Dienstag, September 01, 2026

september.

Ich mag den September. Einer meiner Lieblingsmonate. Noch nicht richtig Herbst, aber der Sommer zieht sich langsam zurück. Morgens ist die Luft plötzlich kühler und klarer. Mittags schafft es die Sonne trotzdem noch, alles warm zu machen. Dieses goldene Licht, das tiefer steht und weicher wirkt als noch ein paar Wochen vorher. Die ersten Blätter verändern ihre Farbe. Erst hier ein gelber Rand, dort ein roter Fleck. Als würde der Herbst langsam anfangen, sich einzumischen. Abends wird es früher dunkel. Die Fenster spiegeln wieder mehr. Kerzen stehen auf dem Tisch. Man nimmt automatisch eine Jacke mit und freut sich gleichzeitig noch über jeden warmen Nachmittag. Ich mag dieses Dazwischen sehr. Dieses leise Verschieben. Nichts kippt plötzlich. Es verändert sich einfach. Stück für Stück.

Der September hat für mich aber auch ein paar Daten, die nicht einfach vorbeigehen. Unter anderem Todestage. Mehr als einen. Einer davon trifft mich jedes Jahr besonders. Nicht immer gleich. Manchmal denke ich Tage vorher daran. Manchmal erst morgens. Manchmal kommt die Erinnerung ganz unspektakulär beim Espresso oder unter der Dusche und sitzt dann plötzlich mit am Tisch.

Diese Tage haben sich eingebrannt. Nicht unbedingt in allen Einzelheiten. Ich weiß heute nicht mehr genau, was ich getan habe. Aber ich weiß noch, wie es sich angefühlt hat. Wie sehr es mich bis ins Mark erschüttert hat. Ich lag tagelang auf dem Fußboden im Bad und konnte mich kaum bewegen. Ich wollte dieses Gefühl nicht aushalten müssen. Ich wäre gern auch gestorben, als weiter zu spüren, wie es mich innerlich zerreißt. Ich habe es überlebt. Es ist lange her. Und gleichzeitig überhaupt nicht. Ich glaube, das ist das Merkwürdige an Verlust. Das Leben verändert sich weiter. Man selbst verändert sich. Andere Menschen kommen dazu. Neue Erinnerungen entstehen. Man lacht wieder, liebt wieder, arbeitet, fährt in den Urlaub und steht irgendwann in einem Leben, das damals noch gar nicht existiert hat. Und trotzdem gibt es diese Stellen im Kalender.

Keine offenen Wunden mehr. Eher Narben, die ziemlich genau wissen, welches Datum ist und anfangen zu ziepen. Vielleicht passt auch das zum September. Die Sonne ist noch da. Die Wärme auch. Und trotzdem liegt morgens schon etwas Kühles in der Luft. Die Bäume behalten noch ihre Blätter und fangen gleichzeitig an, sie loszulassen. Vieles ist nicht mehr wie vorher. Und trotzdem ist noch etwas davon da.