Sonntag, Juni 22, 2008

Alles anders ;O)

Man legt seine Hand nur einmal auf eine heiße Herdplatte. Und dann nie wieder. Doch wenn es um den falschen Mann geht, sind Frauen einfach unbelehrbar.

Sieht gut aus, der Typ dort drüben. Schon fast zu schön. Leider weiß er das auch. Den kann man so was von vergessen. Von so einem selbstgefälligen, aalglatten Charmebolzen lässt sie sich schon mal aus Prinzip nicht beeindrucken, das gibt nur Ärger.

Bestimmt hat der da nur irgendeine abgedroschene Anmache drauf - so einer gibt sich nicht mehr Mühe als nötig. Dann schon lieber ein souveräner Mann mit Tiefgang, der weniger Aufmerksamkeit erregt, dafür nicht ständig beim Gespräch an einem vorbeischaut.

Au Backe, da kommt er schon. Der will wohl unbedingt 'ne Abfuhr kassieren.
"Hallo, kennen wir uns nicht?"
"Äh ... ich weiß nicht ...".
"Mann, hast du Wahnsinns-Augen! Darf ich?"
"Na gut!"

Zwei Wochen später ruft sie ihre Freundin an:
"Hast du Zeit?"
"Wie schlimm ist es diesmal?"
" Erst das Blaue vom Himmel, dann die Hölle auf Erden."
"Mit anderen Worten: das Übliche. Und, hast du ihm den Laufpass gegeben?"
"Nicht nötig. Er ist seit Tagen verschollen - akute Bindungsangst."
"Au weia".
"Woher sollte ich denn wissen, dass so ein netter Typ in Wirklichkeit nur auf ein Abenteuer aus ist? "
"Vielleicht anhand deiner letzten zehn, zwölf Abenteuer?"

Herz zu verpulvern!

Wie viele Versuche benötigt ein Mensch von durchschnittlicher Intelligenz, um zu erkennen: Man fasst nicht auf eine heiße Herdplatte, zu viele Ölsardinen verursachen Übelkeit, Schurwolle gehört nicht in die Waschmaschine? Richtig - höchstens einen.

Spätestens dann hat man kapiert, wie sich Brandblasen anfühlen, dass eine Kloschüssel von innen alles andere als gut riecht und dass selbst aus einer flauschigen Jacke ein verfilztes, hässliches Knäuel werden kann.

Dass jemand immer wieder aufs Neue denselben dummen Fehler macht und dabei glaubt, es würde diesmal ganz bestimmt gut gehen, ist eher unwahrscheinlich. Einzige Ausnahme: der Umgang mit Mistkerlen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Dingen gehen wir mit unseren eigenen Gefühlen nicht gerade zimperlich um. Ohne Rücksicht auf Verluste stellen wir unser Herz voller Euphorie für jeden noch so aussichtslosen Selbstversuch zur Verfügung.

Wie viele solcher Fehlgriffe muss man eigentlich hinter sich bringen, um endlich zu erkennen: Irgendwas läuft hier schief!

"Wenn ich gewusst hätte, dass dieser Mistkerl ..."
"Du hättest ihn ja etwas besser abklopfen können".
"Dann hätte er sich nur bedrängt gefühlt".
"Oh, das wäre natürlich fatal. Bedrängen ist ja schließlich sein Job."
"Ein bisschen Zeit wollte ich ihm schon lassen."
"Wie viel denn noch, immerhin wolltet ihr demnächst eine Wohnung suchen ..."
"Ach woher, das war Jan. Erinnere mich bloß nicht an den! Das ist längst vorbei."
"Verstehe. Und mit dem Nachfolger bist du lieber erst mal ins Bett als mit der Tür ins Haus gefallen".
"Spar dir deine moralinsauren Sprüche. Du hast einfach keine Ahnung."
"Stimmt, ich habe keinen Schimmer, wie so was passieren kann".

Es ist schon beeindruckend. Es gibt so viele verschiedene Arten von Männern: Karrieretypen, Frauenversteher, Fitnessgurus, Intellektuelle, Dicke, Dumme, Lustige. Aber ihre Freundin schien auf eine Eigenschaft besonderen Wert zu legen: Er muss ein Schwein sein.

Das an sich wäre schon skurril genug. Doch warum musste sie jeden einzelnen von ihnen ausprobieren?
"Kannst du nicht wenigstens nur jede zweite Pappnase ranlassen?"
"Du verstehst das nicht. Ich denke eben jedesmal, diesmal wird alles anders."
"Quatsch. Du denkst, ER wird anders. Du glaubst, du könntest ihn umbiegen. Ihn bekehren.""Ist doch dasselbe, oder?"

Vermutlich setzt sie sich auch vor ihre Waschmaschine, fixiert das Bullauge und glaubt, dass ihr bloße Anwesenheit eine Wolljacke daran hindern könnte, bei 60 Grad einzugehen.

Diesmal wird alles anders

Mittlerweile dauern die Leidensphasen länger als die Affären. Die Schnitte sitzen tief und sind so zahlreich, dass man sich nur wundert, wie sich immer noch Platz für eine weitere schmerzhafte Erfahrung findet.

Dennoch zählt nur eins: neues Spiel, neues Glück. Selbst wenn sie auf den ersten Blick erkennt: Von dem sollte ich lieber die Finger lassen, glaubt sie bereits im nächsten Moment fest daran, dass sie dazu imstande ist, aus dem Vorstadtcasanova einen geläuterten Familienvater zu machen.

Bei ihrer Planung hat sie nur leider eines übersehen: Wieso sollte ein Mann sich die Mühe machen, eine Frau in wochenlanger Kleinarbeit zu erobern, nur um sie ins Bett zu kriegen - wenn er dasselbe auch mit ein bisschen Anmacher-Mimik (wissendes Lächeln, Augenbrauen abwechselnd hochziehen, sie über den Rand der Sonnenbrille anschauen) und ein paar gesäuselten Worten erreichen kann?

Männer sind Pragmatiker. DAS wird sich niemals ändern.

Bleib wie du bist

Wenn dann die Realität gesiegt hat, ist die Enttäuschung groß.
Noch größer aber ist ihre Wut, denn: Eigentlich hat sie es längst gewusst. Aber sie wollte es ja unbedingt.

Damit ist nun Schluss! Sie hatte endgültig genug von diesen eitlen, verlogenen Eintagsfliegen. Sie hatte verstanden: Man kann einen Mann nicht verändern. Aus einem Fliegenpilz wird nun mal kein Trüffel, und aus einem bindungsscheuen Sprücheklopfer kein sensibler Frauenflüsterer.

Deshalb gab es nur einen Weg: Sie musste ihre Einstellung ändern. Noch besser: ihr Beuteschema. Wenn sie sich nur genügend Zeit ließe, um den perfekten, den richtigen Partner zu finden, wäre alles ganz leicht. Dann könnte er auch bleiben, wie er ist, nichts müsste sich ändern. Und alle wären glücklich. Diesmal würde sie auf Nummer sicher gehen.

"Hallo, ist der Platz noch frei?"
"Kommt darauf an, haben Sie Frau und Kind?"
"Gottchen, nein! Ich steh auf Kerle."
"Kein Problem, das kriegen wir schon hin. Setz dich!"



Wir glauben halt immer an unseren Traumprinzen. Und der hat gaaaanz bestimmt schöne Augen, flüstert uns was Zärtliches ins Ohr und versteht uns. Es ist schon interessant, dass Frauen beim Thema Selbstbetrug so großartig sind. Egal ob es Diäten ("die Hose MUSS eingegangen sein!"), berufliche Leistung ("der Chef kann mich nur nicht leiden, deshalb kriege ich immer die stupiden Aufgaben") oder eben Beziehungskisten ("Männer sind Schweine!!") betrifft.Jede, die ihre rosafarben selbstverliebte Brille beim Blick in den Spiegel einmal abnimmt, wird auf genau dieses Problem stoßen. Selbstkritik tut weh, aber am Ende gut.

*schmunzel* Warum sind Frauen so masochistisch veranlagt??? Ich meine irgendwann muss es doch mal gut sein!?

Mein Traumprinz auf dem Fensterbrett - sprich Frosch verliert langsam seine Farbe - er wird allmählich blassgrün...


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