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Sonntag, September 20, 2026

83.

Postkarten. So viele sind seit März bei mir angekommen. Aus 25 verschiedenen Ländern. Menschen, die ich nicht kenne, haben irgendwo auf der Welt eine Karte ausgesucht, ein paar Zeilen geschrieben, eine Briefmarke draufgeklebt und sie auf den Weg nach Düsseldorf geschickt. Manche brauchten fünf Tage. Manche zwei Monate. andere haben offenbar zwischendurch noch eine Weltreise gemacht. Und jetzt liegen 83 kleine Stücke Welt bei mir in einer hübschen schwarzen Schachtel. Postcrossing ist schon ein bisschen wild. Und ziemlich schön.

Mittwoch, September 16, 2026

schweiz.

Postcrossing hakt aktuell ein bisschen. Also „ein bisschen“ im Sinne von: 5 Karten offenbar verschollen seit 72 bis 120Tagen. 5 weitere seit über 40 Tagen unterwegs. Teilweise in die Schweiz. In die Schweiz!!! Ich möchte nicht kleinlich sein, aber die liegt jetzt verkehrstechnisch nicht hinter Mordor. Der Teenie bekam heute eine Karte aus Russland. Über zwei Monate unterwegs. Verständlich. Große Strecke. Schwierige Route. Abenteuer. Aber Düsseldorf–Schweiz? Ich gehe inzwischen davon aus, dass meine Postkarten zu Fuß reisen. Mit Pausen. Und vermutlich ohne Google Maps. Bestes Trainingslager für meine nicht sehr ausgeprägte Geduld. Der Teenie sagt immer, als die Geduld verteilt wurde, war ich offensichtlich schon halb zur Tür raus, weil es mir zu lange gedauert hat.

Montag, Juli 20, 2026

südkorea.

Ich darf als Nächstes eine Postkarte nach Südkorea schicken, an jemanden, der gerade ganz frisch mit Postcrossing angefangen hat. Und ich finde das irgendwie besonders schön. Vielleicht wird meine Karte eine ihrer ersten sein. Vielleicht liegt sie irgendwann zwischen vielen anderen aus der ganzen Welt und erinnert daran, wie alles angefangen hat.

Ich liebe die Idee, winzig kleine Sequenzen und Augenblicke aus unserem Leben loszuschicken und dafür Geschichten aus Orten zu bekommen, die ich vielleicht nie selbst sehen werde. Handschriften, Briefmarken, Stadtansichten, kleine Gedanken von fremden Menschen. Ein Stück Welt im eigenen Briefkasten. Ich mag das. Am schönsten finde ich die persönlichen Details. Welches Lied hört jemand gerade rauf und runter? Welches Gericht könnte er ständig essen? Wie sieht ein ganz normaler Tag aus? Und dann ist da das Aussuchen der Postkarte. Welche passt zu diesem Menschen und Profil? Was möchte ich von meiner Stadt, meinem Leben, meiner kleinen Ecke der Welt zeigen? Das macht mir meistens so viel Freude. Es ist ein tolles Hobby. Bester Tipp vom Mann, der mir das schon vor längerer Zeit mal für den Teenie empfohlen hatte - dieses Jahr endlich ausprobiert und schockverliebt. Der Teenie hat längst ihr eigenes Konto und testet nun den Travelmodus. 

Montag, Mai 18, 2026

japan.

Meine nächste Postkarte geht nach Japan, Tokyo. Ich freue mich. So witzig. Wir schauen gerade eine Serie, die in Tokyo spielt. Ich meinte passend dazu erst neulich, dass ich super gern irgendwann mal die Kirschblüte live sehen möchte und die Nachbarn unter uns sind gestern für 3Wochen nach Japan aufgebrochen.

Freitag, Mai 15, 2026

62tage.

Nach 62 Tagen(!!!) ist meine dritte Postcrossing-Karte doch noch in Washington, USA angekommen. Ich hatte sie innerlich schon fast abgeschrieben und nicht mehr dran geglaubt. Und war ein bisschen traurig, weil sie echt hübsch und besonders war. Aber nein. Sie kam an, ich habe eine richtig nette Mail vom Empfänger bekommen - er hat sich richtig gefreut. 62 Tage. Für eine Postkarte. Andere machen in der Zeit Weltreisen, schreiben Bücher oder verarbeiten Beziehungsmuster. Meine Karte brauchte diese Zeit offenbar. Bestes Trainingslager für meine ausgeprägte Geduld.

Montag, April 27, 2026

verbindung.

Ich habe heute beim Postcrossing einen 7-jährigen Jungen aus Prag gezogen. Er macht das zusammen mit seiner Oma und lernt dabei Englisch. Das ist wirklich zauberhaft. Ich saß einen Moment da und musste einfach lächeln. Da steckt so viel drin. Neugier, Geduld. Zwei Generationen, die sich Zeit füreinander nehmen und diese leise, fast unscheinbare Idee, die Welt ein kleines Stück größer zu machen. Und irgendwo sitzt dieser kleine Junge und wartet auf seine nächste Karte. Und ich darf die schreiben. Ich glaube, genau dafür liebe ich das. Diese kleinen, echten Momente. Ein Stück Papier, das sich auf den Weg macht. Ein paar Worte und dieses stille Wissen, dass da draußen jemand ist, der sich gerade über genau das freut und dessen Tag damit ein kleines bisschen besser wird. 

Samstag, März 21, 2026

post.

Ich bin ja noch so ganz oldschool unterwegs und schreibe nach wie vor immer und überall sehr gern Postkarten und Briefe. Die Untermieterin ist damit aufgewachsen, dass sie früher auf jede Karte noch ein kleines Bild malen sollte. Bei der Menge der Karten fühlte sich das im Urlaub oder zu Weihnachten regelmäßig wie Kinderarbeit an. Später schrieb sie Karten an ihre Freunde und freute sich jedesmal ein Loch in den Bauch, wenn sie auch eine Karte bekam. Jetzt hat sie - auf Empfehlung - Postcrossing entdeckt, ich habe einfach mal ein Konto für uns eingerichtet. Und es ist sooo schön zu sehen, wie viel Freude ihr das Aussuchen und Schreiben der Karten macht. Sie liest vorher immer das Profil sehr genau und schaut auf Google Maps, wo das Ziel der Karte genau liegt. Wir haben eine schwarze Pappkiste, gefüllt mit unzähligen Postkarten, bunten Briefmarken und Stickern. Gestern kam ihre erste Karte beim Empfänger an und es gab so liebes Feedback, dass das Kind sehr breit grinste und hingebungsvoll eine neue Karte schrieb. Die nächste Karte geht nach Indien, stecke ich auf dem Weg zum Yoga gleich ein. Gestern hat sie schon beim Universum bestellt, dass die nächste nach Thailand geht. Es ist China geworden, aber ich denke, das ist okay.