Gestern wurde final der letzte Schwung angeliefert. Wir haben in den letzten Wochen schon einiges zusammen aufgebaut. Möbel vor allem. Und vielleicht auch ein bisschen diese Routine, bei der keiner heimlich die Anleitung übernimmt, keiner „nur mal kurz“ alles besser weiß und niemand dieses besondere Schweigen anschaltet, bei dem selbst der Akkuschrauber schlechte Stimmung oder Angst bekommt. Wir haben uns zunehmend auf das Betriebssystem des anderen eingestellt. Das ging erstaunlich gut.
Wir alle wissen, so ein Aufbau hat durchaus sehr viel Potenzial. Zwei Menschen, ein Brett, das aussieht wie alle anderen Bretter, Schrauben in Tütchen mit Nummern oder Buchstaben, die man nur mit spiritueller Begabung auseinanderhalten kann, drölf Imbusschlüssel und diese eine Zeichnung, die aussieht, als hätte ein sehr stiller Schwede versucht, ein Beziehungsproblem ohne Worte zu erklären. Da redet man dann plötzlich ganz schnell nicht mehr über Seite 14 der Anleitung, sondern über Grundsätzliches. Über Kindheit. Über Bindungsmuster. Und darüber, warum jemand angeblich „nur kurz helfen“ wollte.
Aber nichts. Kein Streit. Kein Drama. Kein „gib mal her, ich mache das selbst!“. Kein genervtes „das gehört aber andersrum“. Kein „ich hab’s doch gesagt“. Kein passiv-aggressives Atmen über Pressspan. Kein schweres Schweigen. Stattdessen: Schrauben sortiert, gelacht, aufgebaut. Nebenbei angeregt über Gott und die Welt geredet. Über alles und nichts. Parallel durch die Anleitungen navigiert und schwedische Piktogramm-Poesie in halbwegs sinnvolle Handgriffe übersetzt, wir bauen gemeinsam. Hand in Hand. Der Mann meinte letzte Woche, wenn wir das auch noch aufgebaut bekommen, ohne uns gegenseitig umzubringen, dann schaffen wir alles. Heute stellte er zwischendurch fest, dass wir immer besser werden. Stimmt. Andere machen Paartherapie. Wir bauen Regale inzwischen entspannter, schneller und souveräner auf, als sie gestern hochgetragen wurden.
Es nimmt Form an und wird. Ich bin ziemlich begeistert. Das wird richtig gut.

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