Montag, August 31, 2026

alltagsmomente.

Ich kann erstaunlich lange irgendwo sitzen und Menschen beobachten. Gemütlich mit einem Getränk vor mir und ausreichend Abstand wird die Welt ziemlich unterhaltsam. Einer telefoniert zu laut. Zwei diskutieren darüber, wo sie eigentlich hinwollen. Jemand sucht seit zehn Minuten etwas in einer Tasche, in der vermutlich auch ein mittelgroßer Hund Platz hätte.

Ich weiß nichts über diese Menschen. Das hindert mich zuverlässig nicht daran, mir innerhalb kürzester Zeit eine vollständige Geschichte zu bauen. Wer zusammengehört. Wer genervt ist. Wer gleich streitet. Wer immer zu spät kommt. Wer Snacks dabeihat. Wer offensichtlich die Reiseleitung übernommen hat, obwohl er das gar nicht wollte. Ich mag diese Position. Nicht mittendrin. Nicht zuständig. Einfach nur gucken. Zwischendurch noch einen Schluck.

Menschen sind wirklich interessant. 

Sonntag, August 30, 2026

aufrufe.

In den vergangenen 3Monaten hatte der Blog ca. 94.000Aufrufe. Fast wie in alten Zeiten. Ähm schön, dass ihr da seid.

Donnerstag, August 27, 2026

Mittwoch, August 26, 2026

rauschen.

Unglaublich wilden Mist geträumt. Brauchte heute Morgen erstmal zwei Stunden, um das ansatzweise zu verarbeiten und saß ab 07.30 Uhr am Rechner. Der Mann fand es anscheinend ein bisschen witzig und hatte direkt eine absurde Idee dazu. Passend dazu meldete sich heute ausgerechnet jemand, der erstaunlich gut in das Konzept des Mannes gepasst hätte. Als könnten die das riechen. Schräg.

Nächsten Monat jährt sich ein Todestag. Heute ist mir wieder eingefallen, dass ich damals kurz vorher diesen einen Traum hatte, in dem er gestorben ist. Ich hatte das völlig vergessen. Komisch, was der Kopf irgendwo verstaut und Jahre später plötzlich wieder auf den Tisch legt. Ich habe mich danach sehr lange schuldig gefühlt. Rückblickend natürlich völlig irrational. Damals hat es sich trotzdem echt angefühlt. Fast so, als hätte ich etwas wissen müssen. Als hätte ich irgendwo nicht gut genug aufgepasst. Vielleicht sitzt genau da ein Teil von meinem Reflex, die Schuld grundsätzlich erstmal bei mir zu suchen. Zu überlegen, was ich falsch gemacht habe. Und Dinge unbedingt reparieren zu wollen, auch wenn sie längst passiert sind, nicht meine Baustelle sind oder sich schlicht nicht reparieren lassen.

Danach vier Stunden beim Kunden im Meeting gewesen. Falls sich jemand fragt, wie viel ein einzelner Mensch mit sehr viel Hybris und erstaunlich wenig innerem Stoppschild sprechen kann - erstaunlich viel. Alter Schwede, der Kollege meinte hinterher nur, er müsse sich jetzt erstmal eine Flasche Wein aufmachen. Und ehrlich, ich hab’s gefühlt. Irgendwann ist das kein Gespräch mehr. Eher so ein diffuses Rauschen im Ohr, wo einem die Ohren bluten. Ich hatte danach 20 Seiten Transkript. Nur vom Redeanteil des GF. Habe daraus inzwischen ein acht Seiten Briefing gemacht.

Manche Tage sind wirklich erstaunlich voll mit Dingen. Reicht dann auch mit Themen, Menschen und Material für heute.

Dienstag, August 25, 2026

Montag, August 24, 2026

ruhe.

Heute Morgen war einer dieser Momente, in denen die Welt um 4.30 Uhr kurz zu viel war. Schlecht geträumt, zu viel Verantwortung, panisch hochgeschreckt. Ich habe meinen eigenen Herzschlag und Puls gehört. Erst versucht, mich selbst zu beruhigen. Mit mäßigem Erfolg. Mich schließlich überwunden, den Mann geweckt und gebeten, mich fest in den Arm zu nehmen. Hat er augenblicklich gemacht. Er gibt die weltbesten Umarmungen. So fest, dass für einen Moment nichts dazwischen passt und die Welt plötzlich ein bisschen leiser wird. Einer meiner sichersten Orte, abends Arm in Arm im Bett liegen und für einen Moment nichts tragen müssen. Egal wie gut oder schlecht der Tag war. Das ist fast immer mit einer der besten Momente. Ich mag die Ruhe darin. Mir gibt das Kraft. 

rückkehr.

Erster richtiger Arbeitstag nach dem Urlaub. Laptop an. Hirn langsam hochfahren. Passwort beim ersten Versuch falsch. Postfach auf. Direkt wieder zu. Zwei Wochen lang Meer, Bücher, Kochen, Essen, langsamer Kopf. Mal kein "müssen". Dann wieder Zuhause und innerhalb von 20 Minuten zwei Maschinen Wäsche, 47 Mails und die Frage, warum Erholung so schlecht lagerfähig ist.

Schön, wie viele Dinge während meiner Abwesenheit offenbar ganz hervorragend ohne mich weitergelaufen sind. Andere Themen dagegen haben die Zeit genutzt, sich zu vermehren. Aus einer offenen Frage sind drei geworden. Aus einem kleinen Abstimmungsbedarf ein Termin mit sechs Personen. Auch schön. Nach ungefähr zwei Stunden bin ich wieder drin. Ich sage Dinge wie „nächste Schritte“, „Entscheidungsbedarf“ und „wir müssen das sauber aufsetzen“. Mein Körper sitzt im Homeoffice. Mein Kopf hängt noch irgendwo zwischen Buch, Weinglas und Meer. Wird schon. Der Kalender ist jedenfalls wieder vollständig einsatzbereit.

Sonntag, August 23, 2026

15.

Die Untermieterin bastelt ihre Geburtstagseinladungen für ihren 15. Sie will nur ihre engsten Mädels einladen. Sie hat bereits ein Pinterest-Board fürs Buffet, unter anderem mit blutigem Popcorn.

Diesjähriges Motto: „A Party to die for.“
Ich liebe alles dran.

Samstag, August 22, 2026

lesefluss.

Das Buch "Never lie" von Freida McFadden. Ich hatte Gänsehaut. Richtige. Das Buch durfte deshalb sofort in die sehr kleine Kategorie „Menschen müssen davon erfahren“. Es ist irre, wie selten es geworden ist, dass man wirklich komplett in einer Geschichte verschwindet und der Plottwist so überrascht. Meine Empfehlung!

Freitag, August 21, 2026

ortswechsel.

Zuhause brauche ich für einen klaren Gedanken Ruhe, Zeit und ideale Bedingungen. Hier reicht offenbar ein gutes Getränk und zehn Minuten aufs Wasser starren. Unverschämt. Plötzlich sortieren sich Dinge, für die ich zuhause manchmal mindestens drei Anläufe, einen Spaziergang und einen vollkommen unnötigen Blick aufs Handy brauche. Vielleicht liegt es am Abstand. Vielleicht am meditativen Wasser. Vielleicht daran, dass gerade nicht alles gleichzeitig etwas von mir will. 

Kann ich das bitte einpacken und mitnehmen? Am besten zusammen mit dem Meer.

Donnerstag, August 20, 2026

fotomaterial.

Siebenundzwanzig Bilder vom Meer. Drölf vom Himmel. Dreiundneunzig von Essen. Eins vom Mann, auf dem er vermutlich sagt, dass ich jetzt wirklich genug Fotos gemacht habe. Ich dokumentiere Erholung sehr sorgfältig.

Mittwoch, August 19, 2026

hygge.

Draußen regnet es. So ein gleichmäßiger Regen, der nicht nervt. Eher dieses leise Trommeln auf Dach, Holzterrasse, die Tische und irgendetwas Metallischem draußen, das alle paar Sekunden anders klingt. Mal dumpf. Mal heller. Dazwischen das Rauschen in den Bäumen. Die Luft ist kühl und riecht nach nassem Boden. Ein bisschen nach Gras. Ein bisschen nach Holz. Ein bisschen nach Sommer, der heute offenbar keine Lust hat, sich besonders anzustrengen. Der Himmel ist diesig und wolkenverhangen, alles draußen wirkt ein bisschen weicher. Gedämpfter. Als hätte jemand die Lautstärke runtergedreht.

Drinnen stehen Kerzen auf dem Tisch. Das Licht flackert auf den Gläsern und macht aus einem ganz normalen Nachmittag im August plötzlich ziemlich viel Hygge. Wir sitzen hier am großen Esstisch. Gemütlich. Ohne Programm. Heute kein Ausflug. Kein Plan. Kein „wir könnten noch“. Kein Gefühl, irgendetwas aus diesem Tag herausholen zu müssen. Einfach Regen am Fenster und zwischendurch ein paar Sätze. Ich schreibe ein bisschen. Jeder macht seins. Manchmal reden wir. Manchmal nicht. Ab und zu gibts einen Kuss oder eine Umarmung. Einer holt sich noch einen Keks oder einen Rest Bolognese von gestern. Jemand zieht die Beine unter sich. Der Teenie bemalt ihre Hände künstlerisch. Draußen tropft es weiter von den Kanten und drinnen muss gerade nichts passieren.

Ich mag solche Tage zwischendurch ganz gern. Tage, die einem die Entscheidung abnehmen, ob man noch etwas unternehmen sollte. Bei Regen ist die Lage klar. Drinnen bleiben. Kerzen an. Vielleicht später schon ein Bier oder ein Glas Wein. Reicht.

Dienstag, August 18, 2026

urlaubsgarderobe.

Ich habe für mindestens sieben verschiedene Frauen gepackt. Angekommen ist offenbar nur eine.

Mittwoch, August 12, 2026

ferienpersönlichkeit.

Im Urlaub werde ich zuverlässig zu einer Version von mir, die morgens Sport macht, Yoga übt, viel liest, viel schreibt, weniger online ist und auch noch deutlich bewusster atmet. Diese Frau wird jedes Jahr sorgfältig mit eingeplant. Aktuell ist sie sogar da. Ich mache morgens zuverlässig mein schweißtreibendes HIT-Workout und Yoga auf der Terrasse. Sehr konsequent. So konsequent, dass ich inzwischen Muskelkater an Stellen habe, von deren Existenz ich vorher nur theoretisch wusste. Heute hatte ich schon kurz ernsthafte Schwierigkeiten, aus dem Auto auszusteigen. Es läuft also wirklich hervorragend.

Dafür habe ich schon ein Buch gelesen. Ganz. Nicht nur drei Seiten und anschließend aufs Meer geschaut. Ein richtiges Buch. Auf Englisch. Und es war so gut, dass ich beim Plottwist übel Gänsehaut hatte. Das zählt für mich inzwischen als Hochleistung. Die digitale Reduktion klappt ebenfalls ganz gut. Das Schreiben besser. Das Atmen meistens auch. Nur beim Aufstehen sollte gerade niemand zugucken. Ferienpersönlichkeit eben. Sehr motiviert. Lediglich leicht eingeschränkt in der Beweglichkeit. Ausserdem haben wir schon gut Farbe bekommen. Könnte schlimmer sein.

Dienstag, August 11, 2026

materialprüfung.

In meiner Küche steht ein Stuhl, der seit Wochen immer mal wieder ein Geräusch macht. Kein richtig dramatisches. Er bricht nicht zusammen. Er wirft niemanden ab. Er wackelt nicht einmal richtig. Er knarzt nur manchmal, wenn ich mich bewege. Nicht immer. Nur oft genug, dass ich angefangen habe, darauf zu warten. Besuch bemerkt es kaum. Andere setzen sich hin, trinken ihren Kaffee und stehen später wieder auf. Für sie ist es ein völlig normaler Stuhl. Vier Beine. Eine Lehne. Man kann sehr gut darauf sitzen. Insgesamt ein recht überzeugendes Konzept.

Ich hingegen kenne inzwischen jede Nuance. Das kurze Knacken beim Hinsetzen. Das längere Knarzen, wenn ich mich zur Seite lehne. Dieses eine Geräusch, das entsteht, wenn ich aufstehe und gedanklich längst woanders bin. Ich höre Unterschiede, die möglicherweise gar keine sind. Eine Zeit lang dachte ich, ich müsste nur herausfinden, was ich falsch mache. Vielleicht setzte ich mich zu schwer. Zu schief. Zu plötzlich. Vielleicht verteilte ich mein Gewicht ungünstig. Das klingt lächerlich, ich weiß. War aber erstaunlich überzeugend.

Ich begann, vorsichtiger Platz zu nehmen. Langsamer. Kontrollierter. Ich achtete darauf, wie ich mich bewegte, wie ich mich anlehnte, wie ich wieder aufstand. Als ließe sich Ruhe herstellen, wenn ich nur genau genug herausfand, welche meiner Bewegungen sie störte. Der Stuhl knarzte trotzdem. Also wurde ich noch aufmerksamer. Menschen sind erstaunlich erfinderisch, wenn sie die Ursache zuerst bei sich suchen. Man findet immer noch eine Bewegung, die man hätte anders machen können. Einen Moment, in dem man zu schnell war. Zu unbedacht. Zu schwer auf einer Seite.

Und irgendwann saß ich nicht mehr einfach auf dem Stuhl. Ich beobachtete mich beim Sitzen. Ich wartete auf das Knarzen. Und wenn es kam, dachte ich nicht: "Mit diesem Stuhl stimmt etwas nicht". Ich dachte: "Natürlich." Schon wieder falsch bewegt. Aus einem Geräusch wurde eine kleine Beweisführung. Nicht gegen den Stuhl. Eher für meine Überzeugung, dass ich nur aufmerksam genug sein müsste, um alles erklären und irgendwann auch verhindern zu können. Das ist das Praktische an kleinen Störungen. Wenn man lange genug über sie nachdenkt, werden sie problemlos zur persönlichen Zuständigkeit. Man braucht dafür nur etwas Müdigkeit, ein wenig Fantasie und die feste Überzeugung, man hätte es besser machen können.

Neulich saß ich mit einer Tasse Espresso darauf. Es war ein langer Tag gewesen, und ich hatte keine Kraft mehr, besonders richtig zu sitzen. Also ließ ich mich etwas schief auf die Sitzfläche sinken. Der Stuhl knarzte. Sofort war dieser bekannte Gedanke da. Nicht einmal als richtiger Satz. Eher als fertige Reaktion. Siehst du. Dann blieb ich sitzen. Der Kaffee war noch zu heiß, und irgendwann legte ich beide Hände auf die Sitzfläche und prüfte, ob etwas wackelte. Nichts. Ich sah mir die Beine an. Fest. Den Boden darunter. Eben. Der Stuhl stand genauso sicher da wie vorher. Er hatte nur ein Geräusch gemacht. Das war alles. Kein Hinweis darauf, dass etwas nicht mehr trug. Kein Beweis dafür, dass ich falsch saß. Nicht einmal eine Aufforderung, mich sofort anders hinzusetzen.

Holz arbeitet. Gewicht verlagert sich. Dinge, die regelmäßig benutzt werden, bleiben nicht vollkommen lautlos. Wochenlang hatte ich versucht, aus jedem Knarzen eine Ursache zu machen. Meistens mich. Dabei hatte ich übersehen, dass ein Geräusch nicht dasselbe ist wie Instabilität. Ich mache das öfter. Ich bemerke eine Spannung und frage zuerst, was ich übersehen habe. Ich werde vorsichtiger. Leiser. Kontrollierter. Als könnte ich verhindern, dass etwas knarzt, wenn ich mich nur geschickt genug bewege. Dabei muss nicht jede Irritation behoben werden. Nicht jeder Moment braucht sofort eine Erklärung. Und nicht alles, was sich kurz unsicher anfühlt, ist tatsächlich unsicher.

Der Stuhl steht noch immer an derselben Stelle. Fest auf vier Beinen. Er trägt. Manchmal macht er ein Geräusch. Und vielleicht besteht Stabilität nicht darin, dass niemals etwas knarzt. Sondern darin, nicht bei jedem Geräusch sofort aufzuspringen.

Freitag, August 07, 2026

abwesenheit.

Meine Abwesenheitsnotiz ist aktiviert. Ich selbst arbeite noch daran.
Habt die beste Zeit! 

Donnerstag, August 06, 2026

ruhe.

Ich möchte im Urlaub viel schreiben. Nicht für einen Termin. Nicht für einen Kunden. Nicht mit dem Ziel, dass am Ende jemand „nächste Schritte“ daruntersetzt. Einfach schreiben. Für mich. Gedanken aufschreiben, bevor sie sich wieder ordentlich anziehen und so tun, als wären sie gar nicht da gewesen. Sätze anfangen, ohne schon zu wissen, wo sie hinwollen. Dinge stehen lassen, die nicht sofort nützlich sind.

Und ich möchte gern viel lesen. Nicht, weil ich mir damit ein besonders ambitioniertes Ferienprogramm verordnet habe. Sondern weil Lesen meinen Kopf auf eine andere Weise ruhig bekommt. Weil gute Sätze etwas in Bewegung bringen, ohne sofort etwas von mir zu wollen. Also müssen Bücher mit. Mehrere. Eins für den Kopf. Eins fürs Herz. Eins, das leicht ist, aber nicht dumm. Eins, das klug ist, aber nicht ultraanstrengend. Und mindestens eins für den Fall, dass ich im Urlaub plötzlich ein anderer Mensch werde.

Realistisch werde ich abends wahrscheinlich drei Seiten lesen, meditativ aufs Meer schauen und anschließend in mein Journal schreiben, dass ich mehr lesen möchte. Das klingt sehr frei. Vermutlich werde ich auch zuerst eine Liste machen. Man soll den Übergang schließlich nicht unnötig brutal gestalten.

Mittwoch, August 05, 2026

reststrecke.

Offiziell habe ich seit heute Urlaub. Inoffiziell kann ich mir das in die Haare schmieren. Alles wie immer. Und jeden Sommer versuche ich, entspannter in den Urlaub zu starten. Bis dahin liegen noch mehrere volle Arbeitstage, offene Aufgaben, nicht beantwortete Mails und diese besondere Form von Kleinkram vor mir, die jeweils nur zehn Minuten dauert und am Ende zuverlässig mindestens zwei ganze Tage frisst. Gedanklich bin ich deshalb noch nicht am Meer. Ich bin bei Präsentationen. Rückfragen. To-do-Listen. Dingen, die unbedingt noch vorher erledigt werden müssen, obwohl sie letzten Donnerstag noch vollkommen entspannt bis nach dem Urlaub hätten warten können.

Urlaubsvorfreude setzt bei mir erst ein, wenn keine Aufgabe mehr versucht, sich unauffällig ins Handgepäck zu schummeln. Ich möchte viel lieber in Ruhe Bücher auswählen, die ich lesen möchte. Schreiben. Weniger online sein. Den Kopf leiser bekommen. Stattdessen überlege ich gerade, welche Dateien ich noch verschicken muss und ob ich für die Calls am Meer ein halbwegs seriöses Oberteil brauche. Meine sehr konsequente digitale Reduktion läuft hervorragend. Ich gehe davon aus, dass ich im Auto irgendwann merke, dass wir wirklich fahren. Bis dahin arbeite ich mich in Richtung Urlaub. Meterweise.

Dienstag, August 04, 2026

betriebszustand.

Ich kann strategische Zielbilder entwickeln. Einen leeren Joghurtbecher im Kühlschrank kann ich trotzdem nicht erklären. Wird Zeit für Urlaub und eine Pause.

Sonntag, August 02, 2026

blockade.

Manche Einkaufswagen haben ein Rad, das nach links zieht. Am Anfang hält man dagegen. Unauffällig. Ein bisschen mehr Druck am Griff, ein bisschen mehr Konzentration. Wird schon gehen. Nach drei Gängen sind die Regale zu eng, die anderen Menschen zu langsam und der Boden vermutlich falsch verlegt. Nur an dem kleinen blockierten Rad kann es nicht liegen. Das wäre schließlich etwas, worum man sich kümmern müsste.

Plötzlich geraten Dinge ins Rutschen, die mit dem ursprünglichen Problem nichts zu tun hatten. Die Milch kippt um. Die Tomaten bekommen Druckstellen. Jemand wird angefahren und soll sich bitte nicht so anstellen. Währenddessen hält sich der Fahrer weiterhin für den Einzigen, der hier noch Ordnung in den Laden bringt. Es ist nur anstrengend für alle, die zufällig mit im Gang stehen.

Ich kann solchen Wagen ausweichen. Tue ich aber nicht immer. Weil noch jemand mitfährt, der für das blockierte Rad nichts kann. Also passe ich auf, dass die Eier nie ganz unten liegen. Ich kann Dinge auffangen, bevor sie herunterfallen. Eine praktische Begabung. Mehr nicht. Diese Fähigkeiten verpflichten mich allerdings nicht dazu, den Wagen bis zur Kasse zu schieben. Manche Räder ziehen nach links. Und manche Menschen finden den Supermarkt schief.

Samstag, August 01, 2026

absicht.

Die beiden Händler

In einer kleinen Stadt lebten zwei Händler. Der eine verkaufte Lügen. Große, glänzende Lügen, sorgfältig verpackt und mit bunten Schleifen versehen. Jeder erkannte sie, sobald er die Verpackung öffnete. Die Menschen waren empört, warnten einander und mieden seinen Laden. Der andere Händler verkaufte Unwahrheiten. Sie waren kleiner und unauffälliger. Er nahm ein Stück Wahrheit, schnitt das Unbequeme heraus und füllte die entstandene Lücke mit Schweigen. Danach sah alles beinahe echt aus.

„Ich habe doch nichts Falsches gesagt“, erklärte er, wenn jemand misstrauisch wurde. Und tatsächlich: Seine Worte waren selten vollkommen gelogen. Es fehlte nur immer genau der Teil, der ihre Bedeutung verändert hätte. Die Menschen vertrauten ihm lange. Denn eine offene Lüge macht Lärm. Eine Unwahrheit dagegen spricht leise. Sie lässt Tatsachen weg, verschiebt Zusammenhänge und erzählt nur so viel, wie nötig ist, um glaubwürdig zu bleiben.

Eines Tages kaufte eine Frau bei beiden Händlern. Die Lüge des ersten erkannte sie sofort und gab sie zurück. Die Unwahrheit des zweiten nahm sie mit nach Hause. Erst viel später bemerkte sie, dass etwas fehlte. Nicht irgendein Detail, sondern genau die Wahrheit, die sie gebraucht hätte, um selbst entscheiden zu können.

Da verstand sie. Eine Lüge täuscht mit dem, was sie sagt. Eine Unwahrheit täuscht mit dem, was sie verschweigt. Und der entscheidende Unterschied liegt nicht nur in den Worten, sondern in der Absicht.