Mittwoch, Mai 06, 2026
vermissung.
Freitag, November 14, 2025
was bleibt, wenn alles fällt?
Später habe ich ins Telefon geweint. Nur Atmen und Tränen. Und am anderen Ende jemand, der das ausgehalten hat. Einfach geblieben. Keine großen Worte, nur dieses ruhige „Wir schaffen das gemeinsam“. Nicht als Versprechen. Eher wie eine Feststellung, die schon existiert. Und genau das hat getragen. Mehr muss es manchmal nicht sein.
16:45 Uhr, Freitag, meine Wimperntusche hängt auf Halbacht - irgendwas zwischen Panda und Unfall. Egal. Der Abend wird es richten. Mädelsabend. Wir schließen uns nach Ladenschluss im Möbelhaus ein. Nicht ganz so glamourös wie ein Modegeschäft - man kann Möbel schlecht unbemerkt einstecken, aber ich wollte das schon immer mal machen. Wir werden Essen besorgen. Das Bier steht kalt. Türen zu, Welt aus.
Reicht für heute.
Montag, August 25, 2025
wild.
Montag, Juli 07, 2025
kindheit.
Krass, heute ist mein Geburtstag und es ist das allererste Mal, dass ein Anruf fehlen wird. Kein vertrautes „Na, mein Kind“ am frühen Morgen, kein liebevoller, manchmal holpriger Gesang durchs Telefon. Ich wusste, dass dieser Moment irgendwann kommen würde. Aber heute ist er da und es fühlt sich leer an. Sehr Traurig. Still. Und in mir bricht etwas auf, das ich kaum halten kann. Es fühlt sich an wie das letzte Stück Kindheit, das leise verschwindet.
Und doch ist da auch etwas anderes: jemand Neues tritt an meine Seite. Mit ihm entsteht gerade etwas, das mich wirklich tief berührt, bewegt, aufwühlt und ziemlich sehr doll glücklich macht. Es ist ein seltsames Gefühl, beides gleichzeitig zu tragen: den Abschied und den Anfang. Das Fehlen und das langsame Ankommen. Aber vielleicht ist genau das Leben.
Donnerstag, Juni 12, 2025
sockenlos.
Heute Nacht von meiner Oma geträumt. So real. Sockenlos.
Und vielleicht geht es im Leben manchmal genau darum: mitten im Suchen, Hetzen und Verlieren einen Moment zu finden, der bleibt. Eine feste Umarmung, die nicht neu ist, sondern zurückkommt, aus der Erinnerung, aus dem Gefühl, aus der Liebe, die geblieben ist. Und dann spürt man, für einen ganz kurzen Augenblick: Ich bin angekommen. Nicht weil alles gut ist. Sondern weil da etwas war – oder jemand –, das getragen hat. Und irgendwie immer noch trägt, obwohl dieser Mensch längst diese Welt verlassen hat.
Was hatte das Bild mit den fehlenden Socken zu bedeuten?
Montag, Mai 26, 2025
bleiben.
Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit habe ich über "Schmerz" nachgedacht. Über den, den wir im Laufe unseres Lebens erleben. In Wellen, in Stichen, in leisen Momenten. Schmerz, der sich manchmal in den Alltag schleicht, manchmal laut da ist, einen völlig umhaut und manchmal einfach nur sehr schwer auf der Brust sitzt, ohne sich erklären zu müssen. Ich habe im Laufe der Jahre erst verstanden, wie tief Schmerz sitzen und wie vielschichtig er sein kann.
Ich erinnere mich an Momente, in denen ich temporär nicht mehr fähig war zu atmen und mich einfach nur auf die Straße legen und sterben wollte. Ich wollte das es aufhört. Ich wollte und konnte das nicht fühlen. Mich nicht damit auseinandersetzen. Ich musste erst lernen, Schmerz überhaupt zuzulassen. Lange Zeit war funktionieren einfacher. Sich ablenken, unermüdlich arbeiten, weitermachen, alles unter Kontrolle behalten. Aber irgendwann reicht das nicht mehr. Irgendwann meldet sich das, was wir nicht fühlen wollten. Und wenn es kommt, dann nimmt es mir manchmal die Luft. Es sitzt schwer auf meinen Schultern. Und trotzdem – es gehört zu mir. Zu dem, was war. Zu dem, was fehlt.
Mit dem Tod meiner Oma habe ich eine neue Qualität des Schmerzes kennengelernt, die ich noch nicht kannte und ich spüre diesen Schmerz besonders deutlich. Wenn eine Konstante Deines Lebens stirbt, klafft dort ein riesiges Loch. Es gibt so viele Dinge, die sich gerade verändern, so viele Umbrüche, so viel Unsicherheit – und sie fehlt. Nicht, weil sie immer die perfekten Antworten hatte. Sondern weil sie mir diese ruhige, fast unerschütterliche Form von Vertrauen gegeben hat, die ich selbst manchmal nicht aufbringen kann. Sie war da. Immer. Und ihr Blick hat mir gesagt: „Kind, du schaffst das. Du musst nur weitergehen!“ Wie oft hat Sie meine Hand dabei gehalten. Letzte Woche hat mich jemand aus meiner Vergangenheit gefragt, was in der Zwischenzeit passiert ist und ich habe es zum ersten Mal seit Langem ausgesprochen: Sie ist tot. Der Satz kam, und mit ihm eine Welle. Der Schmerz war plötzlich da – groß, dicht, überrollend.
Ich übe mich darin, nicht mehr wegzulaufen oder auszuweichen. Den Schmerz in meinem Leben nicht mehr zu übergehen, nicht kleinzureden. Sondern ihn da sein zu lassen. Als Teil von mir. Als Teil dieser Geschichte, die mich trägt, auch wenn sie manchmal weh tut. Vielleicht ist genau das der mutigste Schritt: einfach dazubleiben. Das auszuhalten. Im Gefühl. In der Verbindung. Und auch in der Erinnerung. Das ist das, was Du mir beigebracht und vorgelebt hast.
Samstag, April 05, 2025
frühling.
Draußen wird es Frühling. Die ersten richtig schönen wärmeren und sonnigen Tage. Die Bäume explodieren in hellem Grün, die Blüten werfen mit Schönheit um sich. Vögel zwitschern, die Papageien fliegen übermütige Stunts, Kinder lachen, die Straßencafés sind voll, alles will raus, alles will wachsen. Und ich?
Ich bin so unendlich müde und fühle nichts. Weil alles zu viel ist. Ich habe diese Woche eine kleine Summe Geld geerbt. „Ein Geschenk.“ Aber mir ist nach Rückgabe. Nach Umtausch. Ich will keine Zahl auf einem Konto – ich will meine Oma zurück. Diese kleine, starke Frau. Diese Wärme, diese Stimme, dieses unverwechselbare „Na, mein Kind?“ Ich würde alles dafür geben, noch einmal mit ihr Tee zu trinken. Oder zu schweigen. Einfach nur da zu sein. Scheiss auf das Geld! Da ist ein Riss im Herzen. Und diese absurde Frühlingsfülle macht es nur noch klarer: Die Welt lebt während sie tot ist. Seit nun 3Monaten.
Und ich? Ich funktioniere. Meine Uhr sagt: „Du bist verbunden mit der grenzenlosen Energie des Universums.“ Vielleicht stimmt das ja sogar. Aber heute spüre ich nur Erschöpfung. Heute bin ich nicht verbunden, sondern verloren. Nicht leuchtend, sondern leise. Und das darf sein. Vielleicht ist das meine Art von Frühling. Ein ganz langsamer, leiser. Einer, der erst unter der Haut zu blühen beginnt. Bis dahin darf ich müde sein. Ich darf fehlen lassen. Und trotzdem weitergehen.
Mittwoch, Januar 22, 2025
steine.
Du bist jetzt seit fast drei Wochen tot und es ist keine einzige Woche vergangen, in der ich nicht mindestens dreimal das Bedürfnis hatte, Dich anzurufen und Dir von irgendetwas zu erzählen.
Je näher der Tag Deiner Beerdigung rückt, umso größer wird der Stein in meinem Magen.
Donnerstag, Januar 02, 2025
zeit.
Letzten Mittwoch hast Du meine Hand fest gedrückt und die ganze Zeit nicht losgelassen. Deine Augen haben gestrahlt und gelacht, als Du die Untermieterin und mich erkannt hast. In diesem Moment warst Du ganz da. Du konntest es gar nicht fassen, dass wir tatsächlich da sind trotz der großen Entfernung. Du hast gelächelt und gesagt: „Ich komme euch bald besuchen.“
Zwischendurch bist Du immer wieder im tiefen Nebel verschwunden, und ich habe jede Deiner Bewegungen beobachtet. Deinen Blick, der ins Leere glitt. Deine Hände, die so vertraut und doch so zerbrechlich wirkten. Ich wollte mir jedes Detail genau einprägen, als könnte ich damit die Zeit anhalten. Es hat Dich sichtlich Kraft gekostet, Dich zu konzentrieren, bei uns zu bleiben, diesen Moment mit uns zu teilen. Beim Abschied habe ich Dich immer wieder fest umarmt und geküsst. Am liebsten hätte ich Dich überhaupt nicht losgelassen – weil ich nicht wusste, ob es vielleicht das letzte Mal ist.
Seit Samstag hat sich Dein Zustand rapide verschlechtert. Du isst und trinkst kaum noch, selbst die Tabletten bleiben nicht in Dir. Dein Körper ist voller Wasser, und Du bist so verändert. Abwesend. Du möchtest nicht mehr aufstehen. Alle machen sich große Sorgen – auch die Pflegekräfte. Am Telefon hat meine Mutter heute geweint. Sie sucht noch nach Erklärungen, nach einem Schuldigen, klammert sich an die Hoffnung, dass es doch noch besser werden könnte. Aber sie hat auch das ausgesprochen, was ich schon länger denke, aber nicht wahrhaben wollte: Dein Körper hat wahrscheinlich keine Kraft mehr.
Du bist müde. Ich sehe es. Wir alle sehen es. Und es bricht mir das Herz. Aber vielleicht ist es jetzt Zeit, loszulassen – auch wenn es noch so weh tut. Du hast so viel gegeben, so viel geliebt. Du bist so wichtig für uns. Und das wirst Du immer bleiben.
Samstag, Januar 19, 2019
schmerz.
Sonntag, April 08, 2018
Freitag, November 03, 2017
ende.
Er ist gegangen. Offenbar schon vor längerer Zeit. Was bleibt?
Freitag, Juni 06, 2014
schorf.
Mittwoch, Februar 19, 2014
Montag, Januar 27, 2014
club.der.toten.väter.
Dienstag, Oktober 22, 2013
er.heiratet.
Jedenfalls war das erst ein Schlag in den Magen und ich wollte auf der Stelle vor ihm heiraten. Dann habe ich den Fehler bei mir gesucht. Vielleicht bin ich einfach keine Frau, die man(n) freiwillig heiraten möchte? Eine Freundin meinte, ich sei auch Schuld daran, dass es regnet;) Nach zwei Tagen stellte ich fest, dass es mir völlig "Wurst" ist, was er tut und ich alles wieder so machen würde. Ich wünsche den beiden viel Glück. Jawohl. Sie werden es brauchen.
