Sonntag, Oktober 25, 2026

beweismaterial.

Ich habe gestern versucht, ein schönes Foto vom Teenie und mir zu machen. Eigentlich eine überschaubare Aufgabe. Zwei Menschen, ein Handy, der Stephansdom im Hintergrund. Wien bei Nacht. Sogar die Beleuchtung stimmte. Gut, es regnete. Aber man kann ja nicht alles haben. 47 Fotos später war ich mir da nicht mehr so sicher.Das Problem ist nämlich, dass wir offenbar nicht gleichzeitig gut aussehen können. Auf Foto 1 sehe ich aus, als hätte ich gerade meine Steuererklärung geöffnet. Das Kind sieht bezaubernd aus. Auf Foto 7 habe ich endlich einen vernünftigen Gesichtsausdruck. Dafür schaut meine Tochter, als hätte ich sie gegen ihren Willen auf einen Betriebsausflug mitgenommen. Foto 12 wäre perfekt gewesen. Hätte ich nicht gerade gesprochen. Mein Gesicht befindet sich irgendwo zwischen Zahnarztbesuch und Schlaganfall. Auf Foto 23 sehe ich richtig gut aus. Das Kind leider, als wäre es gegen seinen Willen mit mir verwandt.

Zwischendurch diskutieren wir über Kamerawinkel, Licht und die Frage, warum ich das Handy immer so komisch halte. Ich halte es überhaupt nicht komisch. Ich halte es so, dass mein Doppelkinn möglichst wenig Gelegenheit bekommt, sich öffentlich zu präsentieren. Die Untermieterin hat solche Probleme nicht. Sie kann sich innerhalb von Sekunden von einem reizenden jungen Mädchen in eine Person verwandeln, die aussieht, als würde sie gleich die Weltherrschaft übernehmen. Oder mich enterben. Je nachdem, was schneller geht. Ich hingegen brauche inzwischen eine gewisse Vorbereitungszeit, um mein Gesicht in eine halbwegs fototaugliche Position zu bringen. Irgendwann haben wir angefangen, Grimassen zu schneiden. Und siehe da. Plötzlich funktionierte es. Keine Diskussionen über Winkel. Keine kritischen Blicke auf das Display. Keine Versuche, möglichst vorteilhaft auszusehen. Einfach zwei alberne Menschen vor einer ziemlich beeindruckenden Kirche. Ich habe die Fotos später noch einmal durchgesehen. Das schönste ist übrigens nicht das, auf dem wir beide besonders hübsch aussehen. Sondern das, auf dem wir lachen. Natürlich ist es verwackelt. Man kann nicht alles haben.

Morgen dann der Endgegner: Fotoautomat :)

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