Samstag, Februar 14, 2026

wettersituation.

Wenn ihr im Duden unter „Vorfreude“ nachguckt, findet ihr ein Foto von mir daneben kleben - mit so einem richtig breitem Grinsen im Gesicht. Ich habe noch nie so gern Koffer gepackt. Endlich Urlaub. Wettervorhersage bis zu Minus 18Grad. Mag ich de facto lieber als schwüle 35Grad im Sommer in der Großstadt. Ich habe 5 Kleider dabei, falls es doch nicht sooo schlimm wird. Diesmal habe ich zumindest Ladekabel für meine Devices im Gepäck. Morgen Abend habe ich dann ein Date. 

Freitag, Februar 13, 2026

ordnung.

Der erste Urlaub ohne die Untermieterin steht an - nach acht Jahren. Ich weiß noch, wie wir hier damals eingezogen sind. Drei Wochen später bin ich ein einziges Mal ohne Kind weggeflogen. Roadtrip durch die UK für 8Tage. Mein Vater hat das Kind gehütet. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt mit vielen Tränen, beim Kind. Sie haben das großartig gemacht. Als ich zurückkam, warteten im Tiefkühlschrank sehr viele Dosen mit eingefrorenen vorgekochten Gerichten. Und ein kleines Mädchen, das mir sehr klar erklärte, dass sie sich zukünftig an mich kleben und mir überallhin folgen wird. Verrückterweise sagt sie das bis heute. 

Und irgendwie war das auch so. Es war nie wieder ein Thema. Sie ist der beste Urlaubsbuddy, den ich mir wünschen kann. Neugierig, unkompliziert, offen für Abenteuer. Ich liebe es, mit ihr zu reisen. Unsere Insiderwitze. Unsere Diskussionen über Frühstücksbuffets. Unsere gemeinsamen „Nur noch einmal ins Meer“-Momente. Wir zwei gegen den Rest der Welt. Jetzt testen wir das mal. Wir haben lange darüber gesprochen, ob das für sie in Ordnung ist. Nicht zwischen Tür und Angel. Nicht als Verkündung. Sondern als echtes Gespräch. Mit Raum für alles. Für Trotz. Für Angst. Für Ehrlichkeit. Sie bleibt hier. In ihrem Umfeld. Mit ihren Routinen. Mit Menschen, die sie kennt. Und ich merke trotzdem, es ist schwer für sie. Sie möchte uns das von Herzen gönnen. Sie möchte reif sein. Sie sagt, sie findet es gut. Und gleichzeitig liegt da diese leise Traurigkeit: Ich bin nicht dabei. Und das darf sie auch sein. Ich sehe es in den kleinen Pausen. In den längeren Umarmungen. In diesem Blick, der sagt: Ich schaffe das. Aber es tut ein bisschen weh. Es zerreißt sie ein bisschen. Und vielleicht zerreißt es mich auch ein bisschen. Liebe bedeutet nicht, dass man alles immer richtig gut finden muss. Manchmal bedeutet sie, etwas auszuhalten, obwohl es ein bisschen weh tut.

Für sie ist es vielleicht das erste Mal, dass sie spürt: Mama hat auch noch eine andere Rolle. Eine, in die ich nicht automatisch dazugehöre. Für mich ist es das erste Mal seit Jahren, dass ich bewusst einen Raum betrete, der nicht Mutter-Tochter ist, sondern Frau-Mann. Das ist Wachstum. Und Wachstum zieht manchmal. Ich gehe nicht, weil ich sie weniger brauche. Im Gegenteil. Ich gehe, weil ich auch Partnerin bin. Und weil ich mich tatsächlich so richtig freue auf diese bewusste Zeit zu zweit. Sieben Jahre lang waren wir ein System. Ein Team. Eine kleine eingeschworene Einheit. Reisen bedeutete: immer wir zwei. Diesmal bedeutet es: Ich gehe. Und sie bleibt. Und vielleicht ist genau das der nächste Schritt. Nicht weniger Nähe. Sondern mehr Raum.

Wir werden ihr selbstverständlich ganz viele Fotos schicken, wie schrecklich furchtbar dieser Urlaub ohne sie ist - und mit ihr Videotelefonieren, sofern sie Zeit für uns hat. Und ich weiß jetzt schon, wenn ich zurückkomme, wird sie wieder ein Stück größer sein. Ausserdem freut sie sich bereits jetzt auf den Sommer zu dritt. 

Mittwoch, Februar 11, 2026

kreise.

Die Nacht hatte Zähne. Keine Geschichte, kein klarer Anfang, kein Ende. Nur Bewegung. Flucht. Beton unter den Füßen. Kälte an den Wänden. Schritte hinter mir. Kein Gesicht, nur Druck. Keine Worte, nur Demütigung wie ein Geruch, der sich festsetzt. Ich bin gerannt. Habe gesucht, obwohl Verstecke in Träumen nie halten. Diese Tiefgarage ist alt. Dunkel. Sie gehört nicht zur Gegenwart. Und doch kennt mein Körper jeden Winkel. Er stolpert, lange bevor der Verstand begreift. Ich erreiche die Tür und reiße die Klinke runter. Dann das Aufschrecken. Dieses gewaltsame Zurückgerissen werden in ein Zimmer, das sicher ist. Es ist 02.07Uhr, zeigt mein Display. Mein Atem geht zu schnell. Das Kissen ist nass. Meine Hände und Füße kalt. Für einen Moment keine Orientierung. Nur Herzschlag. Es ist seltsam, wie etwas Vergangenes sich anfühlen kann wie Jetzt. Wie der Körper nicht unterscheidet zwischen damals und heute. Wie er Alarm schlägt. Der Morgen danach ist dünnhäutig. Alles ein bisschen näher an der Oberfläche. Geräusche zu laut. Und gleichzeitig dieses nüchterne Wissen. Es war ein Traum.

Heilung verläuft nicht linear. Sie ist keine Treppe. Eher ein Kreis, der manchmal wieder durch alte Räume führt. Man glaubt, sie hinter sich gelassen zu haben und steht plötzlich wieder im Dunkeln. Aber ich bin aufgewacht. Das ist der Unterschied. Ich bin aufgewacht.

Montag, Februar 09, 2026

brandherd.

Heute war Daueralarm. Überall Rauch, rote Lichter und große Brandherde. Ich hatte bereits kurz vor 10.00Uhr richtig Puls. Und dann habe ich nur noch reagiert. Ich bin gerannt, habe gelöscht, entschieden, gehalten. Feuerwehrmodus galore. An allen Ecken und Enden. So ein Tag, der nicht fragt, ob noch Kraft da ist, sondern sie einfach nimmt. Es kostet mich gerade so viel. Mehr, als ich nach außen zeige. Ich merke es daran, wie der Körper langsamer wird, obwohl der Kopf funktioniert. Wie alles ein bisschen schwerer greift. Wie selbst Routine plötzlich Aufmerksamkeit braucht.

Feuerwehr spielen kann ich, habe ich immer getan. Da bin ich richtig gut drin. Ich hätte Unterhändlerin werden sollen. Aber mental gehalten sein, während es brennt, ist etwas anderes. Das ist tatsächlich neu für mich. Keine Lösungen, keine Analysen. Nur Stimme. Nur Zuhören. Nur Verbindung. Das hat etwas geordnet. Mich ruhiger gemacht, als ich kurz über Auftragsmord nachgedacht habe. Mir Kraft gegeben. Es ist seltsam, wie wenig es manchmal braucht. Kein großes Auffangen. Kein Drama. Nur das Wissen, dass da jemand ist, auch wenn er gerade woanders ist. Das verändert den Tag. Nicht komplett. Aber genug.

Heute war wirklich kein schöner Tag. Kein leichter. Aber einer, den ich trotz allem gerockt habe. Mit etwas mentaler Hilfe. Und vielleicht ist das gerade das Entscheidende. Nicht immer alles allein löschen zu müssen. Auch dann nicht, wenn man richtig gut darin ist.

momentaufnahme.

Ein Arm, der hält. Präsenz, die nichts verlangt. Kein Weitergehen, kein Durchhalten. Nicht den Schmerz nehmen wollen, sondern ihn auszuhalten, ohne wegzusehen. Nicht zu retten, sondern einfach zu bleiben und auszuhalten. Nicht allein sein, während es weh tut.Vielleicht ist das Liebe in ihrer schlichtesten Form.

Sonntag, Februar 08, 2026

beziehungstest.

Date-Ideen. Man kann viel über Beziehungen reden. Kommunikation. Vertrauen. Nähe. Oder man geht einfach zu IKEA. An einem Samstag. Meine persönliche Hölle. Du triffst Menschen, denen Du sonst gern aus dem Weg gehst und das Schlimmste, sie treten in größeren Gruppen auf. Beziehungstest vom Feinsten. Mit ein bisschen autogenem Training und dem Festhalten am Einkaufswagen ging es, während der Mann seine Liste entspannt abgearbeitet hat. Der Endgegner war die Selbstbedienungskasse, aber ich würde sagen, haben wir richtig, richtig gut gemeistert. Ich finds immer wieder spannend, wie wir nach wie vor noch übereinander lernen. Er hat jetzt auf jeden Fall das allerschönste Geschirr. Und die Panierstraße haben wir gestern sofort eingeweiht mit Münchener Schnitzel.

Beziehungstest sowas von bestanden. Und er hat schon direkt verkündet, dass das Weihnachtsmenü dieses Jahr ihm gehört. Ich liebe alles daran. 

Freitag, Februar 06, 2026

schutzschicht.

Der Tag danach fühlt sich wild an. Ungezähmt. Ich habe kaum geschlafen. Mehr Wachsein als Ruhe. Der Körper war die ganze Zeit gespannt, aufmerksam, ohne Abschalten. Heute ist alles näher. Geräusche, Bewegungen, Haut. Die Schutzschicht fehlt. Berührung kommt nicht an wie Nähe, sondern wie Eindringen. Nicht falsch. Nur zu viel. Zu früh. Der Körper weicht zurück, schneller als jeder Gedanke. Es ist roh. Offen. Spannung sitzt unter der Haut, zwischen den Atemzügen. Nichts ist eskaliert und doch ist alles empfindlich. Der Körper trägt noch, was gestern aufgebrochen wurde. Ohne Sprache. Es ist ein Nachschwingen. Ein Zustand ohne Ordnung. Ich erkläre nichts. Ich halte nichts aus. Ich lasse. Der Körper weiß, dass alles in Bewegung ist. Ich tue etwas, was neu ist - ich gebe mir Raum. Ich lächle nicht weg. Ich funktioniere nicht. 

Donnerstag, Februar 05, 2026

echo.

Heute hat etwas die Haut verloren. Spürbar. Enge im Brustraum. Ziehen unter der Haut. Muskeln auf Bereitschaft, der Atem bleibt hängen. Die Bilder kommen nicht als Geschichte. Eher als Echo. Als Abdruck im Gewebe. Hände kalt. Kiefer fest. Becken still, als müsste es sich unsichtbar machen. Der Körper erinnert sich anders als der Verstand. Ohne Sprache. Ohne Zeit. Die Kontrolle wird dünner.

Phase II ist kein Fortschritt. Es ist ein Abtragen. Schicht für Schicht. Bis etwas frei liegt, das ich nie wieder fühlen wollte. Da ist Druck. So viel Schmerz und Bewusstsein. Gewicht. Ich halte mich nicht fest. Ich halte aus. Das ist ein Unterschied. Ich bin wund. Und roh. Nicht verletzt, sondern offen. Und vielleicht ist genau das der Übergang. Nicht wieder härter werden. Nicht erklären. Sondern geradewegs hindurch. Ich merke, wie alt die Muster sind. Wie sehr mein Nervensystem gelernt hat, still zu sein, immer stark zu sein, durch- und auszuhalten. Und wie erschöpfend das war. Heute war kein guter Tag.

schwelle.

Wenn es Dich innerlich fast zerreißt und dieses ein- und ausatmen kurzzeitig nicht mehr hilft. Ich habe einen zweiten sicheren Ort für mich konserviert.

Mittwoch, Februar 04, 2026

verschiebung.

Es wird sich etwas verändern. Nicht unbedingt sichtbar. Aber spürbar. Es kommt Bewegung in Dinge, die lange ruhig lagen. Vertrautes wird kurz an Kontur verlieren. Gewissheiten wackeln. Die innere Ordnung sich neu sortieren. Es wird mich wacher machen. Empfindlicher vielleicht. Durchlässiger an Stellen, die ich lange stabil gehalten habe. Nicht schwach, aber offener. Weniger gepanzert. Ich weiß, dass es mich durcheinanderbringen wird. Dass Klarheit nicht sofort folgt. Dass Sicherheit nicht automatisch da ist, nur weil man losgeht.

Da ist so großer Respekt vor der Wirkung. Und eine Scheiß-Angst vor dem, was sie auslöst. Nicht panisch, nicht laut, eher wie ein tiefer Atem, der stockt. Und gleichzeitig ist da etwas anderes. Das Gefühl, dass Veränderung nicht zerstört, sondern verschiebt. Dass das, was sich bewegt, nicht verloren geht, sondern einen anderen - neuen - Platz sucht. Ich lasse zu, auch wenn ich noch nicht weiß, wie. Auch wenn es mich für einen Moment aus dem Gleichgewicht bringt. Ich bleibe stehen. Und ich lasse es durch mich hindurchgehen. Ich halte das aus. Und es wird jemand meine Hand halten. 

Dienstag, Februar 03, 2026

wege.

Ich stehe da, schaue auf den letzten Februar und staune. Wer hätte gedacht, wo wir heute stehen? Entwicklung verläuft selten geradlinig. Manchmal braucht es Abstand, um Nähe wieder möglich zu machen. Manchmal braucht es Geduld und Zeit, um wirklich zuzuhören. Sich selbst und dem anderen. Ein Jahr später ist vieles klarer. Ruhiger. Verlässlicher. Nicht, weil alles reibungslos war, sondern weil man bereit war, Dinge nicht zu übergehen, sondern auszuhalten, einzuordnen und Verantwortung für das Eigene zu übernehmen. Rückblickend lässt sich manches besser verstehen. Und manchmal bleibt einfach das Staunen darüber, wie viel sich in einem Jahr verändern kann und wie viel Weg man gegangen ist. Es fühlt sich so gut an, hier zu stehen. Und es fühlt sich richtig an, weiterzugehen.

Donnerstag, Januar 29, 2026

dramaturgie.

Der Tod hat kein Interesse an Dramaturgie. Er kommt nicht, wenn man bereit ist, sondern wenn der Kaffee noch warm ist, die Schuhe im Flur stehen und man gerade glaubt, das Leben sei dabei, sich zu sortieren. 2009 ist kein Jahr, es ist ein Riss. Man kann ihn in Tage zerlegen, in Monate, in lächerlich genaue Zahlen, man kann ausrechnen, wie viele Minuten vergangen sind, seit jemand aufgehört hat zu atmen. Aber Zeit funktioniert nach dem Tod nicht mehr linear. Sie wird zäh, unzuverlässig, zieht sich zusammen wie Haut unter Kälte. Man lebt weiter. Alles andere wäre organisatorisch kompliziert. Man steht auf, zahlt Rechnungen, lernt neue Namen, lacht an den falschen Stellen und wird erstaunlich gut darin, nicht zu erklären, warum bestimmte Sätze plötzlich zu viel sind. Man wird funktional. Belastbar. Resilient. Dieses Wort, das klingt wie ein Kompliment, aber oft nur bedeutet, dass man überhaupt keine Wahl hatte.

Der Tod nimmt keine Menschen, er nimmt Zukünfte. Er nimmt das „wir werden noch“, das „später“, das „irgendwann“. Er lässt einen zurück mit einer Gegenwart, die zu groß ist für zwei Hände. Ja, die Zeit hilft, sagen sie. Aber nicht so, wie man es sich wünscht. Sie heilt nicht, sie stumpft ab. Sie poliert die Kanten, bis der Schmerz nicht mehr schreit, sondern sitzt. Still. Geduldig. Wie ein Schatten, den man nicht mehr bemerkt, weil man gelernt hat, sich um ihn herum zu bewegen. Manchmal ist er wieder da, unangekündigt. In einem Geruch. In einer bestimmten Art zu lachen. Einem kurzen Moment. Und dann merkt man. Der Tod ist nicht vorbei. Er hat nur die Lautstärke geändert.

Ich habe lange geglaubt, Erinnerung sei ein Ort, zu dem man zurückkehren kann. Ein Raum, den man betritt, wenn man mutig genug ist. Aber Erinnerung ist kein Ort. Sie ist Bewegung. Sie verschiebt sich, verändert Form, Farbe, Gewicht. Irgendwann merkt man, dass man nicht mehr zurückgeht. Man trägt. Nicht vor sich her, nicht wie eine offene Wunde, sondern wie etwas, das Teil der eigenen Statik geworden ist. Vielleicht ist das die einzige Wahrheit, die bleibt. Man wird nicht heil. Man wird tief. Man lernt, mit Abwesenheit und Verlust zu leben. Man lernt, Nähe neu zu definieren, nicht als Ersatz, sondern als bewusste Entscheidung. Zeit macht nichts ungeschehen, aber sie macht Platz. Platz für ein Leben, das anders ist als ursprünglich gedacht. Nicht schlechter. Nicht besser. Nur ehrlicher.

Ich glaube, wenn er mich und mein Leben heute sehen könnte, wäre er verdammt stolz auf mich. Würde mir ein Bier öffnen und genüsslich an einer Zigarette ziehen. Mir anerkennend zuzwinkern und sagen: "Gut gemacht, Kleines." Ja, ich bin immer noch hier und habe nie aufgegeben.