Freitag, November 06, 2026

durchblick.

Die Untermieterin braucht eine Brille. War nur eine Frage der Zeit. 15 Jahre lang habe ich versucht, ihr den richtigen Durchblick fürs Leben mitzugeben. Jetzt stellt sich heraus, dass es schon an der Schultafel scheitert. Immerhin ist die Fehlsichtigkeit überschaubar. Die Begeisterung über die Aussicht auf eine erste Brille dagegen erstaunlich groß. Sie wollte schließlich schon immer eine haben.

Wir waren bereits beim Optiker. Es wurden Gestelle aufgesetzt, begutachtet und wieder verworfen. Ich durfte beratend tätig werden. Meine Meinung wurde zur Kenntnis genommen. Nicht zwingend berücksichtigt. Drei Gestelle haben es immerhin in die engere Auswahl geschafft. Eine davon ist rot gemustert. Mir gefällt ihr Geschmack. Am liebsten hätte sie eine so große Brille wie meine. Eine markante Statement-Herrenbrille. Leider sieht sie damit noch aus wie Puck, die Stubenfliege. Sie bedauert das ein bisschen. Morgen möchte sie noch bei zwei weiteren Optikern vorbeischauen, die moderner sind. Die Termine sind bereits gemacht. Ich sehe schon, wohin das führt. Demnächst sitzen hier zwei Brillenträgerinnen, die sich gegenseitig erklären, wo die jeweils andere ihre Brille hingelegt hat.

Immerhin sehen wir dann beide, wenn die Wohnung unaufgeräumt ist. Ob das ein Fortschritt ist, wird sich zeigen.

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