Dienstag, Mai 12, 2026

königsdisziplin.

Es gibt Situationen im Unternehmensalltag, die sofort zeigen, woran moderne Organisationen wirklich hängen. Ein großer Kunde springt ab. Der Drucker streikt im ungünstigsten Moment. Die Kaffeemaschine fällt aus. Und dann die absolute Königsdisziplin. In der kompletten Firma ist das Internet tot. Nicht langsam. Nicht wackelig. Nicht „bei mir lädt Teams gerade nicht“. Sondern: weg. Komplett. Funkstille. Heute. Hier. Keina Ahnung, wo es hakt. Die ersten fahren ins HO. Großartig.

Ein Hoch auf den persönlichen Hotspot! Tief durchatmen. Wusa. 

Montag, Mai 11, 2026

sichtbarkeit.

Ich habe nie verstanden, warum Menschen lügen, um geliebt zu werden. Irgendwann kommt doch sowieso alles ans Licht. Immer. Das liegt in der Natur der Sache. Und dann muss man plötzlich nicht nur die Wahrheit aushalten, sondern zusätzlich noch die Enttäuschung verwalten. Vielleicht ist genau das das eigentlich Zerstörerische daran. Nicht der Fehler. Nicht die Schwäche. Nicht einmal der Verrat. Sondern dieses Gefühl, dass man einer Version eines Menschen vertraut hat, die strategisch gebaut wurde. Kuratiert. Geglättet. Emotional optimiert.

Ich glaube inzwischen, dass viele Menschen weniger Angst davor haben, abgelehnt zu werden, als davor, wirklich gesehen zu werden. Also machen sie sich passend. Polieren Kanten weg. Verschweigen Bedürfnisse. Spielen Klarheit, während innerlich längst Chaos herrscht. Erfinden emotionale Souveränität, weil Verletzlichkeit sich für viele anfühlt wie Kontrollverlust. Und vielleicht berührt mich das so sehr, weil ich mich darin selbst erkenne. Weil es für mich unfassbar schwer ist, mich wirklich zu zeigen. NICHT die funktionierende Version. NICHT die reflektierte. NICHT die starke. Sondern die unperfekte. Die erschöpfte. Die unsichere. Die, die eben nicht immer alles im Griff, einen Masterplan oder sofort Antworten hat. Wirklich gesehen zu werden, ohne sich vorher zu sortieren, fühlt sich für mich nicht romantisch an. Eher gefährlich. Weil Sichtbarkeit immer bedeutet, dass jemand theoretisch auch entscheiden könnte zu gehen. Vielleicht kontrolliert man deshalb so viel. Vielleicht baut man sich deshalb Versionen von sich selbst, die leichter liebbar wirken.

Aber Nähe funktioniert nicht über perfekte Inszenierung. Jedenfalls keine echte. Nähe entsteht dort, wo etwas unfertig bleiben darf. Wo man nicht permanent versucht, die eigene Wahrheit in eine schöne Form zu bringen. Wo jemand das Chaos sieht beziehungsweise sehen darf und trotzdem nicht sofort die Distanz vergrößert. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Tragik. Dass Menschen so sehr geliebt werden wollen, dass sie ausgerechnet das verstecken, was sie überhaupt erst echt macht.

Sonntag, Mai 10, 2026

eins.

Er fragte, ob ich es bereue. Ich muss nicht überlegen. Nein, keine Sekunde. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wo wir landen. Keinen Plan, kein Zielbild, keine Sicherheit. Heute weiß ich, das hier ist besser, als ich es mir vorgestellt habe. Nicht perfekt, aber stimmig. Es hat sich entwickelt. Organisch. Unaufgeregt. Konsequent. Zack, ein Jahr rum. Ein wirklich gutes Jahr. Und jetzt stehe ich da, ein Jahr und einige Tage später und freue mich einfach. So verrückt. Ich liebs. 

Mittwoch, Mai 06, 2026

vermissung.

Und dann bekommst Du morgens Fotos vom Friedhof. Vom frisch bepflanzten Grab. BÄM. Wie gern würde ich Dich einfach anrufen und Deine Stimme hören. Einmal.

Montag, Mai 04, 2026

unruhe.

Schlaflos. Die Unruhe ist einfach da. Tagsüber funktioniert alles. Ich rede, arbeite, lache. Von außen ist nichts zu sehen. Aber darunter läuft etwas mit. Eine Spannung, die nie ganz weggeht. Ein Teil, der immer wach bleibt. Nachts wird es deutlicher. Lauter. Wenn es still wird und nichts mehr ablenkt. Dann reicht manchmal ein Gefühl, etwas ganz Unbestimmtes, und es ist plötzlich wieder da. Nicht als Erinnerung, sondern als Zustand. Mein Körper reagiert, als wäre es jetzt. Ich merke, wie schnell ich wieder in dieses Allein rutsche. Wie ich Dinge bei mir halte, um niemanden zusätzlich zu belasten. Dabei stimmt es ja. Ich bin nicht mehr allein. Und ich merke, wie gut es mir tut, das nicht mehr sein zu müssen. Ich lerne nur noch, es auch wirklich so zu fühlen.

Donnerstag, April 30, 2026

homeoffice.

Komme ich gegen 08.30Uhr ins gemeinsame Homeoffice. Er legt den Kopf schief und grinst: "Verdammt, Du siehst schon wieder so gut aus." und küsst mich. Ich, in schlichter Hose & Strickjacke, mag dieses arbeiten Rücken an Rücken - zwischendurch mal kurz anfassen und küssen. Und ich schaffe sogar richtig was.

Montag, April 27, 2026

verbindung.

Ich habe heute beim Postcrossing einen 7-jährigen Jungen aus Prag gezogen. Er macht das zusammen mit seiner Oma und lernt dabei Englisch. Das ist wirklich zauberhaft. Ich saß einen Moment da und musste einfach lächeln. Da steckt so viel drin. Neugier, Geduld. Zwei Generationen, die sich Zeit füreinander nehmen und diese leise, fast unscheinbare Idee, die Welt ein kleines Stück größer zu machen. Und irgendwo sitzt dieser kleine Junge und wartet auf seine nächste Karte. Und ich darf die schreiben. Ich glaube, genau dafür liebe ich das. Diese kleinen, echten Momente. Ein Stück Papier, das sich auf den Weg macht. Ein paar Worte und dieses stille Wissen, dass da draußen jemand ist, der sich gerade über genau das freut und dessen Tag damit ein kleines bisschen besser wird. 

unbekümmertheit.

Wenn allmählich ins Bewusstsein sickert, dass Du in dieser Nacht geglaubt hast, Du würdest sterben und Dir später manchmal gewünscht hast, es wäre so gewesen. Dann ist das kein Wunsch nach dem Tod. Es war der Moment, in dem jegliche Sicherheit endete und das reine Überleben begann. Nicht Leben. Nicht Vertrauen. Nur Funktionieren. Und Durchhalten. Immer nur weiter. Stets auf der Hut sein. Niemals stehenbleiben oder ankommen. Der ewige Kampf gegen mich selbst. Manchmal vermisse ich die Zeit davor. Diese Unbekümmertheit. Das selbstverständliche Gefühl von Sicherheit. Das war richtig schön. 

Sonntag, April 26, 2026

samstage.

Was für ein fantastischer Tag. Einer von denen, die man nicht planen kann und genau deshalb so gut sind. Eigentlich war alles anders gedacht. Termine, Ideen, Struktur. Und dann hat sich der Tag einfach selbst geschrieben. Pläne wurden kurzfristig über Bord geworfen, wir haben uns spontan treiben lassen und genau darin lag diese besondere Ruhe. Diese Leichtigkeit, die entsteht, wenn nichts muss und alles darf. Mein Visionboard ist endlich fertig geworden. Also fast. Es liegt jetzt da, noch nicht geklebt, noch nicht ganz final. Ich mache das nie sofort. Ich brauche immer noch diese eine Nacht dazwischen. Abstand, ein Gefühl, ob es wirklich passt. Aber ich merke jetzt schon, da ist etwas entstanden, das sich richtig anfühlt. Klar. Ruhig. Stimmig. Ich finds richtig gut.

Und dann dieser unerwartete Moment heute - die Untermieterin hat ihre eigenen Pläne einfach abgesagt. Ganz selbstverständlich. Und plötzlich hatten wir Zeit. Ohne Ablenkung. Ungeteilte Aufmerksamkeit. Nur wir, wie früher. Wir haben stundenlang am großen Tisch gesessen, Kuchen gegessen, geredet. Über alles und nichts. Es war warm, normal, fast selbstverständlich. Die Untermieterin fühlt sich so richtig wohl. Man merkt, wie es sie dorthin zieht. Sie hat bereits zwei Packungen Eis im Tiefkühlschrank gebunkert. Ich weiß, wer den zweiten Löffel gewinnt. Nebenbei lief ein neuer Krimi bei Bookbeat, wir haben geschnitten, sortiert, gedruckt, Papier hin- und hergeschoben wie die Weltmeister, Ideen ausprobiert, wieder verworfen. Dieses kreative Chaos, das sich ganz organisch ordnet. Irgendwo dazwischen dieser kleine, absurde Moment. Die Tischlampe, an der ein BH hängt. Der Teenie schaute mich an, rollte nur die Augen und wir mussten beide lachen. So ein typischer Augenblick. Besser wird's nicht. Ich mag dieses Gefühl von Nähe, von einfach zusammen sein. Kein großes Event, kein „Highlight“ im klassischen Sinne. Sondern ein Tag, der sich still und unaufgeregt richtig gut angefühlt hat. Und manchmal sind genau das die allerbesten Tage, an die wir uns erinnern.

Morgen ist dann Marathon in der Stadt. Wird wieder ein Chaos vor der Haustür, weil die ganze Stadt verkehrstechnisch lahmgelegt ist.

Freitag, April 24, 2026

sturmfrei.

Und Freizeitstress. Ich habe zwei Ziele für die nächsten Tage. Meine Steuererklärung 2024 endlich fertigmachen - ich bin vor Monaten bei 80% hängengeblieben - und mein Visionboard final aufkleben. Ich habs bisher einfach nicht gefühlt, es war einfach zu viel los. Der Mann ist schon ultragespannt und meinte, ich soll schöne Sachen aufkleben. Er steht regelmäßig vor meinen alten Boards und studiert sie aufmerksam. Diesen Zielen gegenüber stehen Kunst, Kultur, ein Ausflug und diverse Freundinnen-Dates. Ausserdem werde ich das ganze Wochenende temporär arbeiten müssen, da wir Sonntag, 14.00Uhr eine Deadline und Abgabe haben - für einen Pitch der Montagvormittag rausgeht. Darüberhinaus bin ich Mutter eines Teenies und wir werden diese Mädelszeit so richtig zelebrieren, haben wir verabredet. Sie sehen die Challenge? Zuviel Freizeit für zu wenig Zeit. Mal schauen wann sie das erste Mal fragt, wann der Mann wiederkommt. Machen Sie's fein!

Donnerstag, April 23, 2026

Girls Day.

Wenn der Teenie an ihrem ersten Girls Day teilnimmt und sich fürs Hacken & Programmieren entschieden hat. Sie hat sich auch für zwei Jahre auf Informatik festgelegt ab dem nächsten Schuljahr. Liebe alles daran, wie sie ihre Komfortzone verlässt und anfängt sich zu orientieren und herauszufinden, was ihr Spaß macht und sie interessiert. Ihre Freundin geht zur Feuerwehr. Ich finds absolut klasse, dass die Mädels das nutzen und wahrnehmen. Bin vielleicht ein bisschen stolz. 

Dienstag, April 21, 2026

argumente.

Nochmal rund 80 Seiten Gerichtsakten konzentriert durchgearbeitet, um final zu prüfen, ob Argumente fehlen und eine letzte Replik erforderlich ist. Was auffällt, es wird extrem viel geschrieben. Wirklich viel. Gleiche Argumente, leicht anders formuliert, nochmal gedreht, nochmal erklärt. Die eigentlichen Punkte sind ziemlich überschaubar. Wer hat was gemacht? Was ist belegt? Was passt nicht zusammen? Was fehlt? Der Rest ist Beiwerk. Mit jeder weiteren Seite wird es nicht unbedingt klarer. Eher im Gegenteil. Am Ende bleibt ein ziemlich einfacher Eindruck. Es kommt nicht darauf an, möglichst viel zu sagen. Sondern das Relevante argumentativ sauber hinzubekommen. Und ich mag unseren Anwalt, wirklich. Gerade nochmal mit ihm gesprochen und wir sind uns einig. Sie dürfen trotzdem die Daumen drücken! Ich bin sehr zuversichtlich - aber ich habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen, wie mein Vater immer so schön sagt.