Es gibt Augenblicke, die klingen in Filmen deutlich besser als im echten Leben. Zum Beispiel nachts vor einer Tür stehen und jemandem seine Liebe gestehen. In der Theorie sehr mutig. In der Praxis vor allem sehr überraschend. Ich stand da, barfuß, leicht übermüdet, irgendwo zwischen Mitgefühl und der Frage, ob ich gerade Teil eines Dramas oder eines sehr missverstandenen Moments bin. Er sagte große Sätze. Von Gefühl, von Bedeutung, von „das musste jetzt raus“. Ich holte zwei Gläser Wein. Nickte höflich, während mein Kopf parallel organisierte, die Situation einzuordnen, Grenzen zu halten, niemanden zu verletzen, aber trotzdem sehr deutlich zu sein und bitte keine Szene. Liebe, so viel weiß ich, ist nicht unbedingt ein Notfall, der nachts an der Tür klingeln muss. Sie hält auch Tageslicht aus. Und Kaffee oder Tee. Und ein Gespräch, bei dem beide richtig wach sind. Als die Tür wieder zu war, blieb vor allem ein Gedanke - Mut ist gut. Timing aber auch.
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