Samstag, März 21, 2026

post.

Ich bin ja noch so ganz oldschool unterwegs und schreibe nach wie vor immer und überall sehr gern Postkarten und Briefe. Die Untermieterin ist damit aufgewachsen, dass sie früher auf jede Karte noch ein kleines Bild malen sollte. Bei der Menge der Karten fühlte sich das im Urlaub oder zu Weihnachten regelmäßig wie Kinderarbeit an. Später schrieb sie Karten an ihre Freunde und freute sich jedesmal ein Loch in den Bauch, wenn sie auch eine Karte bekam. Jetzt hat sie - auf Empfehlung - Postcrossing entdeckt, ich habe einfach mal ein Konto für uns eingerichtet. Und es ist sooo schön zu sehen, wie viel Freude ihr das Aussuchen und Schreiben der Karten macht. Sie liest vorher immer das Profil sehr genau und schaut auf Google Maps, wo das Ziel der Karte genau liegt. Wir haben eine schwarze Pappkiste, gefüllt mit unzähligen Postkarten, bunten Briefmarken und Stickern. Gestern kam ihre erste Karte beim Empfänger an und es gab so liebes Feedback, dass das Kind sehr breit grinste und hingebungsvoll eine neue Karte schrieb. Die nächste Karte geht nach Indien, stecke ich auf dem Weg zum Yoga gleich ein. Gestern hat sie schon beim Universum bestellt, dass die nächste nach Thailand geht. Es ist China geworden, aber ich denke, das ist okay.

Freitag, März 20, 2026

perspektive.

Es fällt mir wie Schuppen von den Augen, als sich innerlich plötzlich beginnt etwas zu verschieben und ich anfange zu verstehen. Es ist der Wechsel der Perspektive und die Akzeptanz, die mir letztendlich seelische Erleichterung bringen, ohne etwas zu schmälern oder relativieren. Zwischen damals und heute. Vielleicht habe ich ein bisschen unterschätzt, wie anstrengend und fordernd so ein Perspektivwechsel ist - nach so vielen Jahren. Damals ging es ausschließlich ums Überleben, heute geht es ums Verstehen, Verarbeiten und Integrieren. Mein System hat sehr lange einfach funktioniert. Still, effizient, kompromisslos. Es hat Dinge wegsortiert, abgespalten, mich geschützt. Ich habe getan, was nötig war, um weiterzumachen. Jetzt ist das allmählich anders. Ich kann hinschauen und es aushalten. Ich kann langsam benennen, was war. Ich kann fühlen, was es mit mir gemacht hat. Manchmal macht mich das unfassbar wütend, dann unendlich traurig. Und genau darin liegt eine enorme Kraft, aber auch eine Form von Anstrengung, die unglaublich viel Energie zieht. Es gibt kein Wegdrücken mehr. Ich empfinde das erste Mal in meinem Leben so etwas wie Mitgefühl - für mich selbst. Etwas, dass ich noch nie gefühlt habe. Die Härte bröckelt. Ich merke, wenn etwas in mir kippt. Ich merke, wenn ich sensibel werde oder wütend. Ich merke, wenn alte Muster anspringen, schneller als mein Verstand überhaupt hinterherkommt. Heute bin ich wirklich in Beziehung. Zu mir selbst und zu anderen. Ich spüre, wenn Unsicherheit hochkommt. Ich spüre, wenn ich Nähe suche, nicht nur, weil ich sie will, sondern weil ein Teil in mir Sicherheit braucht. Das ist alles nicht dramatisch, aber es ist anstrengend. Weil ich nicht mehr einfach funktioniere. Weil ich da bleibe. Weil ich mich nicht mehr verlasse. Und genau das ist der Unterschied. Ich kann sagen, was in mir passiert. Ich kann alles fühlen, auch die schlimmen Dinge, ohne daran zu zerbrechen. Ich kann bleiben, bei mir. Heilung ist kein schöner, gerader Weg. Sie ist leise, manchmal widersprüchlich und definitiv sehr oft ziemlich fordernd.

Mittwoch, März 18, 2026

Dienstag, März 17, 2026

tempo.

Das Leben hat selten das Tempo, das man geplant hat. Meistens ist es entweder schneller oder interessanter.

Sonntag, März 15, 2026

a oder b?

Die Untermieterin stellte beim Abendessen eine sehr spannende Frage. "Würdest Du lieber Deine Erinnerungen der Vergangenheit behalten oder die Möglichkeit besitzen, neue Erinnerungen zu schaffen, dafür aber Deine Vergangenheit vergessen?! Man muss sich für eins entscheiden!" Wir haben das kurz diskutiert und stellten fest, wie schwierig es ist, sich zu entscheiden. Ich sagte spontan, ich würde nicht immer nur in der Vergangenheit leben wollen, sondern Erinnerungen und Erlebnisse schaffen. Leben wollen.

Und dann habe ich kurz an Punkte und Menschen meiner Vergangenheit gedacht, die mich zutiefst geprägt und geformt haben. Manchmal merkt man erst, wie sehr ein Mensch Teil der eigenen Lebensarchitektur war, wenn plötzlich eine tragende Wand fehlt. Er gehörte Jahre zu meinem Leben. Nicht perfekt, nicht immer leicht, aber real. Mit all den kleinen Momenten, aus denen sich Beziehungen zusammensetzen. Gespräche, Streit, Versöhnungen, gemeinsame Pläne und Wege, die irgendwann auseinanderliefen. Und dann kam dieser eine Moment, der alles endgültig macht. Ein Satz, den man liest oder hört und der sich erst einmal völlig unwirklich anfühlt. Der Mensch, mit dem man einmal ein Kapitel seines Lebens geteilt hat, ist plötzlich nicht mehr da. Was mich lange begleitet hat, war ein Gefühl von Schuld. Die leise Frage, ob man etwas hätte anders machen können. Ob ein anderes Wort, eine andere Entscheidung, ein anderer Weg etwas verändert hätte. Aber das Leben beantwortet solche Fragen nie.

Eine Zeit lang habe ich geglaubt, dass mich diese Geschichte zerbricht. Dass der Schmerz größer ist als alles, was ich jemals tragen kann. Es gab Tage, an denen ich das Leben gehasst habe. Tage, an denen ich mir gewünscht habe, einfach aufzuhören zu fühlen. Und doch geht das Leben weiter. Nicht weil man es will. Sondern weil es einfach nicht stehen bleibt. Niemals. Es ist seltsam, wie das Leben funktioniert. Manche Beziehungen enden lange bevor ein Leben endet. Und manchmal endet ein Leben, bevor man verstanden hat, was diese Beziehung eigentlich bedeutet hat. Und doch bleibt etwas bestehen. Erinnerungen, Geschichten, vielleicht auch eine leise Dankbarkeit für die Zeit, die man einmal gemeinsam hatte. Er ist Teil meiner Vergangenheit, aber er ist auch Teil meiner Geschichte. Und Geschichten verschwinden nicht einfach. Manche Menschen gehen aus unserem Leben. Manche bleiben auf eine andere Weise. Vielleicht liegt die Antwort auf diese Frage genau darin. Erinnerungen und neue Erlebnisse lassen sich nicht wirklich trennen. Unsere Vergangenheit ist letzlich der Boden, auf dem alles Neue wächst.

strategin.

Meine Strategie für schwierige Tage ist relativ einfach. Bequeme Schuhe. Der Wald vor der Tür. Frische Luft. Freundinnenzeit und ein Stück Kuchen. Und keine vorschnellen Entscheidungen.

Samstag, März 14, 2026

menschenkenntnis.

Menschen sagen viel über sich. Meistens nicht mit Worten.
Ihr Verhalten erzählt alles.

Freitag, März 13, 2026

kuddelmuddel.

Wenn sich berufliche Reiseplanungen und das eine kinderfreie Wochenende in wenigen Tagen, gefühlt, 12x ändern. Erst so, dann doch wieder ganz anders, dann wieder alles zurück. Alles nicht so optimal, das Kind ist super genervt und sauer. Mir hätte es anders auch deutlich besser gepasst. Aber was will man machen?

alleinerziehend.

Alleinerziehend zu sein bedeutete auch, dass niemand da war, der sagt: „Ich mache das schon.“ Also macht man es eben selbst. Man funktioniert. Immer. Die Tage hing ich ziemlich durch. Der Tag war lang, der Kopf völlig leer, der Körper unfassbar müde. Und während ich noch überlegte, wie der Abend irgendwie funktionieren soll, stand plötzlich jemand in der Küche und hat für uns gekocht. Ganz selbstverständlich. Ohne großes Aufheben. Es war einfach das Beste. Es war vielleicht nichts Besonderes. Und gleichzeitig für mich genau das(!!!). Denn irgendwann merkt man, dass sich etwas verändert. Spürbar. Ich muss plötzlich nicht mehr alles alleine tragen. Noch ein sehr ungewohntes Gefühl, aber ein gutes und ich bin dankbar. Alle waren glücklich, vor allem der Koch, dass er das tun konnte. Das ist dieses "Wir sind jetzt zu zweit.", daran erinnert er mich noch regelmäßig. Dann merke ich wieder, wie sehr noch diese Einzelkämpferin in mir steckt. 

Donnerstag, März 12, 2026

küche.

Die Küche ist bei uns DER zentrale Ort. Ich liebe unsere Wohnküche mit der runden Wand. Ich liebe das natürliche Licht, das morgens in die Küche fällt. Und ich liebe diesen massiven Holztisch mit Platz für sechs bis acht Personen. An diesem Tisch wird gegessen, geredet, gelernt, gearbeitet, gelacht, geweint, diskutiert, sinniert und manchmal auch einfach nur gesessen. Das reicht oft schon. Hin und wieder ist auch jemand plötzlich nackt und trinkt Cuba Libre, habe ich gehört. 

Dieser Tisch könnte so viele Geschichten & Anekdoten erzählen.

Mittwoch, März 11, 2026

rücksicht.

Aus Rücksicht auf den Mann und seinen Terminkalender habe ich beschlossen, nicht an meiner Mandelentzündung zu sterben und ins Licht zu gehen. Er meinte nämlich mal, das wäre organisatorisch sehr ungünstig, weil er dann Ersatz bräuchte und der müsse erstmal gefunden werden und das wäre total unnötiger Stress. Romantisch, wie ein Steuerbescheid. Und wir wollen ja nicht, dass er traurig ist. Also bleibe ich gehässig und pflichtbewusst am Leben. Antibiotikum, Tee und eine gewisse Grunddisziplin. Mein Wochenziel: Überleben und den Mann vor unnötigem Datingaufwand bewahren. Außerdem will ich noch wissen, wie sich die neue Grillpfanne macht und was aus dem mir versprochenen Steak wird. Effizienz ist schließlich auch eine Form von Liebe.

Montag, März 09, 2026

ping-pong.

Erstes Viren-Pingpong. Direkt einmal zu dritt geteilt. Montagmorgen: BÄM! F*ck. Das gab's zuletzt in der Kita und die ist über 8Jahre her. Ich fühle mich heute wie ein Eimer. Ein sehr alter Eimer mit schmerzendem Körper. Kippe intravenös Tee in mich rein. Kollegin: "Du gefällst mir gar nicht." Ich gehe auch gleich ins HO. Die Beste war die Apothekerin heute morgen, die erklärte, dass die Viren auch gerade so richtig schön rumgehen. Freude. 50€ in der Apotheke gelassen für 'Stoff'.