nichts Schöneres, als nachts von der Toilette zu kommen und den Mann halb auf meiner Seite liegen zu sehen. Wie er wortlos die Decke hebt, damit ich drunterkrabbeln kann und einfach wieder in seine Arme rutsche. Er mich zärtlich küsst, ganz festhält und wohlig atmet.
Freitag, April 10, 2026
learning.
Bestes Learning. Selbst wenn Dich etwas für einen Moment völlig überfährt - nicht alles, was zurückkommt, gehört wieder ins eigene Leben. Manches passt einfach nicht mehr, egal, was passiert ist. Manchmal muss man einfach kurz stehen bleiben. Atmen. Und wieder bei sich ankommen und dann loslassen.
Dienstag, April 07, 2026
sicherheitsnetz.
Heute gehört. "Nicht alles sichern zu müssen, um Dich sicher zu fühlen." Der Satz ging richtig tief. Mitten ins Herz. Ich hab's so sehr gefühlt, dass ich spontan etwas im Auge hatte. Ich merke, wie sehr ich es gewohnt bin, Dinge zu verstehen, einzuordnen, zu erklären und abzusichern. Vorausschauend. Immer ein bisschen vorbereitet. Und dann kommt der Moment, in dem ich spüre. Ich kann nichts festhalten. Keine Entwicklung. Kein Gefühl. Keine Sicherheit im Außen. Und ich merke, wie schnell mein System immer versucht, doch wieder irgendwo Halt zu finden. In Gedanken. In Bedeutungen. In Fragen. In kleinen Versuchen, etwas greifbar zu machen. Und genau da wird es plötzlich still. Und verdammt ehrlich. Und ja… auch traurig. Weil ich merke, wie ungewohnt es für mich ist, mich sicher zu fühlen, ohne überhaupt etwas sichern zu müssen oder können. Weil ich nicht mehr ausweichen kann. Nicht mehr steuern. Nicht mehr „richtig“ reagieren. Nur noch da sein. Mit allem, was ich nicht weiß. Mit allem, was ich nicht festhalten kann. Und vielleicht ist genau das das Neue daran. Dass Sicherheit nicht mehr daraus entsteht, dass ich etwas im Griff habe. Sondern daraus, dass ich bleibe und es auszuhalten lerne, auch wenn ich nichts halten kann. Und dann denke ich mir, "Wow, dafür musste ich erst 44Jahre alt werden, um genau das zu erleben und diese Lernkurve so mitnehmen zu dürfen."
nachts.
00:30 Uhr. Ich wache auf, stehe auf, gehe ins Bad und bin mir sicher, die Nacht ist schon fast vorbei. Dabei hat sie gerade erst begonnen. Die Dunkelheit fühlt sich anders an, dichter, als hätte sie sich über mich gelegt, nicht nur um mich herum. In mir sind sie längst wach. Diese kleinen schwarzen Ungeheuer. Sie haben nicht geschlafen, nur gewartet. Auf genau diesen Moment, in dem alles still ist und ich ihnen nichts mehr entgegensetzen kann. Ein Bild, ein Gedanke reichen. Ein kaum greifbares Gefühl. Und schon beginnen sie zu nagen, leise zuerst, dann immer deutlicher. Ich setze mich zurück aufs Bett und starre an die Wand. Dieses Blau. Ruhig, gleichmäßig, fast tröstlich. So wie das Meer, das ich mir vorstelle. Weit weg. Unerreichbar. Meine Hand wandert zu Dir, legt sich auf Deine Brust, genau über Dein Herz. Es schlägt ruhig. Stark. Als würde es mich daran erinnern, dass nicht alles in mir aus Unruhe besteht. Die Monster mögen das nicht. Sie werden unruhig, flüstern lauter, schicken Bilder, Erinnerungen, Zweifel. Dinge, die ich längst vergessen wollte. Dinge, die sich niemals vergessen lassen. Für einen Moment denke ich, sie gewinnen wieder. Dann bewegst Du Dich leicht. Fast unmerklich. Deine Hand sucht mich, als wäre es das Natürlichste der Welt. Du schläfst noch, atmest ruhig, gleichmäßig. Ich rutsche näher an Dich heran, verberge mein Gesicht in Deinem Nacken. Deine Wärme breitet sich aus, langsam, aber bestimmt. Die Monster ziehen sich nicht zurück, nicht ganz. Aber sie werden leiser. Vorsichtiger. Als hätten sie verstanden, dass sie gerade nicht die Kontrolle haben. Ich bleibe so liegen. Zähle Deinen Atem. Spüre Deine Haut. Halte mich fest an dem, was real ist. Ich bin in Sicherheit. Und für einen Moment gehört die Ruhe mir.
Montag, April 06, 2026
winterorange.
06.04.2026. Ostermontag. Aus Versehen mit "Winter-Orange" geduscht. Kann man mal machen. Rieche ich beim Osterbrunch einfach mal lecker weihnachtlich-orangig. Why not? Ist halt ein multisaisonales Duftkonzept. Der frische Hefezopf wird das gleich sowieso übertönen mit seinem großartigen Duft. Könnte schlimmer sein. Ich mag unser erstes Ostern.
Samstag, April 04, 2026
workshop.
Heute einen Osterworkshop für "selbstgemachte Kartoffelklöße" absolviert. Der Kursleiter sagt, danach möchte ich nie wieder fertigen Thüringer Kloßteig aus der Metro. Das Kaninchen ist im Ofen, der Rotkohl ist der Hammer und diese Sauce ein Träumchen. Schade, dass ihr das hier nicht riechen könnt. Sooo gut. Gehabt euch wohl und frohe Ostern! Wir kochen uns hier entspannt durch das lange Wochenende und tun einfach mal nichts. Tut mal so gut.
Dienstag, März 31, 2026
mutter.
Als Mutter lernt man ziemlich schnell, dass man alles gleichzeitig sein muss. Planungsabteilung, Improvisationstalent… und manchmal einfach jemand, der nachts noch wach ist, Tee kocht und leise sagt: „Das wird schon wieder.“ Und irgendwo zwischen Gesprächen, Lachen, Diskussionen, Augenrollen und diesen ganz besonderen Momenten - wie gerade - merkt man, wie besonders diese gemeinsame Zeit eigentlich ist. Denn auch wenn vieles stetig im Wandel ist, bleibt eines gleich. Ich bin da. Immer.
Freitag, März 27, 2026
grenzerfahrung.
Es ist dieses sofortige Wissen im Körper, wie es sich anfühlt, wenn alles von jetzt auf gleich kippt. Wenn Du nicht mehr steuerst, sondern nur noch reagierst. Wenn Du weißt wie es ist und sich anfühlt, völlig an die eigenen körperlichen und mentalen Grenzen zu kommen und an die Du nie wieder willst. Ich war einmal dort. Vor 2Jahren. Und es war absolut furchtbar und hat mich Monate gekostet. Und genau das macht mir Angst. Nicht das, was jetzt ist. Sondern die Möglichkeit, wieder genau dahin zu kommen. Ich möchte nie wieder an diesen Punkt zurück. Wirklich nicht.
Dienstag, März 24, 2026
tragfähigkeit.
Nur das Geräusch der eigenen Schritte. Es ist erstaunlich, wie viele Gedanken sich sortieren, wenn man ihnen Platz lässt. Vielleicht brauchen wir gar nicht immer Antworten. Manchmal reicht es, einfach weiterzugehen. Zu beobachten, wer sich wohin bewegt und wer bleibt. Nicht, weil er muss, sondern weil er will.
Montag, März 23, 2026
Samstag, März 21, 2026
post.
Ich bin ja noch so ganz oldschool unterwegs und schreibe nach wie vor immer und überall sehr gern Postkarten und Briefe. Die Untermieterin ist damit aufgewachsen, dass sie früher auf jede Karte noch ein kleines Bild malen sollte. Bei der Menge der Karten fühlte sich das im Urlaub oder zu Weihnachten regelmäßig wie Kinderarbeit an. Später schrieb sie Karten an ihre Freunde und freute sich jedesmal ein Loch in den Bauch, wenn sie auch eine Karte bekam. Jetzt hat sie - auf Empfehlung - Postcrossing entdeckt, ich habe einfach mal ein Konto für uns eingerichtet. Und es ist sooo schön zu sehen, wie viel Freude ihr das Aussuchen und Schreiben der Karten macht. Sie liest vorher immer das Profil sehr genau und schaut auf Google Maps, wo das Ziel der Karte genau liegt. Wir haben eine schwarze Pappkiste, gefüllt mit unzähligen Postkarten, bunten Briefmarken und Stickern. Gestern kam ihre erste Karte beim Empfänger an und es gab so liebes Feedback, dass das Kind sehr breit grinste und hingebungsvoll eine neue Karte schrieb. Die nächste Karte geht nach Indien, stecke ich auf dem Weg zum Yoga gleich ein. Gestern hat sie schon beim Universum bestellt, dass die nächste nach Thailand geht. Es ist China geworden, aber ich denke, das ist okay.
Freitag, März 20, 2026
perspektive.
Es fällt mir wie Schuppen von den Augen, als sich innerlich plötzlich beginnt etwas zu verschieben und ich anfange zu verstehen. Es ist der Wechsel der Perspektive und die Akzeptanz, die mir letztendlich seelische Erleichterung bringen, ohne etwas zu schmälern oder relativieren. Zwischen damals und heute. Vielleicht habe ich ein bisschen unterschätzt, wie anstrengend und fordernd so ein Perspektivwechsel ist - nach so vielen Jahren. Damals ging es ausschließlich ums Überleben, heute geht es ums Verstehen, Verarbeiten und Integrieren. Mein System hat sehr lange einfach funktioniert. Still, effizient, kompromisslos. Es hat Dinge wegsortiert, abgespalten, mich geschützt. Ich habe getan, was nötig war, um weiterzumachen. Jetzt ist das allmählich anders. Ich kann hinschauen und es aushalten. Ich kann langsam benennen, was war. Ich kann fühlen, was es mit mir gemacht hat. Manchmal macht mich das unfassbar wütend, dann unendlich traurig. Und genau darin liegt eine enorme Kraft, aber auch eine Form von Anstrengung, die unglaublich viel Energie zieht. Es gibt kein Wegdrücken mehr. Ich empfinde das erste Mal in meinem Leben so etwas wie Mitgefühl - für mich selbst. Etwas, dass ich noch nie gefühlt habe. Die Härte bröckelt. Ich merke, wenn etwas in mir kippt. Ich merke, wenn ich sensibel werde oder wütend. Ich merke, wenn alte Muster anspringen, schneller als mein Verstand überhaupt hinterherkommt. Heute bin ich wirklich in Beziehung. Zu mir selbst und zu anderen. Ich spüre, wenn Unsicherheit hochkommt. Ich spüre, wenn ich Nähe suche, nicht nur, weil ich sie will, sondern weil ein Teil in mir Sicherheit braucht. Das ist alles nicht dramatisch, aber es ist anstrengend. Weil ich nicht mehr einfach funktioniere. Weil ich da bleibe. Weil ich mich nicht mehr verlasse. Und genau das ist der Unterschied. Ich kann sagen, was in mir passiert. Ich kann alles fühlen, auch die schlimmen Dinge, ohne daran zu zerbrechen. Ich kann bleiben, bei mir. Heilung ist kein schöner, gerader Weg. Sie ist leise, manchmal widersprüchlich und definitiv sehr oft ziemlich fordernd.
Mittwoch, März 18, 2026
Dienstag, März 17, 2026
tempo.
Das Leben hat selten das Tempo, das man geplant hat. Meistens ist es entweder schneller oder interessanter.
Sonntag, März 15, 2026
a oder b?
Die Untermieterin stellte beim Abendessen eine sehr spannende Frage. "Würdest Du lieber Deine Erinnerungen der Vergangenheit behalten oder die Möglichkeit besitzen, neue Erinnerungen zu schaffen, dafür aber Deine Vergangenheit vergessen?! Man muss sich für eins entscheiden!" Wir haben das kurz diskutiert und stellten fest, wie schwierig es ist, sich zu entscheiden. Ich sagte spontan, ich würde nicht immer nur in der Vergangenheit leben wollen, sondern Erinnerungen und Erlebnisse schaffen. Leben wollen.
Und dann habe ich kurz an Punkte und Menschen meiner Vergangenheit gedacht, die mich zutiefst geprägt und geformt haben. Manchmal merkt man erst, wie sehr ein Mensch Teil der eigenen Lebensarchitektur war, wenn plötzlich eine tragende Wand fehlt. Er gehörte Jahre zu meinem Leben. Nicht perfekt, nicht immer leicht, aber real. Mit all den kleinen Momenten, aus denen sich Beziehungen zusammensetzen. Gespräche, Streit, Versöhnungen, gemeinsame Pläne und Wege, die irgendwann auseinanderliefen. Und dann kam dieser eine Moment, der alles endgültig macht. Ein Satz, den man liest oder hört und der sich erst einmal völlig unwirklich anfühlt. Der Mensch, mit dem man einmal ein Kapitel seines Lebens geteilt hat, ist plötzlich nicht mehr da. Was mich lange begleitet hat, war ein Gefühl von Schuld. Die leise Frage, ob man etwas hätte anders machen können. Ob ein anderes Wort, eine andere Entscheidung, ein anderer Weg etwas verändert hätte. Aber das Leben beantwortet solche Fragen nie.
Eine Zeit lang habe ich geglaubt, dass mich diese Geschichte zerbricht. Dass der Schmerz größer ist als alles, was ich jemals tragen kann. Es gab Tage, an denen ich das Leben gehasst habe. Tage, an denen ich mir gewünscht habe, einfach aufzuhören zu fühlen. Und doch geht das Leben weiter. Nicht weil man es will. Sondern weil es einfach nicht stehen bleibt. Niemals. Es ist seltsam, wie das Leben funktioniert. Manche Beziehungen enden lange bevor ein Leben endet. Und manchmal endet ein Leben, bevor man verstanden hat, was diese Beziehung eigentlich bedeutet hat. Und doch bleibt etwas bestehen. Erinnerungen, Geschichten, vielleicht auch eine leise Dankbarkeit für die Zeit, die man einmal gemeinsam hatte. Er ist Teil meiner Vergangenheit, aber er ist auch Teil meiner Geschichte. Und Geschichten verschwinden nicht einfach. Manche Menschen gehen aus unserem Leben. Manche bleiben auf eine andere Weise. Vielleicht liegt die Antwort auf diese Frage genau darin. Erinnerungen und neue Erlebnisse lassen sich nicht wirklich trennen. Unsere Vergangenheit ist letzlich der Boden, auf dem alles Neue wächst.
Und dann habe ich kurz an Punkte und Menschen meiner Vergangenheit gedacht, die mich zutiefst geprägt und geformt haben. Manchmal merkt man erst, wie sehr ein Mensch Teil der eigenen Lebensarchitektur war, wenn plötzlich eine tragende Wand fehlt. Er gehörte Jahre zu meinem Leben. Nicht perfekt, nicht immer leicht, aber real. Mit all den kleinen Momenten, aus denen sich Beziehungen zusammensetzen. Gespräche, Streit, Versöhnungen, gemeinsame Pläne und Wege, die irgendwann auseinanderliefen. Und dann kam dieser eine Moment, der alles endgültig macht. Ein Satz, den man liest oder hört und der sich erst einmal völlig unwirklich anfühlt. Der Mensch, mit dem man einmal ein Kapitel seines Lebens geteilt hat, ist plötzlich nicht mehr da. Was mich lange begleitet hat, war ein Gefühl von Schuld. Die leise Frage, ob man etwas hätte anders machen können. Ob ein anderes Wort, eine andere Entscheidung, ein anderer Weg etwas verändert hätte. Aber das Leben beantwortet solche Fragen nie.
Eine Zeit lang habe ich geglaubt, dass mich diese Geschichte zerbricht. Dass der Schmerz größer ist als alles, was ich jemals tragen kann. Es gab Tage, an denen ich das Leben gehasst habe. Tage, an denen ich mir gewünscht habe, einfach aufzuhören zu fühlen. Und doch geht das Leben weiter. Nicht weil man es will. Sondern weil es einfach nicht stehen bleibt. Niemals. Es ist seltsam, wie das Leben funktioniert. Manche Beziehungen enden lange bevor ein Leben endet. Und manchmal endet ein Leben, bevor man verstanden hat, was diese Beziehung eigentlich bedeutet hat. Und doch bleibt etwas bestehen. Erinnerungen, Geschichten, vielleicht auch eine leise Dankbarkeit für die Zeit, die man einmal gemeinsam hatte. Er ist Teil meiner Vergangenheit, aber er ist auch Teil meiner Geschichte. Und Geschichten verschwinden nicht einfach. Manche Menschen gehen aus unserem Leben. Manche bleiben auf eine andere Weise. Vielleicht liegt die Antwort auf diese Frage genau darin. Erinnerungen und neue Erlebnisse lassen sich nicht wirklich trennen. Unsere Vergangenheit ist letzlich der Boden, auf dem alles Neue wächst.
strategin.
Meine Strategie für schwierige Tage ist relativ einfach. Bequeme Schuhe. Der Wald vor der Tür. Frische Luft. Freundinnenzeit und ein Stück Kuchen. Und keine vorschnellen Entscheidungen.
Samstag, März 14, 2026
menschenkenntnis.
Menschen sagen viel über sich. Meistens nicht mit Worten.
Ihr Verhalten erzählt alles.
Ihr Verhalten erzählt alles.
Freitag, März 13, 2026
kuddelmuddel.
Wenn sich berufliche Reiseplanungen und das eine kinderfreie Wochenende in wenigen Tagen, gefühlt, 12x ändern. Erst so, dann doch wieder ganz anders, dann wieder alles zurück. Alles nicht so optimal, das Kind ist super genervt und sauer. Mir hätte es anders auch deutlich besser gepasst. Aber was will man machen?
alleinerziehend.
Alleinerziehend zu sein bedeutete auch, dass niemand da war, der sagt: „Ich mache das schon.“ Also macht man es eben selbst. Man funktioniert. Immer. Die Tage hing ich ziemlich durch. Der Tag war lang, der Kopf völlig leer, der Körper unfassbar müde. Und während ich noch überlegte, wie der Abend irgendwie funktionieren soll, stand plötzlich jemand in der Küche und hat für uns gekocht. Ganz selbstverständlich. Ohne großes Aufheben. Es war einfach das Beste. Es war vielleicht nichts Besonderes. Und gleichzeitig für mich genau das(!!!). Denn irgendwann merkt man, dass sich etwas verändert. Spürbar. Ich muss plötzlich nicht mehr alles alleine tragen. Noch ein sehr ungewohntes Gefühl, aber ein gutes und ich bin dankbar. Alle waren glücklich, vor allem der Koch, dass er das tun konnte. Das ist dieses "Wir sind jetzt zu zweit.", daran erinnert er mich noch regelmäßig. Dann merke ich wieder, wie sehr noch diese Einzelkämpferin in mir steckt.
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