Weich zu sein ist für mich riskanter als stark sein. Stark sein, kenne ich. Stark kann ich organisieren, blind abrufen, zeigen. Ich hab's von klein auf gelernt. Stark gibt mir Struktur, Abstand, Kontrolle. Es macht mich handlungsfähig und schützt davor, zu viel zu brauchen. Stark sein bekommt Respekt, manchmal sogar Bewunderung. Obwohl mir das egal ist, es macht eher müde und vielleicht auch ein bisschen einsam. Weich sein funktioniert anders. Weich hat keine Rüstung. Keine vorbereiteten Antworten. Keinen inneren Fluchtweg, den ich mir schon zurechtlege, während ich eigentlich Nähe suche. Weich stellt keine Fragen mit Messergriff und sagt nicht: Beweise es! Weich sagt eher: Ich brauche Dich gerade. Ich brauche eine feste Umarmung. Ich bin gerade da. Wirklich da.
Genau deshalb fällt es mir manchmal so schwer. Nicht, weil ich mich nicht einlassen will. Im Gegenteil. Sondern weil ich lange gelernt habe, mich stets selbst zu halten. Weil Autonomie für mich nicht nur Freiheit ist, sondern auch Schutz. Weil ich weiß, dass ich immer klarkomme, wenn es sein muss. Ich muss mir das nicht mehr beweisen. Die eigentliche Herausforderung ist, in einem Moment nicht sofort zu prüfen, ob ich auch ohne den anderen zurechtkomme. Eben nicht mehr auszuweichen. Nicht schon innerlich den Plan B zu schreiben, falls der andere hinschmeißt. Nicht alles abzusichern, bevor ich etwas Echtes sage.
Weich sein heißt für mich nicht, mich aufzugeben oder weniger autonom zu sein. Es heißt eher, meine Autonomie nicht mehr ständig als Schutzschild vor mir herzutragen. Einen Moment lang mal nicht vorzubauen. Stehen zu bleiben und ehrlich zu sagen, was gerade ist. Was ich brauche. Nicht dramatisch. Nicht klein. Einfach wahr. Ich übe das. Bestimmt überhaupt nicht elegant, nicht immer freiwillig und sicher nicht ohne zwischendurch trotzdem immer noch hin und wieder wieder nach meiner Rüstung zu greifen. Aber ich übe.
Angst
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Angst muss man nur haben vor denen Dingen, die man nicht kommen sieht. Der
Rest… ist in der Regel händelbar.
vor 6 Stunden
