Reicht jetzt. Heute ist der letzte Tag im Oktober. Ich finde, das ist eine ausgesprochen gute Nachricht. Nicht, dass der Monat schlecht gewesen wäre. Im Gegenteil. Ich war in Lissabon. In Wien. Habe gearbeitet, Urlaub gemacht, Menschen getroffen, Koffer gepackt, ausgepackt und mich ungefähr zwölfmal gefragt, warum ich eigentlich so viele Dinge gleichzeitig mache. Die Antwort ist einfach. Weil ich es kann. Leider.
Ich habe diesen Monat wieder einiges über Menschen gelernt. Beispielsweise, dass Kommunikation offenbar weiterhin als freiwillige Zusatzleistung betrachtet wird. Und dass manche Menschen Probleme lösen, indem sie möglichst ausführlich erklären, warum sie selbst keines haben. Interessantes Konzept. Ich habe diskutiert. Mich geärgert. Sehr viel gelacht. Manchmal Tränen. Und manchmal alles innerhalb von zehn Minuten. Ich habe Dinge ausgesprochen, die andere vermutlich lieber nicht gehört hätten. Und andere Dinge für mich behalten. Letzteres möchte ich ausdrücklich als persönliche Weiterentwicklung gewertet wissen.
Es gab auch Momente, in denen ich dachte, ich müsste vielleicht etwas gelassener werden. Habe den Gedanken dann aber verworfen. Ich habe schließlich Gefühle. Und Meinungen. Vor allem Meinungen. Die kommen bei mir gelegentlich schneller als die Gefühle. Dafür sind sie meistens hervorragend formuliert. Manchmal sogar rechtzeitig. Ich habe mich diesen Monat auch daran erinnert, dass nicht jede Stille ein Problem ist. Dass man nicht alles sofort besprechen, klären oder organisieren muss. Eine Erkenntnis, die ich theoretisch sehr überzeugend finde. An der praktischen Umsetzung arbeite ich noch.
Und dann gab es natürlich die schönen Dinge. Gute Gespräche. Spontanes Lachen. Vertrautheit. Abende, an denen ich nichts mehr musste. Und Menschen, mit denen selbst Nichtstun erstaunlich gut funktioniert. Davon hätte ich gern mehr. Ansonsten war ich müde. Glücklich. Genervt. Ungeduldig. Gelegentlich ausgesprochen zufrieden mit mir selbst. Und manchmal alles gleichzeitig. Das muss man auch erst einmal hinbekommen. Zwischen Arbeit, Familie, Alltag und dem Versuch, gelegentlich acht Stunden zu schlafen, blieb erstaunlich wenig Zeit für gepflegte Langeweile. Dabei wäre ich darin vermutlich richtig hervorragend.
Heute ist Halloween. Ich könnte mich als entspannte, geduldige und vollkommen unkomplizierte Frau verkleiden. Eine, die nicht alles hinterfragt, nicht widerspricht, zu allem freundlich nickt und gelegentlich einfach mal die Klappe hält. Aber wir wollen es mit der Fantasie nicht übertreiben. Ich bleibe einfach Team "sexy Unterwäsche" - ist deutlich authentischer. Lieber Oktober, es war nett mit Dir.
November, Du bist dran. Ich hätte gern etwas weniger durchgetaktetes Programm, etwas mehr Schlaf und möglichst wenige Menschen, die meine Fähigkeit zur Selbstbeherrschung als persönliche Herausforderung verstehen. Ich möchte schließlich auch im nächsten Monat noch als gesellschaftsfähig durchgehen. Zumindest überwiegend. Noch vier Wochen Zeit für Adventskalender! Boah, auf die Zeit freue ich mich so richtig.