Sonntag, November 08, 2026

wetter.

Heute Morgen auf dem Weg unter die Dusche erstmal überall Kerzen angezündet. Ich liebe diese gemütliche Jahreszeit. Düsseldorf sieht aus, als hätte jemand bei der Farbgestaltung versehentlich sämtliche Sättigungsregler auf null gezogen. Es ist grau. Es ist diesig. Die Bäume sind inzwischen ziemlich nackt und ich habe heute um 10.00 Uhr das Licht eingeschaltet. Andererseits kann man sich nun völlig unbehelligt schon am frühen Nachmittag unter eine Decke legen und behaupten, es sei schließlich fast Winter. Ich sehe da durchaus Vorteile. Vor allem, wenn man ohnehin nichts mehr vorhat. Oder so tut. Ich genieße genau das. 

Samstag, November 07, 2026

finanzkompetenz.

Ich habe dieses Wochenende eventuell wirtschaftlich etwas die Kontrolle verloren. Gestern 300 Euro für schönstes Schreibmaterial ausgegeben. Heute knapp 580Euro für eine neue Brille fürs Kind. Aber hey, die Krankenkasse übernimmt vermutlich 37 Euro in Summe für die Gläser. Ich lache sehr laut. Und weil ich offenbar beschlossen habe, meinen finanziellen Ruin mit einer gewissen Eleganz zu begehen, noch drei hübsche Strumpfhosen für 75 Euro. Für mich. Man gönnt sich ja sonst nichts. Die 180 Euro für Skisocken und Thermounterwäsche aus Merinowolle in den letzten Tagen für die Skifreizeit Anfang 2027 ignorieren wir an dieser Stelle großzügig. Schließlich handelt es sich dabei um eine langfristige Investition in die Zukunft. Und ein warmes Kind. Den Rest der Ski-Klamotten können wir glücklicherweise von Freunden ausleihen. Man sieht, ich kann durchaus wirtschaftlich denken.

Alles Dinge, mit denen man weder fahren noch wohnen noch besonders lange satt werden kann. Aber immerhin kann das Kind jetzt gestochen scharf sehen, ich kann unsere Verarmung auf hochwertigem Briefpapier dokumentieren und dabei hervorragend bestrumpft aussehen. Ich finde, das hat Stil. Für den Rest des Monats gibt es einfach Nudeln mit Ketchup. Sonntags vielleicht Toast mit Marmelade. Allerdings nur, wenn die wirtschaftliche Gesamtlage es zulässt. Man muss sich schließlich auch in schwierigen Zeiten einen gewissen Luxus bewahren. Ich nenne das antizyklischen Konsum. Meine Bank nennt es vermutlich eher finanzielle Unzurechnungsfähigkeit. Aber die hat auch keine Ahnung von schönen Füllfederhaltern. Und falls jemand fragt, ob ich das alles wirklich gebraucht habe. Wir führen hier keine Bedürftigkeitsprüfung durch.

samstagsprogramm.

Aufgehübscht. Kurzes grünes Strickkleid, Haare gemacht, ein bisschen Farbe ins Gesicht. Ich gehe mit dem Teenager in die Stadt. Wir brauchen eine neue Brille. Außerdem wollen wir in die Buchhandlung und ein paar Dinge einkaufen. Ein vollkommen unspektakulärer Samstag also. Ich mag das. Besonders die Brillensuche dürfte sehr unterhaltsam werden. Schließlich muss ein Gestell gefunden werden, das gefällt, zur Gesichtsform passt und vor allem nicht den Eindruck erweckt, die eigene Mutter hätte es ausgesucht. Eine anspruchsvolle Aufgabe. In Buchhandlungen sind wir uns glücklicherweise einig. Man kann nie zu viele Bücher haben. Höchstens zu wenig Platz. Und beim Einkaufen werden wir vermutlich wieder Dinge entdecken, von deren dringender Notwendigkeit wir bis vor fünf Minuten noch nichts wussten. Ich freue mich auf solche Tage. Keine großen Ereignisse. Kein durchgetaktetes Programm. Einfach gemeinsam durch die Stadt ziehen, Unsinn reden, Dinge anprobieren und vielleicht zwischendurch irgendwo etwas trinken. Ich finde ohnehin, dass wir viel zu häufig glauben, ein Wochenende müsse besonders aufregend sein, um als gelungen durchzugehen. Dabei reicht es manchmal völlig, sich hübsch zu machen, mit dem kleinen Lieblingsmenschen loszuziehen und den Tag einfach passieren zu lassen.

Freitag, November 06, 2026

durchblick.

Die Untermieterin braucht eine Brille. War nur eine Frage der Zeit. 15 Jahre lang habe ich versucht, ihr den richtigen Durchblick fürs Leben mitzugeben. Jetzt stellt sich heraus, dass es schon an der Schultafel scheitert. Immerhin ist die Fehlsichtigkeit überschaubar. Die Begeisterung über die Aussicht auf eine erste Brille dagegen erstaunlich groß. Sie wollte schließlich schon immer eine haben.

Wir waren bereits beim Optiker. Es wurden Gestelle aufgesetzt, begutachtet und wieder verworfen. Ich durfte beratend tätig werden. Meine Meinung wurde zur Kenntnis genommen. Nicht zwingend berücksichtigt. Drei Gestelle haben es immerhin in die engere Auswahl geschafft. Eine davon ist rot gemustert. Mir gefällt ihr Geschmack. Am liebsten hätte sie eine so große Brille wie meine. Eine markante Statement-Herrenbrille. Leider sieht sie damit noch aus wie Puck, die Stubenfliege. Sie bedauert das ein bisschen. Morgen möchte sie noch bei zwei weiteren Optikern vorbeischauen, die moderner sind. Die Termine sind bereits gemacht. Ich sehe schon, wohin das führt. Demnächst sitzen hier zwei Brillenträgerinnen, die sich gegenseitig erklären, wo die jeweils andere ihre Brille hingelegt hat.

Immerhin sehen wir dann beide, wenn die Wohnung unaufgeräumt ist. Ob das ein Fortschritt ist, wird sich zeigen.

Donnerstag, November 05, 2026

krank.

Ich bin krank. Wobei ich das zunächst großzügig ignoriert habe. Ein bisschen Husten, ein bisschen Schnupfen, ein Kopf, der sich anfühlt, als hätte jemand Bauschaum hineingesprüht. Nichts, womit man nicht arbeiten könnte. Dachte ich. Ich gehöre zu den Menschen, die bei den ersten Krankheitssymptomen zunächst ihre To-do-Liste überprüfen. Vielleicht lässt sich das Ganze ja organisatorisch lösen. Ein paar Termine verschieben. Mehr Tee trinken. Früher ins Bett gehen. Und ansonsten weitermachen. Schließlich wird die Arbeit nicht weniger, nur weil mein Immunsystem beschlossen hat, spontan in den Arbeitskampf zu treten.

Heute saß ich also wieder in einem Call. Mit Menschen, Themen, Entscheidungen und der festen Absicht, einigermaßen kompetent zu wirken. Das funktioniert erstaunlich lange, selbst wenn man sich innerlich bereits wie ein überfahrener Waschlappen fühlt. Man nickt. Stellt Fragen. Sagt Dinge wie „Das müssen wir noch einmal sauber durchdenken“. Und hofft, dass niemand bemerkt, dass das eigene Gehirn längst im Energiesparmodus läuft. Irgendwann habe ich mich allerdings selbst reden hören und festgestellt, dass mein Körper und ich offenbar unterschiedliche Vorstellungen von der weiteren Tagesgestaltung hatten. Ich wollte noch drei Dinge klären.

Mein Körper wollte auf die Couch. Mein Körper gewann. Ich habe also mitten im Call die Reißleine gezogen, mich verabschiedet und mich auf die Couch zurückgezogen. Ein bemerkenswerter Vorgang. Ich habe freiwillig aufgehört zu arbeiten. Ohne dass mich jemand dazu zwingen musste. Es gab keine dramatische Szene. Niemand musste mich aus dem Büro tragen. Die Welt hat auch nicht aufgehört, sich zu drehen. Zumindest habe ich davon bislang nichts mitbekommen. Und trotzdem fällt mir so etwas erstaunlich schwer.

Anderen Menschen erkläre ich regelmäßig, dass sie sich auskurieren sollen. Dass Gesundheit vorgeht. Dass niemand etwas davon hat, wenn man sich krank durch den Arbeitstag schleppt. Bei mir selbst gelten Sonderregelungen. Ich habe schließlich Verantwortung. Termine. Menschen, die etwas von mir brauchen. Und ein ausgesprochen schlechtes Gewissen, sobald ich tagsüber unter einer Decke liege. Dabei ist Kranksein weder eine charakterliche Schwäche noch ein organisatorisches Versagen. Es ist schlicht ziemlich lästig. Vor allem, weil man es nicht mit einer vernünftigen Excel-Tabelle beheben kann.

Ich liege jetzt also auf der Couch. Mit Tee, Taschentüchern und dem festen Vorsatz, heute nichts mehr zu erledigen. Das Handy liegt selbstverständlich neben mir. Ich bin schließlich krank. Nicht tot.

Mittwoch, November 04, 2026

personalentwicklung.

Was passiert, wenn man einen Teenager großzieht, der plötzlich selbst argumentieren kann? Ich habe fünfzehn Jahre damit verbracht, diesem Kind eigenständiges Denken beizubringen. Jetzt diskutiert es mit mir. Mit meinen Argumenten. Gegen mich. Ich hätte das Konzept vorher gründlicher prüfen sollen.

Montag, November 02, 2026

zuständigkeit.

Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe zu oft etwas zu schnell, ordentlich und ohne Beschwerden erledigt. Seitdem bin ich offenbar für alles zuständig, was andere nicht können, nicht wollen oder beeindruckend lange ignorieren.

Sonntag, November 01, 2026

regeneration.

Ich habe heute nichts vor. Ein Satz, den ich ausgesprochen gern sage. Und anschließend meistens doch ungefähr drei Stunden lang Dinge erledige, die ich seit Dienstag erfolgreich ignoriert habe. Ich muss u.a. gleich erstmal einmal fix in die Firma. Fragt nicht! Danach zaubere ich Königsberger Klopse. 

papierwände.

Die Untermieterin gestern beim Frühstück mit einer ausführlichen Belehrung über Rücksichtnahme, Zimmerlautstärke und die baulichen Besonderheiten unserer Wohnung.

Ich musste erst mal mein Wasser abstellen. Dann haben wir sehr gelacht. Und selbstverständlich ausführlich darüber diskutiert, was man auf gar keinen Fall tun sollte. Und wo. Und wie laut. Ich finde es ja grundsätzlich schön, dass mein Kind so offen mit mir spricht. Hätte allerdings nicht gedacht, dass ich mit 45 noch mal eine Einweisung in rücksichtsvolles Verhalten bekomme, wenn wir Gäste haben. Von meiner 15-jährigen Tochter. Beim Frühstück.

Ich habe mir die Hinweise jedenfalls zu Herzen genommen. Man ist schließlich lernfähig. Die beiden quatschen und kichern übrigens immer noch nebenan. Ich liebs. Aber gut. Die Nachtruhe gilt auch nur für Erwachsene.

Samstag, Oktober 31, 2026

oktober.

Reicht jetzt. Heute ist der letzte Tag im Oktober. Ich finde, das ist eine ausgesprochen gute Nachricht. Nicht, dass der Monat schlecht gewesen wäre. Im Gegenteil. Ich war in Lissabon. In Wien. Habe gearbeitet, Urlaub gemacht, Menschen getroffen, Koffer gepackt, ausgepackt und mich ungefähr zwölfmal gefragt, warum ich eigentlich so viele Dinge gleichzeitig mache. Die Antwort ist einfach. Weil ich es kann. Leider.

Ich habe diesen Monat wieder einiges über Menschen gelernt. Beispielsweise, dass Kommunikation offenbar weiterhin als freiwillige Zusatzleistung betrachtet wird. Und dass manche Menschen Probleme lösen, indem sie möglichst ausführlich erklären, warum sie selbst keines haben. Interessantes Konzept. Ich habe diskutiert. Mich geärgert. Sehr viel gelacht. Manchmal Tränen. Und manchmal alles innerhalb von zehn Minuten. Ich habe Dinge ausgesprochen, die andere vermutlich lieber nicht gehört hätten. Und andere Dinge für mich behalten. Letzteres möchte ich ausdrücklich als persönliche Weiterentwicklung gewertet wissen.

Es gab auch Momente, in denen ich dachte, ich müsste vielleicht etwas gelassener werden. Habe den Gedanken dann aber verworfen. Ich habe schließlich Gefühle. Und Meinungen. Vor allem Meinungen. Die kommen bei mir gelegentlich schneller als die Gefühle. Dafür sind sie meistens hervorragend formuliert. Manchmal sogar rechtzeitig. Ich habe mich diesen Monat auch daran erinnert, dass nicht jede Stille ein Problem ist. Dass man nicht alles sofort besprechen, klären oder organisieren muss. Eine Erkenntnis, die ich theoretisch sehr überzeugend finde. An der praktischen Umsetzung arbeite ich noch.

Und dann gab es natürlich die schönen Dinge. Gute Gespräche. Spontanes Lachen. Vertrautheit. Abende, an denen ich nichts mehr musste. Und Menschen, mit denen selbst Nichtstun erstaunlich gut funktioniert. Davon hätte ich gern mehr. Ansonsten war ich müde. Glücklich. Genervt. Ungeduldig. Gelegentlich ausgesprochen zufrieden mit mir selbst. Und manchmal alles gleichzeitig. Das muss man auch erst einmal hinbekommen. Zwischen Arbeit, Familie, Alltag und dem Versuch, gelegentlich acht Stunden zu schlafen, blieb erstaunlich wenig Zeit für gepflegte Langeweile. Dabei wäre ich darin vermutlich richtig hervorragend.

Heute ist Halloween. Ich könnte mich als entspannte, geduldige und vollkommen unkomplizierte Frau verkleiden. Eine, die nicht alles hinterfragt, nicht widerspricht, zu allem freundlich nickt und gelegentlich einfach mal die Klappe hält. Aber wir wollen es mit der Fantasie nicht übertreiben. Ich bleibe einfach Team "sexy Unterwäsche" - ist deutlich authentischer. Lieber Oktober, es war nett mit Dir.

November, Du bist dran. Ich hätte gern etwas weniger durchgetaktetes Programm, etwas mehr Schlaf und möglichst wenige Menschen, die meine Fähigkeit zur Selbstbeherrschung als persönliche Herausforderung verstehen. Ich möchte schließlich auch im nächsten Monat noch als gesellschaftsfähig durchgehen. Zumindest überwiegend. Noch vier Wochen Zeit für Adventskalender! Boah, auf die Zeit freue ich mich so richtig.

Donnerstag, Oktober 29, 2026

messerscharf.

Ich bin wahnsinnig schlagfertig. Schon immer. Leider in Ausnahmefällen mit einer Bearbeitungszeit von bis zu 48 Stunden. Über all die schlagfertigen Antworten, die einem zuverlässig erst einfallen, wenn das Gespräch längst vorbei ist. Im Auto. Unter der Dusche oder zwei Tage später beim Gemüseputzen. Messerscharf. Intelligent. Ein bisschen böse. Genau die richtige Mischung aus Humor und gepflegter Unverschämtheit. Ich halte dann innerlich stehende Ovationen für mich selbst ab.

Mittwoch, Oktober 28, 2026

abwehr.

Irgendwo auf der Rückreise habe ich gestern offenbar im Durchzug gesessen. Mich hat's über Nacht etwas umgekachelt. Ich könnte jetzt problemlos eine 0190er-Nummer betreiben und hocherotischen Telefonsex verkaufen. Zumindest stimmlich wären die Voraussetzungen gegeben. Ich habe beschlossen, nicht krank zu werden. Das ist keine Hoffnung, sondern eine Entscheidung. Mein Körper wurde darüber informiert. Nach Wochen zwischen Arbeit, Flughäfen, Hotels und einer eher symbolischen Anzahl erholsamer Nächte scheint mein Immunsystem ernsthaft über eine Kündigung nachzudenken. Nicht mit mir.

Also habe ich frische Zitronen und Orangen ausgepresst, Ingwer gekocht und das Ganze mit Honig zu einem Getränk verarbeitet, mit dem man vermutlich auch einen mittelgroßen Abfluss freibekäme. Drei Liter habe ich inzwischen getrunken. DREI. Meine Nieren haben bereits eine Betriebsversammlung einberufen. Natürlich beschränkt sich mein Gesundheitsmanagement nicht auf Getränke. Ich habe auch die übrigen Maßnahmen berücksichtigt. Vitamine. Frische Luft. Gesundes Essen. Schlaf. Bewegung. Entspannung. Sex. Vor allem Sex. Der Liebste muss schließlich auch seinen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge leisten. Ich kann hier nicht allein die gesamte Immunabwehr organisieren. Küssen zur Stressreduktion. Umarmungen fürs Nervensystem. Körperliche Betätigung zur Förderung der Durchblutung. Und alles Weitere selbstverständlich vorwiegend aus medizinischen Gründen.

Ich überlege, ob ich dafür einen Behandlungsplan aufstelle. Dreimal täglich Zuneigung, bei Bedarf häufiger. Nebenwirkungen ausdrücklich erwünscht. Ansonsten habe ich heute Morgen beschlossen, Stress konsequent zu vermeiden. Das funktioniert hervorragend, solange ich weder meine E-Mails öffne noch mit anderen Menschen kommuniziere. Ruhe wäre natürlich ebenfalls sinnvoll. Mein Gehirn hat allerdings noch keinen passenden Termin dafür gefunden. Ich bin jedenfalls bestens vorbereitet. Mein Körper wurde mit Vitaminen versorgt, mein Immunsystem zur Mitarbeit aufgefordert und der Liebste vorsorglich in die Therapie eingebunden.

Ich würde sagen, das könnte glatt funktionieren. Drückt mir die Daumen! Und falls nicht, habe ich immerhin noch eine berufliche Alternative mit der 0190er-Nummer.