Gestern hatte ich den besten Abend. Mein Geburtstags-Sit-in mit den Mädels. Nur der engste Kreis. Menschen, die ich inzwischen seit acht, zehn, teilweise zwölf Jahren kenne. Vor fünfzehn Jahren bin ich in diese Stadt gezogen. Damals kannte ich hier niemanden. Außer den Ex. Und heute sitze ich in einem Raum voller Frauen, mit denen ich inzwischen halbe Leben geteilt habe. Es ist schon verrückt, wie sich so etwas entwickelt. Erst kennt man sich lose. Dann kennt man irgendwann die Geschichten. Die Familien. Die Muster. Die Katastrophen. Die Männer. Die noch schlechteren Entscheidungen. Und irgendwann kennt man sich so gut, dass ein Blick reicht und niemand mehr so tun muss, als wäre alles in Ordnung.
Wir sind miteinander durch einige ziemlich tiefe Täler gelaufen und durch viele schöne Momente. Sie mit mir durch meine, auch in Zeiten, in denen ich mich selbst kaum wiedererkannte. Ich mit ihnen durch ihre. Nicht immer elegant, aber zuverlässig. Gestern habe ich Karten bekommen, so schön und wertschätzend, dass ich kurz nicht wusste, wohin mit mir. Es war wirklich rührend. Darin stand noch einmal schwarz auf weiß, welchen Platz ich in ihrem Leben habe. Ich bin die Freundin, die man anrufen kann. Und ich komme. Ohne große Fragen. Mit einer Schaufel, Taschentüchern, einer Flasche Rum und Limetten. Je nachdem, was die Lage erfordert.
Und ich weiß, dass es auf Gegenseitigkeit beruht. Da wird schon mal alles stehen und liegen gelassen, und fünfzehn Minuten später steht jemand vor meiner Tür, trocknet Tränen, kocht Tee, läuft mit mir Kilometer durch den Wald oder übernimmt vorübergehend die Erwachsenenaufsicht. Damals bei der Trennung war das eine richtig üble Zeit. Aber sie waren an meiner Seite. Auch wenn ich das meiste trotzdem mit mir selbst ausgemacht habe. Mein persönlicher Lernbereich ist weniger das Geben. Das kann ich richtig gut - ich gebe gern, wenn ich jemanden in unser Leben lasse. Mein Lernbereich ist das Annehmen. Wirklich anzurufen. Zu sagen, ich brauche Dich. Nicht erst dann, wenn ich schon alles allein getragen, dreimal analysiert und vorsichtshalber noch den Müll rausgebracht habe. Das musste ich erst lernen. Und ich übe stetig weiter. Es kostet mich jedesmal Überwindung und ist ein Kampf mit mir selbst, aber ich werde allmählich besser.
Aber gestern saß ich da, zwischen diesen Frauen, diesen Geschichten und diesen völlig übertrieben schönen Karten, und dachte: "Fuck. So sieht echter Reichtum aus. Die lieben mich. Ich bin ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens." Und es ist einfach schön zu erleben, dass Menschen gern bleiben.