Montag, Februar 09, 2026

brandherd.

Heute war Daueralarm. Überall Rauch, rote Lichter und große Brandherde. Ich hatte bereits kurz vor 10.00Uhr richtig Puls. Und dann habe ich nur noch reagiert. Ich bin gerannt, habe gelöscht, entschieden, gehalten. Feuerwehrmodus galore. An allen Ecken und Enden. So ein Tag, der nicht fragt, ob noch Kraft da ist, sondern sie einfach nimmt. Es kostet mich gerade so viel. Mehr, als ich nach außen zeige. Ich merke es daran, wie der Körper langsamer wird, obwohl der Kopf funktioniert. Wie alles ein bisschen schwerer greift. Wie selbst Routine plötzlich Aufmerksamkeit braucht.

Feuerwehr spielen kann ich, habe ich immer getan. Da bin ich richtig gut drin. Ich hätte Unterhändlerin werden sollen. Aber mental gehalten sein, während es brennt, ist etwas anderes. Das ist tatsächlich neu für mich. Keine Lösungen, keine Analysen. Nur Stimme. Nur Zuhören. Nur Verbindung. Das hat etwas geordnet. Mich ruhiger gemacht, als ich kurz über Auftragsmord nachgedacht habe. Mir Kraft gegeben. Es ist seltsam, wie wenig es manchmal braucht. Kein großes Auffangen. Kein Drama. Nur das Wissen, dass da jemand ist, auch wenn er gerade woanders ist. Das verändert den Tag. Nicht komplett. Aber genug.

Heute war wirklich kein schöner Tag. Kein leichter. Aber einer, den ich trotz allem gerockt habe. Mit etwas mentaler Hilfe. Und vielleicht ist das gerade das Entscheidende. Nicht immer alles allein löschen zu müssen. Auch dann nicht, wenn man richtig gut darin ist.

momentaufnahme.

Ein Arm, der hält. Präsenz, die nichts verlangt. Kein Weitergehen, kein Durchhalten. Nicht den Schmerz nehmen wollen, sondern ihn auszuhalten, ohne wegzusehen. Nicht zu retten, sondern einfach zu bleiben und auszuhalten. Nicht allein sein, während es weh tut.Vielleicht ist das Liebe in ihrer schlichtesten Form.

Sonntag, Februar 08, 2026

beziehungstest.

Date-Ideen. Man kann viel über Beziehungen reden. Kommunikation. Vertrauen. Nähe. Oder man geht einfach zu IKEA. An einem Samstag. Meine persönliche Hölle. Du triffst Menschen, denen Du sonst gern aus dem Weg gehst und das Schlimmste, sie treten in größeren Gruppen auf. Beziehungstest vom Feinsten. Mit ein bisschen autogenem Training und dem Festhalten am Einkaufswagen ging es, während der Mann seine Liste entspannt abgearbeitet hat. Der Endgegner war die Selbstbedienungskasse, aber ich würde sagen, haben wir richtig, richtig gut gemeistert. Ich finds immer wieder spannend, wie wir nach wie vor noch übereinander lernen. Er hat jetzt auf jeden Fall das allerschönste Geschirr. Und die Panierstraße haben wir gestern sofort eingeweiht mit Münchener Schnitzel.

Beziehungstest sowas von bestanden. Und er hat schon direkt verkündet, dass das Weihnachtsmenü dieses Jahr ihm gehört. Ich liebe alles daran. 

Freitag, Februar 06, 2026

schutzschicht.

Der Tag danach fühlt sich wild an. Ungezähmt. Ich habe kaum geschlafen. Mehr Wachsein als Ruhe. Der Körper war die ganze Zeit gespannt, aufmerksam, ohne Abschalten. Heute ist alles näher. Geräusche, Bewegungen, Haut. Die Schutzschicht fehlt. Berührung kommt nicht an wie Nähe, sondern wie Eindringen. Nicht falsch. Nur zu viel. Zu früh. Der Körper weicht zurück, schneller als jeder Gedanke. Es ist roh. Offen. Spannung sitzt unter der Haut, zwischen den Atemzügen. Nichts ist eskaliert und doch ist alles empfindlich. Der Körper trägt noch, was gestern aufgebrochen wurde. Ohne Sprache. Es ist ein Nachschwingen. Ein Zustand ohne Ordnung. Ich erkläre nichts. Ich halte nichts aus. Ich lasse. Der Körper weiß, dass alles in Bewegung ist. Ich tue etwas, was neu ist - ich gebe mir Raum. Ich lächle nicht weg. Ich funktioniere nicht. 

Donnerstag, Februar 05, 2026

echo.

Heute hat etwas die Haut verloren. Spürbar. Enge im Brustraum. Ziehen unter der Haut. Muskeln auf Bereitschaft, der Atem bleibt hängen. Die Bilder kommen nicht als Geschichte. Eher als Echo. Als Abdruck im Gewebe. Hände kalt. Kiefer fest. Becken still, als müsste es sich unsichtbar machen. Der Körper erinnert sich anders als der Verstand. Ohne Sprache. Ohne Zeit. Die Kontrolle wird dünner.

Phase II ist kein Fortschritt. Es ist ein Abtragen. Schicht für Schicht. Bis etwas frei liegt, das ich nie wieder fühlen wollte. Da ist Druck. So viel Schmerz und Bewusstsein. Gewicht. Ich halte mich nicht fest. Ich halte aus. Das ist ein Unterschied. Ich bin wund. Und roh. Nicht verletzt, sondern offen. Und vielleicht ist genau das der Übergang. Nicht wieder härter werden. Nicht erklären. Sondern geradewegs hindurch. Ich merke, wie alt die Muster sind. Wie sehr mein Nervensystem gelernt hat, still zu sein, immer stark zu sein, durch- und auszuhalten. Und wie erschöpfend das war. Heute war kein guter Tag.

schwelle.

Wenn es Dich innerlich fast zerreißt und dieses ein- und ausatmen kurzzeitig nicht mehr hilft. Ich habe einen zweiten sicheren Ort für mich konserviert.

Mittwoch, Februar 04, 2026

verschiebung.

Es wird sich etwas verändern. Nicht unbedingt sichtbar. Aber spürbar. Es kommt Bewegung in Dinge, die lange ruhig lagen. Vertrautes wird kurz an Kontur verlieren. Gewissheiten wackeln. Die innere Ordnung sich neu sortieren. Es wird mich wacher machen. Empfindlicher vielleicht. Durchlässiger an Stellen, die ich lange stabil gehalten habe. Nicht schwach, aber offener. Weniger gepanzert. Ich weiß, dass es mich durcheinanderbringen wird. Dass Klarheit nicht sofort folgt. Dass Sicherheit nicht automatisch da ist, nur weil man losgeht.

Da ist so großer Respekt vor der Wirkung. Und eine Scheiß-Angst vor dem, was sie auslöst. Nicht panisch, nicht laut, eher wie ein tiefer Atem, der stockt. Und gleichzeitig ist da etwas anderes. Das Gefühl, dass Veränderung nicht zerstört, sondern verschiebt. Dass das, was sich bewegt, nicht verloren geht, sondern einen anderen - neuen - Platz sucht. Ich lasse zu, auch wenn ich noch nicht weiß, wie. Auch wenn es mich für einen Moment aus dem Gleichgewicht bringt. Ich bleibe stehen. Und ich lasse es durch mich hindurchgehen. Ich halte das aus. Und es wird jemand meine Hand halten. 

Dienstag, Februar 03, 2026

wege.

Ich stehe da, schaue auf den letzten Februar und staune. Wer hätte gedacht, wo wir heute stehen? Entwicklung verläuft selten geradlinig. Manchmal braucht es Abstand, um Nähe wieder möglich zu machen. Manchmal braucht es Geduld und Zeit, um wirklich zuzuhören. Sich selbst und dem anderen. Ein Jahr später ist vieles klarer. Ruhiger. Verlässlicher. Nicht, weil alles reibungslos war, sondern weil man bereit war, Dinge nicht zu übergehen, sondern auszuhalten, einzuordnen und Verantwortung für das Eigene zu übernehmen. Rückblickend lässt sich manches besser verstehen. Und manchmal bleibt einfach das Staunen darüber, wie viel sich in einem Jahr verändern kann und wie viel Weg man gegangen ist. Es fühlt sich so gut an, hier zu stehen. Und es fühlt sich richtig an, weiterzugehen.

Donnerstag, Januar 29, 2026

dramaturgie.

Der Tod hat kein Interesse an Dramaturgie. Er kommt nicht, wenn man bereit ist, sondern wenn der Kaffee noch warm ist, die Schuhe im Flur stehen und man gerade glaubt, das Leben sei dabei, sich zu sortieren. 2009 ist kein Jahr, es ist ein Riss. Man kann ihn in Tage zerlegen, in Monate, in lächerlich genaue Zahlen, man kann ausrechnen, wie viele Minuten vergangen sind, seit jemand aufgehört hat zu atmen. Aber Zeit funktioniert nach dem Tod nicht mehr linear. Sie wird zäh, unzuverlässig, zieht sich zusammen wie Haut unter Kälte. Man lebt weiter. Alles andere wäre organisatorisch kompliziert. Man steht auf, zahlt Rechnungen, lernt neue Namen, lacht an den falschen Stellen und wird erstaunlich gut darin, nicht zu erklären, warum bestimmte Sätze plötzlich zu viel sind. Man wird funktional. Belastbar. Resilient. Dieses Wort, das klingt wie ein Kompliment, aber oft nur bedeutet, dass man überhaupt keine Wahl hatte.

Der Tod nimmt keine Menschen, er nimmt Zukünfte. Er nimmt das „wir werden noch“, das „später“, das „irgendwann“. Er lässt einen zurück mit einer Gegenwart, die zu groß ist für zwei Hände. Ja, die Zeit hilft, sagen sie. Aber nicht so, wie man es sich wünscht. Sie heilt nicht, sie stumpft ab. Sie poliert die Kanten, bis der Schmerz nicht mehr schreit, sondern sitzt. Still. Geduldig. Wie ein Schatten, den man nicht mehr bemerkt, weil man gelernt hat, sich um ihn herum zu bewegen. Manchmal ist er wieder da, unangekündigt. In einem Geruch. In einer bestimmten Art zu lachen. Einem kurzen Moment. Und dann merkt man. Der Tod ist nicht vorbei. Er hat nur die Lautstärke geändert.

Ich habe lange geglaubt, Erinnerung sei ein Ort, zu dem man zurückkehren kann. Ein Raum, den man betritt, wenn man mutig genug ist. Aber Erinnerung ist kein Ort. Sie ist Bewegung. Sie verschiebt sich, verändert Form, Farbe, Gewicht. Irgendwann merkt man, dass man nicht mehr zurückgeht. Man trägt. Nicht vor sich her, nicht wie eine offene Wunde, sondern wie etwas, das Teil der eigenen Statik geworden ist. Vielleicht ist das die einzige Wahrheit, die bleibt. Man wird nicht heil. Man wird tief. Man lernt, mit Abwesenheit und Verlust zu leben. Man lernt, Nähe neu zu definieren, nicht als Ersatz, sondern als bewusste Entscheidung. Zeit macht nichts ungeschehen, aber sie macht Platz. Platz für ein Leben, das anders ist als ursprünglich gedacht. Nicht schlechter. Nicht besser. Nur ehrlicher.

Ich glaube, wenn er mich und mein Leben heute sehen könnte, wäre er verdammt stolz auf mich. Würde mir ein Bier öffnen und genüsslich an einer Zigarette ziehen. Mir anerkennend zuzwinkern und sagen: "Gut gemacht, Kleines." Ja, ich bin immer noch hier und habe nie aufgegeben. 

Mittwoch, Januar 28, 2026

feuertaufe.

Loslassen ist eigentlich kein großer Akt. Es ist kein mutiger Sprung und keine heroische Entscheidung. Es passiert oft ganz unspektakulär. In kleinen Momenten. Nebenbei. Dann, wenn man merkt, dass man etwas nicht mehr festhalten muss, um sicher zu sein. Ich habe lange geglaubt, loslassen hieße, Verantwortung abzugeben. Sich rauszunehmen. Weniger zu fühlen. Weniger zu kümmern. In Wahrheit ist es eher das Gegenteil. Loslassen heißt, da zu bleiben, nur ohne Krampf. Ohne dieses innere Ziehen, das sagt: Ich muss alles im Blick behalten, sonst passiert etwas.

Manchmal ist Loslassen einfach der Moment, in dem man merkt, dass andere Dinge auch ohne einen funktionieren. Dass Menschen Verantwortung übernehmen, nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen und sich bewusst dafür entscheiden. Dass Vertrauen nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. Es fühlt sich noch sehr ungewohnt an. Ein bisschen komisch, leer vielleicht. Und gleichzeitig erstaunlich ruhig. So, als würde man einen schweren Rucksack absetzen, den man so lange getragen hat, dass man vergessen hat, wie schwer er eigentlich ist.

Loslassen ist kein Weggehen. Es ist ein Zurücklehnen. Ein inneres 'Ich lasse das jetzt'. Nicht, weil es egal ist, sondern weil es getragen wird. Weil man nicht mehr alleine ist mit allem. Ich glaube, Loslassen ist kein Ziel. Es ist ein Zustand, der sich einstellt, wenn man merkt. Ich darf. Ich kann. Und es ist gut. Und vielleicht ist das Schönste daran, dass man dabei nichts verliert. Im Gegenteil. Man gewinnt Raum. Vertrauen. Und manchmal sogar ein bisschen Leichtigkeit. Also here we go. Feuertaufe und die Untermieterin freut sich tatsächlich und ist das erste Mal nach 8Jahren völlig entspannt, obwohl ich 2Tage abwesend und unterwegs sein werde. 

Dienstag, Januar 27, 2026

humor.

Der Mann hat mich zum Sonntagsbrunch ausgeführt. Wir hübschen uns auf. Ich ziehe ein sehr enges hochgeschlossenes Kleid an, Stiefeletten. Gucke zufrieden in den Spiegel und überlege, was ich oben drüber ziehe. Der Mann schaut mich an.

Ich denke laut: „Wenn ich dazu jetzt die neue Felljacke anziehe, sehe ich aus wie eine sehr teure Nutte.“ - Der Mann überlegt 3Sekunden und grinst breit: „Zieh die Felljacke an! Dann denken die Leute wenigstens, ich könnte mir das leisten.“

Es wurde der schwarze Mantel - wegen der schwarzen Stiefel.
Ich mag uns zusammen. 

Montag, Januar 26, 2026

86.

86. Alles Liebe, wo auch immer Du jetzt bist, Du verrückte Nudel.
Da kann man morgens schon mal dasitzen und heulen.

Ich habe meine Trauerrede für Dich aufgehoben. Ab und zu lese ich sie noch, obwohl ich jedes Wort längst abgespeichert habe. Verrückt eigentlich, fast ein Jahr ist das jetzt schon. Das hätte Dir gefallen. Wirklich. Es war die schönste Beerdigung. Unperfekt, chaotisch, voller Gefühl. Mit Druckfehlern. Die Streublumen wurden vergessen und mussten in letzter Minute noch besorgt werden. Es wurde unfassbar viel geweint an diesem Tag und mindestens genauso viel gelacht.

Als ich mich an dieses Pult klammerte und die ersten zwei Sätze vorlas, schluchzten plötzlich alle laut. Ich hielt inne und erklärte, dass das so nicht funktionieren würde, weil ich sonst direkt mitweinen müsste. Ganz typisch. Genau so, wie Du es mochtest. Ich sehe Dich noch grinsen. Es war die tollste Rede, die ich Dir zu Ehren hätte halten können. Und gleichzeitig das Schwerste, was ich je getan habe. Ich habe jedes Wort gespürt, jede Pause, jeden Blick in diese Gesichter voller Verlust und Liebe. Und weißt Du was? Ich würde es wieder tun. Jederzeit. Mir hat das geholfen.

Manchmal fühlt sich die Trauer immer noch roh an. Und manchmal ganz weich. Manchmal sitzt sie einfach neben mir und erinnert mich daran, dass Liebe nicht aufhört, nur weil jemand nicht mehr da ist. Sie verändert nur ihre Form. Du fehlst. Und gleichzeitig bist Du überall. Wie gern würde ich Dich anrufen.

Alles Liebe, Du verrückte Nudel.
Wo auch immer Du jetzt bist.