Montag, November 02, 2026

zuständigkeit.

Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe zu oft etwas zu schnell, ordentlich und ohne Beschwerden erledigt. Seitdem bin ich offenbar für alles zuständig, was andere nicht können, nicht wollen oder beeindruckend lange ignorieren.

Sonntag, November 01, 2026

regeneration.

Ich habe heute nichts vor. Ein Satz, den ich ausgesprochen gern sage. Und anschließend meistens doch ungefähr drei Stunden lang Dinge erledige, die ich seit Dienstag erfolgreich ignoriert habe. Ich muss u.a. gleich erstmal einmal fix in die Firma. Fragt nicht! Danach zaubere ich Königsberger Klopse. 

papierwände.

Die Untermieterin gestern beim Frühstück: „Denkt bitte heute Abend daran, dass euer Schlafzimmer direkt ans Wohnzimmer grenzt und diese Wand aus Papier ist. Wir schlafen da. Bleibt vielleicht einfach in der Küche, wenn ihr Dinge tut.“

Ich musste erst mal mein Wasser abstellen. Dann haben wir alle sehr gelacht. Und selbstverständlich ausführlich darüber diskutiert, was wir auf gar keinen Fall tun sollten. Und wo. Und wie laut. Ich finde es ja grundsätzlich schön, dass mein Kind so offen mit uns spricht. Hätte allerdings nicht gedacht, dass ich mit 45 noch mal eine Einweisung in rücksichtsvolles Verhalten im Schlafzimmer bekomme, wenn wir Gäste haben. Von meiner 15-jährigen Tochter. Beim Frühstück. 

Wir haben uns die Hinweise jedenfalls zu Herzen genommen. Man ist schließlich lernfähig. Die Beiden quatschen und kichern übrigens immer noch nebenan. Ich liebs. Aber gut. Die Nachtruhe gilt auch nur für Erwachsene.

Samstag, Oktober 31, 2026

oktober.

Reicht jetzt. Heute ist der letzte Tag im Oktober. Ich finde, das ist eine ausgesprochen gute Nachricht. Nicht, dass der Monat schlecht gewesen wäre. Im Gegenteil. Ich war in Lissabon. In Wien. Habe gearbeitet, Urlaub gemacht, Menschen getroffen, Koffer gepackt, ausgepackt und mich ungefähr zwölfmal gefragt, warum ich eigentlich so viele Dinge gleichzeitig mache. Die Antwort ist einfach. Weil ich es kann. Leider.

Ich habe diesen Monat wieder einiges über Menschen gelernt. Beispielsweise, dass Kommunikation offenbar weiterhin als freiwillige Zusatzleistung betrachtet wird. Und dass manche Menschen Probleme lösen, indem sie möglichst ausführlich erklären, warum sie selbst keines haben. Interessantes Konzept. Ich habe diskutiert. Mich geärgert. Sehr viel gelacht. Manchmal Tränen. Und manchmal alles innerhalb von zehn Minuten. Ich habe Dinge ausgesprochen, die andere vermutlich lieber nicht gehört hätten. Und andere Dinge für mich behalten. Letzteres möchte ich ausdrücklich als persönliche Weiterentwicklung gewertet wissen.

Es gab auch Momente, in denen ich dachte, ich müsste vielleicht etwas gelassener werden. Habe den Gedanken dann aber verworfen. Ich habe schließlich Gefühle. Und Meinungen. Vor allem Meinungen. Die kommen bei mir gelegentlich schneller als die Gefühle. Dafür sind sie meistens hervorragend formuliert. Manchmal sogar rechtzeitig. Ich habe mich diesen Monat auch daran erinnert, dass nicht jede Stille ein Problem ist. Dass man nicht alles sofort besprechen, klären oder organisieren muss. Eine Erkenntnis, die ich theoretisch sehr überzeugend finde. An der praktischen Umsetzung arbeite ich noch.

Und dann gab es natürlich die schönen Dinge. Gute Gespräche. Spontanes Lachen. Vertrautheit. Abende, an denen ich nichts mehr musste. Und Menschen, mit denen selbst Nichtstun erstaunlich gut funktioniert. Davon hätte ich gern mehr. Ansonsten war ich müde. Glücklich. Genervt. Ungeduldig. Gelegentlich ausgesprochen zufrieden mit mir selbst. Und manchmal alles gleichzeitig. Das muss man auch erst einmal hinbekommen. Zwischen Arbeit, Familie, Alltag und dem Versuch, gelegentlich acht Stunden zu schlafen, blieb erstaunlich wenig Zeit für gepflegte Langeweile. Dabei wäre ich darin vermutlich richtig hervorragend.

Heute ist Halloween. Ich könnte mich als entspannte, geduldige und vollkommen unkomplizierte Frau verkleiden. Eine, die nicht alles hinterfragt, nicht widerspricht, zu allem freundlich nickt und gelegentlich einfach mal die Klappe hält. Aber wir wollen es mit der Fantasie nicht übertreiben. Ich bleibe einfach Team "sexy Unterwäsche" - ist deutlich authentischer. Lieber Oktober, es war nett mit Dir.

November, Du bist dran. Ich hätte gern etwas weniger durchgetaktetes Programm, etwas mehr Schlaf und möglichst wenige Menschen, die meine Fähigkeit zur Selbstbeherrschung als persönliche Herausforderung verstehen. Ich möchte schließlich auch im nächsten Monat noch als gesellschaftsfähig durchgehen. Zumindest überwiegend. Noch vier Wochen Zeit für Adventskalender! Boah, auf die Zeit freue ich mich so richtig.

Donnerstag, Oktober 29, 2026

messerscharf.

Ich bin wahnsinnig schlagfertig. Schon immer. Leider in Ausnahmefällen mit einer Bearbeitungszeit von bis zu 48 Stunden. Über all die schlagfertigen Antworten, die einem zuverlässig erst einfallen, wenn das Gespräch längst vorbei ist. Im Auto. Unter der Dusche oder zwei Tage später beim Gemüseputzen. Messerscharf. Intelligent. Ein bisschen böse. Genau die richtige Mischung aus Humor und gepflegter Unverschämtheit. Ich halte dann innerlich stehende Ovationen für mich selbst ab.

Mittwoch, Oktober 28, 2026

abwehr.

Irgendwo auf der Rückreise habe ich gestern offenbar im Durchzug gesessen. Mich hat's über Nacht etwas umgekachelt. Ich könnte jetzt problemlos eine 0190er-Nummer betreiben und hocherotischen Telefonsex verkaufen. Zumindest stimmlich wären die Voraussetzungen gegeben. Ich habe beschlossen, nicht krank zu werden. Das ist keine Hoffnung, sondern eine Entscheidung. Mein Körper wurde darüber informiert. Nach Wochen zwischen Arbeit, Flughäfen, Hotels und einer eher symbolischen Anzahl erholsamer Nächte scheint mein Immunsystem ernsthaft über eine Kündigung nachzudenken. Nicht mit mir.

Also habe ich frische Zitronen und Orangen ausgepresst, Ingwer gekocht und das Ganze mit Honig zu einem Getränk verarbeitet, mit dem man vermutlich auch einen mittelgroßen Abfluss freibekäme. Drei Liter habe ich inzwischen getrunken. DREI. Meine Nieren haben bereits eine Betriebsversammlung einberufen. Natürlich beschränkt sich mein Gesundheitsmanagement nicht auf Getränke. Ich habe auch die übrigen Maßnahmen berücksichtigt. Vitamine. Frische Luft. Gesundes Essen. Schlaf. Bewegung. Entspannung. Sex. Vor allem Sex. Der Liebste muss schließlich auch seinen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge leisten. Ich kann hier nicht allein die gesamte Immunabwehr organisieren. Küssen zur Stressreduktion. Umarmungen fürs Nervensystem. Körperliche Betätigung zur Förderung der Durchblutung. Und alles Weitere selbstverständlich vorwiegend aus medizinischen Gründen.

Ich überlege, ob ich dafür einen Behandlungsplan aufstelle. Dreimal täglich Zuneigung, bei Bedarf häufiger. Nebenwirkungen ausdrücklich erwünscht. Ansonsten habe ich heute Morgen beschlossen, Stress konsequent zu vermeiden. Das funktioniert hervorragend, solange ich weder meine E-Mails öffne noch mit anderen Menschen kommuniziere. Ruhe wäre natürlich ebenfalls sinnvoll. Mein Gehirn hat allerdings noch keinen passenden Termin dafür gefunden. Ich bin jedenfalls bestens vorbereitet. Mein Körper wurde mit Vitaminen versorgt, mein Immunsystem zur Mitarbeit aufgefordert und der Liebste vorsorglich in die Therapie eingebunden.

Ich würde sagen, das könnte glatt funktionieren. Drückt mir die Daumen! Und falls nicht, habe ich immerhin noch eine berufliche Alternative mit der 0190er-Nummer.

Montag, Oktober 26, 2026

kontrollverlust.

Ich bin eine sehr unabhängige Frau. Außer wenn ich gerade sehr dringend in den Arm genommen werden möchte. Am liebsten sofort. Ohne lange Erklärungen. Dann ist Unabhängigkeit vorübergehend nicht zuständig.

Sonntag, Oktober 25, 2026

beweismaterial.

Ich habe gestern versucht, ein schönes Foto vom Teenie und mir zu machen. Eigentlich eine überschaubare Aufgabe. Zwei Menschen, ein Handy, der Stephansdom im Hintergrund. Wien bei Nacht. Sogar die Beleuchtung stimmte. Gut, es regnete. Aber man kann ja nicht alles haben. 47 Fotos später war ich mir da nicht mehr so sicher.Das Problem ist nämlich, dass wir offenbar nicht gleichzeitig gut aussehen können. Auf Foto 1 sehe ich aus, als hätte ich gerade meine Steuererklärung geöffnet. Das Kind sieht bezaubernd aus. Auf Foto 7 habe ich endlich einen vernünftigen Gesichtsausdruck. Dafür schaut meine Tochter, als hätte ich sie gegen ihren Willen auf einen Betriebsausflug mitgenommen. Foto 12 wäre perfekt gewesen. Hätte ich nicht gerade gesprochen. Mein Gesicht befindet sich irgendwo zwischen Zahnarztbesuch und Schlaganfall. Auf Foto 23 sehe ich richtig gut aus. Das Kind leider, als wäre es gegen seinen Willen mit mir verwandt.

Zwischendurch diskutieren wir über Kamerawinkel, Licht und die Frage, warum ich das Handy immer so komisch halte. Ich halte es überhaupt nicht komisch. Ich halte es so, dass mein Doppelkinn möglichst wenig Gelegenheit bekommt, sich öffentlich zu präsentieren. Die Untermieterin hat solche Probleme nicht. Sie kann sich innerhalb von Sekunden von einem reizenden jungen Mädchen in eine Person verwandeln, die aussieht, als würde sie gleich die Weltherrschaft übernehmen. Oder mich enterben. Je nachdem, was schneller geht. Ich hingegen brauche inzwischen eine gewisse Vorbereitungszeit, um mein Gesicht in eine halbwegs fototaugliche Position zu bringen. Irgendwann haben wir angefangen, Grimassen zu schneiden. Und siehe da. Plötzlich funktionierte es. Keine Diskussionen über Winkel. Keine kritischen Blicke auf das Display. Keine Versuche, möglichst vorteilhaft auszusehen. Einfach zwei alberne Menschen vor einer ziemlich beeindruckenden Kirche. Ich habe die Fotos später noch einmal durchgesehen. Das schönste ist übrigens nicht das, auf dem wir beide besonders hübsch aussehen. Sondern das, auf dem wir lachen. Natürlich ist es verwackelt. Man kann nicht alles haben.

Morgen dann der Endgegner: Fotoautomat :)

Freitag, Oktober 23, 2026

mädelszeit.

Wir fliegen gleich los. Mutter und Tochter. Ein paar Tage unterwegs, nur wir zwei. Ich freue mich darauf. Auf eine andere Stadt, gutes Essen, Herumlaufen ohne wirkliches Ziel und die üblichen Diskussionen darüber, ob wir jetzt wirklich noch in dieses Geschäft müssen. Müssen wir natürlich. Je nachdem, wer gerade fragt. Mit einem Teenager zu verreisen ist ohnehin eine interessante Angelegenheit. Man hat eine Reisebegleitung, die einerseits erstaunlich erwachsen ist, andererseits bei bestimmten Gelegenheiten schlagartig wieder fünf wird. Vorzugsweise dann, wenn Hunger im Spiel ist. Ich übrigens auch.

Ich mag diese Zeit mit ihr. Nicht, weil wir ununterbrochen tiefgründige Gespräche führen oder besonders wertvolle Mutter-Tochter-Momente produzieren müssten. Manchmal laufen wir einfach nebeneinander her. Erzählen Unsinn. Lachen über Dinge, die außer uns vermutlich niemand lustig findet. Oder sind still. Und manchmal erzählt sie plötzlich etwas, von dem ich nicht einmal wusste, dass es sie beschäftigt. Meistens zwischen zwei völlig belanglosen Bemerkungen. Man muss ein bisschen aufpassen, um diese Momente nicht zu verpassen.

Sie wird größer. Selbstständiger. Hat ihre eigene Meinung, ihren eigenen Geschmack und gelegentlich eine bemerkenswert ausgeprägte Vorstellung davon, wie ich mich zu verhalten habe. Keine Ahnung, von wem sie das hat. Ich weiß, dass diese gemeinsamen Reisen irgendwann seltener werden. Weil sie eigene Pläne haben wird, andere Menschen wichtiger werden und das ist okay. Bis dahin genießen wir die Zeit. Ein paar Tage nur wir zwei. Ohne Alltag, ohne Termine, ohne den üblichen organisatorischen Wahnsinn. Gut, ganz ohne Diskussionen wird es vermutlich nicht gehen. Wir sind schließlich verwandt. 

Here we go!

Donnerstag, Oktober 22, 2026

erschöpfung.

Lissabon war gut. Sehr gut sogar. Und nun bin ich müde. Nicht dieses angenehme Müde, wenn man abends ins Bett fällt und weiß, dass man einen guten Tag hatte. Sondern dieses tiefe, alles umfassende Müde, bei dem selbst Kleinigkeiten plötzlich erstaunlich viel Kraft kosten. Die vergangenen Tage waren supervoll. Mit Arbeit, Menschen, Gesprächen, Entscheidungen und Dingen, die dringend erledigt werden mussten. Wie immer eigentlich. Ich funktioniere ziemlich gut. Das ist eine meiner besseren und gleichzeitig schlechteren Eigenschaften.

Mein Körper hat inzwischen allerdings eine andere Meinung dazu. Gestern Abend hat der Liebste mich in zwei Decken gewickelt, weil ich einfach nicht warm wurde. Ich saß da wie ein dick verpacktes Paket und habe darauf gewartet, dass meine Betriebstemperatur irgendwann wieder ein halbwegs menschliches Niveau erreicht. Offenbar reicht es inzwischen nicht mehr, einfach nur müde zu sein.

Ich sitze hier, bin völlig erledigt und mache eine kleine Liste. Postkarten. Wem ich von meiner nächsten Reise schreiben möchte. Eine harmlose Beschäftigung. Sollte man meinen. Ein paar Namen, ein paar Adressen. Menschen, denen ich gern eine Freude mache. Und dann denke ich ganz selbstverständlich, Oma muss ich auch noch schreiben. Ein Gedanke, der so vertraut ist, dass er einfach auftaucht, ohne vorher anzuklopfen. Nur ist sie seit Januar 2025 tot.

Ich starre auf meine Liste. Es ist nicht so, dass ich das vergessen hätte. Natürlich weiß ich, dass sie nicht mehr da ist. Ich weiß es jeden einzelnen Tag. Aber offenbar gibt es irgendwo in meinem Kopf noch eine Abteilung, in der sie lebt. In der ich ihr Karten schreibe, sie anrufe und ihr erzähle, wo ich gerade bin. Eine Abteilung, die sich beharrlich weigert, ihre Unterlagen zu aktualisieren. Normalerweise kann ich mit solchen Momenten ganz gut umgehen. Ich lächle manchmal sogar darüber. Heute nicht. Heute sitze ich einfach da und vermisse sie. Und plötzlich merke ich, wie erschöpft ich wirklich bin. Weil es manchmal gar nicht die großen Dinge sind, die einen aus der Bahn werfen. Nicht die anstrengenden Arbeitstage, nicht der Schlafmangel, nicht die hundert Kleinigkeiten, die gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen. Sondern ein Name, den man auf eine Liste schreiben möchte. Und eine Adresse, an die man nie wieder eine Postkarte schicken kann.

Ich glaube, heute mache ich einfach mal nichts mehr, außer packen und atmen.

Samstag, Oktober 17, 2026

handgepäck.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: drei bis vier Outfits, fünf Ladekabel, diverse Adapter, mein Notebook, sämtliche Eventualitäten und die leise Hoffnung, dass am Zielort inzwischen irgendjemand weiß, was eigentlich final beschlossen wurde und ob alles rund läuft. Beruflich verreisen klingt immer so wahnsinnig interessant. Internationale Projekte. Andere Länder. Flughäfen. Hotels. Menschen, die einem auf Englisch erklären, warum eine Entscheidung von Dienstag am Donnerstag leider nicht mehr gilt. Privat fragen alle, ob man auch etwas von der Stadt sieht. Ja, selbstverständlich. Den Flughafen. Das Hotel. Den Veranstaltungsort. Mit etwas Glück noch die örtliche Taxiinfrastruktur.

Ich habe inzwischen eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie man drei Tage Abwesenheit organisatorisch vorbereitet. Es ist ungefähr der Aufwand einer kleinen Auswanderung. Nur ohne den Vorteil, anschließend wirklich weg zu sein. Jetzt fehlt nur noch das Packen. Der Koffer steht bereits da und schaut mich erwartungsvoll an. Soll er ruhig. Ich habe schließlich Urlaub vom Privatleben und fahre zur Arbeit. Der Teenie hat bereits eine Freundin zum Mittagessen eingeladen während ich weg bin. Das läuft hier. Der Liebste und sie freuen sich schon auf die Tage zu zweit und haben bereits Pläne. 

Dienstag, Oktober 13, 2026

dienstag.

Dienstag 18.30Uhr und ich weiß immer noch nicht, ob ich fliegen muss oder nicht. Allmählich bin ich nur noch ungehalten und habe keinen Bock mehr.

Dienstagabend 20.00Uhr. Nach wochenlangen Abstimmungen steht nun tatsächlich fest, dass ich beruflich nach Portugal fliege. Vier Tage Vorlauf für eine internationale Veranstaltung, die seit Monaten geplant wird. Kann man sich nicht ausdenken. Andere planen in der Zeit einen Restaurantbesuch. Ich organisiere mal eben eine Dienstreise ins Ausland und den ganzen privaten Ratenschwanz. Ich werde das professionell lösen. Freundlich lächeln, souverän abliefern und mir meinen Teil denken. Letzteres wird zunehmend abendfüllend.

Und dann habe ich heute erst mal geheult. Nicht wegen der Arbeit, sondern weil mir jemand ganz selbstverständlich den Rücken freihält. Ohne Diskussion. Ohne Theater. Ohne schlechtes Gewissen, Ganz selbstverständlich. Einfach so. Frau Eiskalt, 45 Jahre alt. Beruflich kriege ich so ziemlich alles organisiert. Privat bin ich offenbar noch dabei zu lernen, dass ich nicht mehr alles allein stemmen muss. Das Kind ist übrigens völlig entspannt. Ihre einzige Sorge ist, dass während meiner Abwesenheit ausreichend Wäsche gewaschen wird. Schließlich möchte sie nicht nackt nach Wien fliegen. Ich liebe die Beiden. Immerhin wissen hier alle, wo die Waschmaschine steht und wie man sie bedient. Die vergangenen Jahre waren nicht umsonst. Manche Dinge lassen sich eben doch langfristig und erfolgreich vorbereiten. Im Gegensatz zu einigen internationalen Veranstaltungen.