Ich glaube, ich verstehe immer besser, wie wichtig mir echte Präsenz ist. Nicht als großes Konzept. Nicht als Forderung. Nicht als weiterer Punkt auf der ohnehin schon absurden Liste dessen, was Menschen angeblich alles leisten müssen, um beziehungstauglich zu sein. Eher als etwas sehr Einfaches. Da sein, wenn man da ist. Das klingt so schlicht, dass man es fast überlesen könnte. Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Anwesenheit können viele. Körper im Raum, Kopf woanders. Neben jemandem sitzen und trotzdem nicht wirklich dort sein. Das passiert. Mir auch. Das Leben ist laut, der Kopf ist voll, das Handy blinkt, irgendeine innere ToDo- oder Einkaufsliste führt immer Protokoll. Präsenz ist für mich etwas anderes.
Präsenz ist eher, den anderen bei all dem alltäglichen Wahnsinn nicht ganz aus dem Blick zu verlieren. Zwischen Arbeit, Terminen, Nachrichten, Verantwortung, Stress, eigenen Gedanken und diesem ganzen Grundrauschen, das einen enger macht. Oder wieder hinzuschauen, wenn man merkt, dass man kurz verschwunden war. Sie beginnt in diesen kleinen Momenten, in denen jemand merkt, dass ein Satz nicht nur ein Satz ist. Dass ein „alles gut“ vielleicht gerade nur mittelgut konstruiert wurde. Dass jemand kurz leiser wird, obwohl er nach außen noch hervorragend funktioniert. Ich brauche keine Daueraufmerksamkeit. Überhaupt nicht. Keinen emotionalen Butler, keine Dauerschalte in meine Innenwelt, keine Panflöte im Hintergrund.
Aber ich merke, dass es mich tief beruhigt, wenn jemand wirklich da ist. Nicht perfekt. Nicht immer. Aber echt. Manchmal heißt Präsenz einfach nur, ich halte diesen Moment mit Dir aus. Keine Filmszene. Zu wenig Regen, zu wenig Bahnhof, zu wenig Mantelkragen. Eher Küchenlicht. Müde Gesichter. Wassergläser. Halbe Sätze. Ein Blick, der bleibt. Jemand, der fragt und nicht nur auf die nächste Gelegenheit wartet, selbst etwas zu sagen. Ich traue diesen kleinen Momenten mehr als jedem großen Versprechen. Weil Alltag so viel ehrlicher ist als Feuerwerk. Im schönen Licht kann man viel fühlen. Im normalen Licht zeigt sich, ob man wirklich miteinander da sein kann. Mit beiden Füßen im Raum. Nicht immer glänzend. Nicht immer souverän. Nicht immer sofort richtig. Aber anwesend. Vielleicht ist genau das der Teil, der etwas weiter wachsen lässt.
„Komme gleich wieder“
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Der Mann vor mir an der Kasse ist jünger als ich, deutlich muskulöser auch.
Einen Jogginganzug trägt er, und überhaupt hat er eine deutlich
wahrnehmbare,...
vor 5 Stunden

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