Ich habe nie verstanden, warum Menschen lügen, um geliebt zu werden. Irgendwann kommt doch sowieso alles ans Licht. Immer. Das liegt in der Natur der Sache. Und dann muss man plötzlich nicht nur die Wahrheit aushalten, sondern zusätzlich noch die Enttäuschung verwalten. Vielleicht ist genau das das eigentlich Zerstörerische daran. Nicht der Fehler. Nicht die Schwäche. Nicht einmal der Verrat. Sondern dieses Gefühl, dass man einer Version eines Menschen vertraut hat, die strategisch gebaut wurde. Kuratiert. Geglättet. Emotional optimiert.
Ich glaube inzwischen, dass viele Menschen weniger Angst davor haben, abgelehnt zu werden, als davor, wirklich gesehen zu werden. Also machen sie sich passend. Polieren Kanten weg. Verschweigen Bedürfnisse. Spielen Klarheit, während innerlich längst Chaos herrscht. Erfinden emotionale Souveränität, weil Verletzlichkeit sich für viele anfühlt wie Kontrollverlust. Und vielleicht berührt mich das so sehr, weil ich mich darin selbst erkenne. Weil es für mich unfassbar schwer ist, mich wirklich zu zeigen. NICHT die funktionierende Version. NICHT die reflektierte. NICHT die starke. Sondern die unperfekte. Die erschöpfte. Die unsichere. Die, die eben nicht immer alles im Griff, einen Masterplan oder sofort Antworten hat. Wirklich gesehen zu werden, ohne sich vorher zu sortieren, fühlt sich für mich nicht romantisch an. Eher gefährlich. Weil Sichtbarkeit immer bedeutet, dass jemand theoretisch auch entscheiden könnte zu gehen. Vielleicht kontrolliert man deshalb so viel. Vielleicht baut man sich deshalb Versionen von sich selbst, die leichter liebbar wirken.
Aber Nähe funktioniert nicht über perfekte Inszenierung. Jedenfalls keine echte. Nähe entsteht dort, wo etwas unfertig bleiben darf. Wo man nicht permanent versucht, die eigene Wahrheit in eine schöne Form zu bringen. Wo jemand das Chaos sieht beziehungsweise sehen darf und trotzdem nicht sofort die Distanz vergrößert. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Tragik. Dass Menschen so sehr geliebt werden wollen, dass sie ausgerechnet das verstecken, was sie überhaupt erst echt macht.
12 von 12 - Mai 2026
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Nicht vergessen!
Heute ist wieder Zeit für "12 von 12", also nix wie ran an die Kamera und
losgeknipst!
Bis später!
LG von Caro
vor 5 Minuten

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