Heute geht die Schule wieder los. Klasse 9 - wann ist das passiert? Der Teenager verschwindet also wieder morgens mit ihrem Rucksack aus der Tür und passend dazu stolpere ich beim ersten Tee in der FAZ über die Zahl, dass inzwischen fast jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst wird. 2024 waren es rund 159.000.
Natürlich liegt die Erzählung sofort griffbereit. Die Jugend von heute. Zu wenig Durchhaltevermögen. Zu hohe Erwartungen. Zu empfindlich. Früher hätte man sich eben durchgebissen. Früher hatte man allerdings auch deutlich weniger Türen, durch die man gehen konnte. Und vielleicht ist deshalb die Zahl allein gar nicht so interessant. Viel spannender finde ich die Frage, was da eigentlich abgebrochen wird. Eine Ausbildung? Eine falsche Entscheidung? Ein schlechter Betrieb? Oder manchmal einfach die Vorstellung, dass man drei Jahre irgendwo bleiben muss, weil man dort mit 16 oder 17 einmal unterschrieben hat? Knapp die Hälfte derjenigen, deren Vertrag vorzeitig endet, beginnt später eine neue Ausbildung. Häufig in einem anderen Beruf oder Betrieb. Das Wort Abbruch erzählt also längst nicht immer die ganze Geschichte. Manchmal ist es schlicht eine Kurskorrektur.
Natürlich müssen junge Menschen lernen, Frust auszuhalten. Nicht jede Kritik ist toxisch, nicht jeder schlechte Montag eine existenzielle Krise und Arbeit besteht leider nicht durchgehend aus Selbstverwirklichung, Purpose und Hafermilchkaffee. Aber Durchhalten ist eben auch keine Tugend um jeden Preis. Als Gründe für Ausbildungsabbrüche werden unter anderem Kommunikationsprobleme, Konflikte mit Ausbildern, mangelnde Ausbildungsqualität und belastende Arbeitsbedingungen genannt. Gleichzeitig beklagen Unternehmen fehlende Grundkompetenzen und Schwächen im Arbeits- und Sozialverhalten. Wahrscheinlich stimmt beides. Junge Menschen müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen und nicht beim ersten Gegenwind das Handtuch zu werfen. Unternehmen müssen vielleicht gleichzeitig wieder stärker verstehen, dass ein Azubi keine erstaunlich günstige Vollzeitkraft mit gelegentlicher Berufsschulunterbrechung ist. Ausbildung hat tatsächlich etwas mit Ausbilden zu tun.
Und ich sitze hier derweil mit einem Teenager in Klasse 9 und bin ziemlich gespannt, welchen Weg sie irgendwann einschlagen wird. Aktuell möchte sie im nahen Ausland studieren. Das kann sich noch ungefähr zwölfmal ändern. Sie hat ja noch ein paar Jahre. Vielleicht ist genau das auch ganz gut so. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wir überschätzen regelmäßig den Wert geradliniger Lebensläufe. Als müsse eine Entscheidung, die man mit erstaunlich wenig Lebenserfahrung trifft, anschließend möglichst widerspruchsfrei bis zur Rente verteidigt werden. Man darf falsch abbiegen. Man darf zurück. Man darf einen anderen Weg nehmen. Und manchmal ist das gar kein Scheitern. Sondern einfach Erwachsenwerden.
Danke sagen
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Den jungen Kollegen, der mir sehr viel Support zugekommen lassen hat, zum
Mittagessen eingeladen. Der mir unterstützend unter die Arme griff. Und von
dem i...
vor 5 Stunden

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