Freitag, Februar 13, 2026

ordnung.

Der erste Urlaub ohne die Untermieterin steht an - nach acht Jahren. Ich weiß noch, wie wir hier damals eingezogen sind. Drei Wochen später bin ich ein einziges Mal ohne Kind weggeflogen. Roadtrip durch die UK für 8Tage. Mein Vater hat das Kind gehütet. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt mit vielen Tränen, beim Kind. Sie haben das großartig gemacht. Als ich zurückkam, warteten im Tiefkühlschrank sehr viele Dosen mit eingefrorenen vorgekochten Gerichten. Und ein kleines Mädchen, das mir sehr klar erklärte, dass sie sich zukünftig an mich kleben und mir überallhin folgen wird. Verrückterweise sagt sie das bis heute. 

Und irgendwie war das auch so. Es war nie wieder ein Thema. Sie ist der beste Urlaubsbuddy, den ich mir wünschen kann. Neugierig, unkompliziert, offen für Abenteuer. Ich liebe es, mit ihr zu reisen. Unsere Insiderwitze. Unsere Diskussionen über Frühstücksbuffets. Unsere gemeinsamen „Nur noch einmal ins Meer“-Momente. Wir zwei gegen den Rest der Welt. Jetzt testen wir das mal. Wir haben lange darüber gesprochen, ob das für sie in Ordnung ist. Nicht zwischen Tür und Angel. Nicht als Verkündung. Sondern als echtes Gespräch. Mit Raum für alles. Für Trotz. Für Angst. Für Ehrlichkeit. Sie bleibt hier. In ihrem Umfeld. Mit ihren Routinen. Mit Menschen, die sie kennt. Und ich merke trotzdem, es ist schwer für sie. Sie möchte uns das von Herzen gönnen. Sie möchte reif sein. Sie sagt, sie findet es gut. Und gleichzeitig liegt da diese leise Traurigkeit: Ich bin nicht dabei. Und das darf sie auch sein. Ich sehe es in den kleinen Pausen. In den längeren Umarmungen. In diesem Blick, der sagt: Ich schaffe das. Aber es tut ein bisschen weh. Es zerreißt sie ein bisschen. Und vielleicht zerreißt es mich auch ein bisschen. Liebe bedeutet nicht, dass man alles immer richtig gut finden muss. Manchmal bedeutet sie, etwas auszuhalten, obwohl es ein bisschen weh tut.

Für sie ist es vielleicht das erste Mal, dass sie spürt: Mama hat auch noch eine andere Rolle. Eine, in die ich nicht automatisch dazugehöre. Für mich ist es das erste Mal seit Jahren, dass ich bewusst einen Raum betrete, der nicht Mutter-Tochter ist, sondern Frau-Mann. Das ist Wachstum. Und Wachstum zieht manchmal. Ich gehe nicht, weil ich sie weniger brauche. Im Gegenteil. Ich gehe, weil ich auch Partnerin bin. Und weil ich mich tatsächlich so richtig freue auf diese bewusste Zeit zu zweit. Sieben Jahre lang waren wir ein System. Ein Team. Eine kleine eingeschworene Einheit. Reisen bedeutete: immer wir zwei. Diesmal bedeutet es: Ich gehe. Und sie bleibt. Und vielleicht ist genau das der nächste Schritt. Nicht weniger Nähe. Sondern mehr Raum.

Wir werden ihr selbstverständlich ganz viele Fotos schicken, wie schrecklich furchtbar dieser Urlaub ohne sie ist - und mit ihr Videotelefonieren, sofern sie Zeit für uns hat. Und ich weiß jetzt schon, wenn ich zurückkomme, wird sie wieder ein Stück größer sein. Ausserdem freut sie sich bereits jetzt auf den Sommer zu dritt. 

Mittwoch, Februar 11, 2026

kreise.

Die Nacht hatte Zähne. Keine Geschichte, kein klarer Anfang, kein Ende. Nur Bewegung. Flucht. Beton unter den Füßen. Kälte an den Wänden. Schritte hinter mir. Kein Gesicht, nur Druck. Keine Worte, nur Demütigung wie ein Geruch, der sich festsetzt. Ich bin gerannt. Habe gesucht, obwohl Verstecke in Träumen nie halten. Diese Tiefgarage ist alt. Dunkel. Sie gehört nicht zur Gegenwart. Und doch kennt mein Körper jeden Winkel. Er stolpert, lange bevor der Verstand begreift. Ich erreiche die Tür und reiße die Klinke runter. Dann das Aufschrecken. Dieses gewaltsame Zurückgerissen werden in ein Zimmer, das sicher ist. Es ist 02.07Uhr, zeigt mein Display. Mein Atem geht zu schnell. Das Kissen ist nass. Meine Hände und Füße kalt. Für einen Moment keine Orientierung. Nur Herzschlag. Es ist seltsam, wie etwas Vergangenes sich anfühlen kann wie Jetzt. Wie der Körper nicht unterscheidet zwischen damals und heute. Wie er Alarm schlägt. Der Morgen danach ist dünnhäutig. Alles ein bisschen näher an der Oberfläche. Geräusche zu laut. Und gleichzeitig dieses nüchterne Wissen. Es war ein Traum.

Heilung verläuft nicht linear. Sie ist keine Treppe. Eher ein Kreis, der manchmal wieder durch alte Räume führt. Man glaubt, sie hinter sich gelassen zu haben und steht plötzlich wieder im Dunkeln. Aber ich bin aufgewacht. Das ist der Unterschied. Ich bin aufgewacht.

Montag, Februar 09, 2026

brandherd.

Heute war Daueralarm. Überall Rauch, rote Lichter und große Brandherde. Ich hatte bereits kurz vor 10.00Uhr richtig Puls. Und dann habe ich nur noch reagiert. Ich bin gerannt, habe gelöscht, entschieden, gehalten. Feuerwehrmodus galore. An allen Ecken und Enden. So ein Tag, der nicht fragt, ob noch Kraft da ist, sondern sie einfach nimmt. Es kostet mich gerade so viel. Mehr, als ich nach außen zeige. Ich merke es daran, wie der Körper langsamer wird, obwohl der Kopf funktioniert. Wie alles ein bisschen schwerer greift. Wie selbst Routine plötzlich Aufmerksamkeit braucht.

Feuerwehr spielen kann ich, habe ich immer getan. Da bin ich richtig gut drin. Ich hätte Unterhändlerin werden sollen. Aber mental gehalten sein, während es brennt, ist etwas anderes. Das ist tatsächlich neu für mich. Keine Lösungen, keine Analysen. Nur Stimme. Nur Zuhören. Nur Verbindung. Das hat etwas geordnet. Mich ruhiger gemacht, als ich kurz über Auftragsmord nachgedacht habe. Mir Kraft gegeben. Es ist seltsam, wie wenig es manchmal braucht. Kein großes Auffangen. Kein Drama. Nur das Wissen, dass da jemand ist, auch wenn er gerade woanders ist. Das verändert den Tag. Nicht komplett. Aber genug.

Heute war wirklich kein schöner Tag. Kein leichter. Aber einer, den ich trotz allem gerockt habe. Mit etwas mentaler Hilfe. Und vielleicht ist das gerade das Entscheidende. Nicht immer alles allein löschen zu müssen. Auch dann nicht, wenn man richtig gut darin ist.

momentaufnahme.

Ein Arm, der hält. Präsenz, die nichts verlangt. Kein Weitergehen, kein Durchhalten. Nicht den Schmerz nehmen wollen, sondern ihn auszuhalten, ohne wegzusehen. Nicht zu retten, sondern einfach zu bleiben und auszuhalten. Nicht allein sein, während es weh tut.Vielleicht ist das Liebe in ihrer schlichtesten Form.

Sonntag, Februar 08, 2026

beziehungstest.

Date-Ideen. Man kann viel über Beziehungen reden. Kommunikation. Vertrauen. Nähe. Oder man geht einfach zu IKEA. An einem Samstag. Meine persönliche Hölle. Du triffst Menschen, denen Du sonst gern aus dem Weg gehst und das Schlimmste, sie treten in größeren Gruppen auf. Beziehungstest vom Feinsten. Mit ein bisschen autogenem Training und dem Festhalten am Einkaufswagen ging es, während der Mann seine Liste entspannt abgearbeitet hat. Der Endgegner war die Selbstbedienungskasse, aber ich würde sagen, haben wir richtig, richtig gut gemeistert. Ich finds immer wieder spannend, wie wir nach wie vor noch übereinander lernen. Er hat jetzt auf jeden Fall das allerschönste Geschirr. Und die Panierstraße haben wir gestern sofort eingeweiht mit Münchener Schnitzel.

Beziehungstest sowas von bestanden. Und er hat schon direkt verkündet, dass das Weihnachtsmenü dieses Jahr ihm gehört. Ich liebe alles daran. 

Freitag, Februar 06, 2026

schutzschicht.

Der Tag danach fühlt sich wild an. Ungezähmt. Ich habe kaum geschlafen. Mehr Wachsein als Ruhe. Der Körper war die ganze Zeit gespannt, aufmerksam, ohne Abschalten. Heute ist alles näher. Geräusche, Bewegungen, Haut. Die Schutzschicht fehlt. Berührung kommt nicht an wie Nähe, sondern wie Eindringen. Nicht falsch. Nur zu viel. Zu früh. Der Körper weicht zurück, schneller als jeder Gedanke. Es ist roh. Offen. Spannung sitzt unter der Haut, zwischen den Atemzügen. Nichts ist eskaliert und doch ist alles empfindlich. Der Körper trägt noch, was gestern aufgebrochen wurde. Ohne Sprache. Es ist ein Nachschwingen. Ein Zustand ohne Ordnung. Ich erkläre nichts. Ich halte nichts aus. Ich lasse. Der Körper weiß, dass alles in Bewegung ist. Ich tue etwas, was neu ist - ich gebe mir Raum. Ich lächle nicht weg. Ich funktioniere nicht. 

Donnerstag, Februar 05, 2026

echo.

Heute hat etwas die Haut verloren. Spürbar. Enge im Brustraum. Ziehen unter der Haut. Muskeln auf Bereitschaft, der Atem bleibt hängen. Die Bilder kommen nicht als Geschichte. Eher als Echo. Als Abdruck im Gewebe. Hände kalt. Kiefer fest. Becken still, als müsste es sich unsichtbar machen. Der Körper erinnert sich anders als der Verstand. Ohne Sprache. Ohne Zeit. Die Kontrolle wird dünner.

Phase II ist kein Fortschritt. Es ist ein Abtragen. Schicht für Schicht. Bis etwas frei liegt, das ich nie wieder fühlen wollte. Da ist Druck. So viel Schmerz und Bewusstsein. Gewicht. Ich halte mich nicht fest. Ich halte aus. Das ist ein Unterschied. Ich bin wund. Und roh. Nicht verletzt, sondern offen. Und vielleicht ist genau das der Übergang. Nicht wieder härter werden. Nicht erklären. Sondern geradewegs hindurch. Ich merke, wie alt die Muster sind. Wie sehr mein Nervensystem gelernt hat, still zu sein, immer stark zu sein, durch- und auszuhalten. Und wie erschöpfend das war. Heute war kein guter Tag.

schwelle.

Wenn es Dich innerlich fast zerreißt und dieses ein- und ausatmen kurzzeitig nicht mehr hilft. Ich habe einen zweiten sicheren Ort für mich konserviert.

Mittwoch, Februar 04, 2026

verschiebung.

Es wird sich etwas verändern. Nicht unbedingt sichtbar. Aber spürbar. Es kommt Bewegung in Dinge, die lange ruhig lagen. Vertrautes wird kurz an Kontur verlieren. Gewissheiten wackeln. Die innere Ordnung sich neu sortieren. Es wird mich wacher machen. Empfindlicher vielleicht. Durchlässiger an Stellen, die ich lange stabil gehalten habe. Nicht schwach, aber offener. Weniger gepanzert. Ich weiß, dass es mich durcheinanderbringen wird. Dass Klarheit nicht sofort folgt. Dass Sicherheit nicht automatisch da ist, nur weil man losgeht.

Da ist so großer Respekt vor der Wirkung. Und eine Scheiß-Angst vor dem, was sie auslöst. Nicht panisch, nicht laut, eher wie ein tiefer Atem, der stockt. Und gleichzeitig ist da etwas anderes. Das Gefühl, dass Veränderung nicht zerstört, sondern verschiebt. Dass das, was sich bewegt, nicht verloren geht, sondern einen anderen - neuen - Platz sucht. Ich lasse zu, auch wenn ich noch nicht weiß, wie. Auch wenn es mich für einen Moment aus dem Gleichgewicht bringt. Ich bleibe stehen. Und ich lasse es durch mich hindurchgehen. Ich halte das aus. Und es wird jemand meine Hand halten. 

Dienstag, Februar 03, 2026

wege.

Ich stehe da, schaue auf den letzten Februar und staune. Wer hätte gedacht, wo wir heute stehen? Entwicklung verläuft selten geradlinig. Manchmal braucht es Abstand, um Nähe wieder möglich zu machen. Manchmal braucht es Geduld und Zeit, um wirklich zuzuhören. Sich selbst und dem anderen. Ein Jahr später ist vieles klarer. Ruhiger. Verlässlicher. Nicht, weil alles reibungslos war, sondern weil man bereit war, Dinge nicht zu übergehen, sondern auszuhalten, einzuordnen und Verantwortung für das Eigene zu übernehmen. Rückblickend lässt sich manches besser verstehen. Und manchmal bleibt einfach das Staunen darüber, wie viel sich in einem Jahr verändern kann und wie viel Weg man gegangen ist. Es fühlt sich so gut an, hier zu stehen. Und es fühlt sich richtig an, weiterzugehen.

Donnerstag, Januar 29, 2026

dramaturgie.

Der Tod hat kein Interesse an Dramaturgie. Er kommt nicht, wenn man bereit ist, sondern wenn der Kaffee noch warm ist, die Schuhe im Flur stehen und man gerade glaubt, das Leben sei dabei, sich zu sortieren. 2009 ist kein Jahr, es ist ein Riss. Man kann ihn in Tage zerlegen, in Monate, in lächerlich genaue Zahlen, man kann ausrechnen, wie viele Minuten vergangen sind, seit jemand aufgehört hat zu atmen. Aber Zeit funktioniert nach dem Tod nicht mehr linear. Sie wird zäh, unzuverlässig, zieht sich zusammen wie Haut unter Kälte. Man lebt weiter. Alles andere wäre organisatorisch kompliziert. Man steht auf, zahlt Rechnungen, lernt neue Namen, lacht an den falschen Stellen und wird erstaunlich gut darin, nicht zu erklären, warum bestimmte Sätze plötzlich zu viel sind. Man wird funktional. Belastbar. Resilient. Dieses Wort, das klingt wie ein Kompliment, aber oft nur bedeutet, dass man überhaupt keine Wahl hatte.

Der Tod nimmt keine Menschen, er nimmt Zukünfte. Er nimmt das „wir werden noch“, das „später“, das „irgendwann“. Er lässt einen zurück mit einer Gegenwart, die zu groß ist für zwei Hände. Ja, die Zeit hilft, sagen sie. Aber nicht so, wie man es sich wünscht. Sie heilt nicht, sie stumpft ab. Sie poliert die Kanten, bis der Schmerz nicht mehr schreit, sondern sitzt. Still. Geduldig. Wie ein Schatten, den man nicht mehr bemerkt, weil man gelernt hat, sich um ihn herum zu bewegen. Manchmal ist er wieder da, unangekündigt. In einem Geruch. In einer bestimmten Art zu lachen. Einem kurzen Moment. Und dann merkt man. Der Tod ist nicht vorbei. Er hat nur die Lautstärke geändert.

Ich habe lange geglaubt, Erinnerung sei ein Ort, zu dem man zurückkehren kann. Ein Raum, den man betritt, wenn man mutig genug ist. Aber Erinnerung ist kein Ort. Sie ist Bewegung. Sie verschiebt sich, verändert Form, Farbe, Gewicht. Irgendwann merkt man, dass man nicht mehr zurückgeht. Man trägt. Nicht vor sich her, nicht wie eine offene Wunde, sondern wie etwas, das Teil der eigenen Statik geworden ist. Vielleicht ist das die einzige Wahrheit, die bleibt. Man wird nicht heil. Man wird tief. Man lernt, mit Abwesenheit und Verlust zu leben. Man lernt, Nähe neu zu definieren, nicht als Ersatz, sondern als bewusste Entscheidung. Zeit macht nichts ungeschehen, aber sie macht Platz. Platz für ein Leben, das anders ist als ursprünglich gedacht. Nicht schlechter. Nicht besser. Nur ehrlicher.

Ich glaube, wenn er mich und mein Leben heute sehen könnte, wäre er verdammt stolz auf mich. Würde mir ein Bier öffnen und genüsslich an einer Zigarette ziehen. Mir anerkennend zuzwinkern und sagen: "Gut gemacht, Kleines." Ja, ich bin immer noch hier und habe nie aufgegeben. 

Mittwoch, Januar 28, 2026

feuertaufe.

Loslassen ist eigentlich kein großer Akt. Es ist kein mutiger Sprung und keine heroische Entscheidung. Es passiert oft ganz unspektakulär. In kleinen Momenten. Nebenbei. Dann, wenn man merkt, dass man etwas nicht mehr festhalten muss, um sicher zu sein. Ich habe lange geglaubt, loslassen hieße, Verantwortung abzugeben. Sich rauszunehmen. Weniger zu fühlen. Weniger zu kümmern. In Wahrheit ist es eher das Gegenteil. Loslassen heißt, da zu bleiben, nur ohne Krampf. Ohne dieses innere Ziehen, das sagt: Ich muss alles im Blick behalten, sonst passiert etwas.

Manchmal ist Loslassen einfach der Moment, in dem man merkt, dass andere Dinge auch ohne einen funktionieren. Dass Menschen Verantwortung übernehmen, nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen und sich bewusst dafür entscheiden. Dass Vertrauen nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. Es fühlt sich noch sehr ungewohnt an. Ein bisschen komisch, leer vielleicht. Und gleichzeitig erstaunlich ruhig. So, als würde man einen schweren Rucksack absetzen, den man so lange getragen hat, dass man vergessen hat, wie schwer er eigentlich ist.

Loslassen ist kein Weggehen. Es ist ein Zurücklehnen. Ein inneres 'Ich lasse das jetzt'. Nicht, weil es egal ist, sondern weil es getragen wird. Weil man nicht mehr alleine ist mit allem. Ich glaube, Loslassen ist kein Ziel. Es ist ein Zustand, der sich einstellt, wenn man merkt. Ich darf. Ich kann. Und es ist gut. Und vielleicht ist das Schönste daran, dass man dabei nichts verliert. Im Gegenteil. Man gewinnt Raum. Vertrauen. Und manchmal sogar ein bisschen Leichtigkeit. Also here we go. Feuertaufe und die Untermieterin freut sich tatsächlich und ist das erste Mal nach 8Jahren völlig entspannt, obwohl ich 2Tage abwesend und unterwegs sein werde. 

Dienstag, Januar 27, 2026

humor.

Der Mann hat mich zum Sonntagsbrunch ausgeführt. Wir hübschen uns auf. Ich ziehe ein sehr enges hochgeschlossenes Kleid an, Stiefeletten. Gucke zufrieden in den Spiegel und überlege, was ich oben drüber ziehe. Der Mann schaut mich an.

Ich denke laut: „Wenn ich dazu jetzt die neue Felljacke anziehe, sehe ich aus wie eine sehr teure Nutte.“ - Der Mann überlegt 3Sekunden und grinst breit: „Zieh die Felljacke an! Dann denken die Leute wenigstens, ich könnte mir das leisten.“

Es wurde der schwarze Mantel - wegen der schwarzen Stiefel.
Ich mag uns zusammen. 

Montag, Januar 26, 2026

86.

86. Alles Liebe, wo auch immer Du jetzt bist, Du verrückte Nudel.
Da kann man morgens schon mal dasitzen und heulen.

Ich habe meine Trauerrede für Dich aufgehoben. Ab und zu lese ich sie noch, obwohl ich jedes Wort längst abgespeichert habe. Verrückt eigentlich, fast ein Jahr ist das jetzt schon. Das hätte Dir gefallen. Wirklich. Es war die schönste Beerdigung. Unperfekt, chaotisch, voller Gefühl. Mit Druckfehlern. Die Streublumen wurden vergessen und mussten in letzter Minute noch besorgt werden. Es wurde unfassbar viel geweint an diesem Tag und mindestens genauso viel gelacht.

Als ich mich an dieses Pult klammerte und die ersten zwei Sätze vorlas, schluchzten plötzlich alle laut. Ich hielt inne und erklärte, dass das so nicht funktionieren würde, weil ich sonst direkt mitweinen müsste. Ganz typisch. Genau so, wie Du es mochtest. Ich sehe Dich noch grinsen. Es war die tollste Rede, die ich Dir zu Ehren hätte halten können. Und gleichzeitig das Schwerste, was ich je getan habe. Ich habe jedes Wort gespürt, jede Pause, jeden Blick in diese Gesichter voller Verlust und Liebe. Und weißt Du was? Ich würde es wieder tun. Jederzeit. Mir hat das geholfen.

Manchmal fühlt sich die Trauer immer noch roh an. Und manchmal ganz weich. Manchmal sitzt sie einfach neben mir und erinnert mich daran, dass Liebe nicht aufhört, nur weil jemand nicht mehr da ist. Sie verändert nur ihre Form. Du fehlst. Und gleichzeitig bist Du überall. Wie gern würde ich Dich anrufen.

Alles Liebe, Du verrückte Nudel.
Wo auch immer Du jetzt bist.

brüche.

Ich bin sehr erwachsen. Wirklich. Ich kann Dinge regeln, Entscheidungen treffen, Verantwortung tragen. Ich organisiere, strukturiere, halte Termine ein und verliere dabei selten den Überblick. Im Alltag funktioniere ich ausgesprochen gut. Ich weiß, wie das Leben grundsätzlich läuft. Zumindest in der Theorie. Und dann gibt es diese anderen Momente. Momente, in denen ich kurz denke: Okay, das habe ich verstanden. Alles gut. Integriert. Abgehakt. Erwachsen verarbeitet. Und dann kommt der Alltag. Oder ein Satz, der alles wieder leicht verschiebt. Zwischen „alles gut“ und „viel gelernt“ liegt nämlich selten ein sauberer Übergang. Meistens liegt da eine Woche Chaos. Mindestens. Das ist die Phase, in der man reflektiert ist und sich trotzdem unsicher fühlt. In der man weiß, wie man reagieren sollte, und merkt, dass das Nervensystem davon noch nichts gehört hat. Klug im Kopf, wackelig im Gefühl. Sehr erwachsen und gleichzeitig ein bisschen ratlos. Herzensdinge haben diese Eigenart. Sie interessieren sich nicht für Kompetenz. Sie lassen sich nicht beeindrucken von inneren Ordnungssystemen oder gut sortierten Gedanken. Sie kommen einfach rein, stellen alles um und setzen sich mitten ins System. Und man steht daneben, innerlich geschniegelt und gebügelt und denkt: Aha. Wir improvisieren also wieder.

Ich glaube inzwischen, genau hier passiert Lernen in Echtzeit. Nicht elegant, nicht linear, nicht instagrammable. Man weiß schon, was man gelernt hat, aber noch nicht, wie man damit lebt. Und genau das fühlt sich dann nach Chaos an. Erkenntnis, Verwirrung, Reibung, ein paar Rückfälle, langsame Klarheit. Oder kurz: eine Woche Chaos. Manchmal auch zwei. Lange dachte ich, das sei ein Makel. Ein Zeichen, dass ich es doch noch nicht kann. Heute sehe ich das anders. Heute glaube ich, dass genau diese Brüche dazugehören. Dass Erwachsensein nicht bedeutet, immer souverän zu sein, sondern zu merken, wann man es nicht ist und trotzdem bei sich zu bleiben. Ich kann sehr klar sein und gleichzeitig unsicher. Sehr stark und trotzdem berührbar. Sehr organisiert im Alltag und völlig ahnungslos in Herzensdingen. Vielleicht ist das gar kein Widerspruch. Vielleicht ist das einfach menschlich. Kopf und Herz sitzen selten im gleichen Meeting. Und wenn doch, gibt es meistens Diskussionsbedarf. Ich habe gelernt, dieser Woche Chaos nicht mehr zu misstrauen. Sie ist kein Rückschritt, sondern der Zwischenraum, in dem sich etwas neu sortiert. „Alles gut“ ist oft der Anfang. „Viel gelernt“ vielleicht irgendwann später. Dazwischen darf es holpern. Man darf auch mal zweifeln. Man darf sich selbst ein bisschen schräg finden. Und man darf darüber lachen. Das hilft enorm.

Ich bin sehr erwachsen. Außer wenn nicht. Und erstaunlicherweise fühlt sich genau das ziemlich stimmig an.

Sonntag, Januar 25, 2026

schnäppchen.

Heute völlig spontan den schönsten massiven Barschrank mit Beleuchtung gekauft. Ich fand den schon seit drei Jahren wunderschön. Jetzt ziehen die Nachbarn überraschend nach 5Jahren weiter weg und der Schrank bleibt quasi für einen Apfel & ein Ei hier. Große große Freude. Das wird so unverschämt gut aussehen.

Freitag, Januar 23, 2026

schneekugel.

Freitag, 15.00Uhr. What a week. Das waren sieben sehr intensive, herausfordernde und heftige Tage. Da hat einer die Schneekugel so richtig heftig geschüttelt. Hat mich enorm gefordert. Aber das Beste? Es hat sehr viel Klarheit auf allen Seiten gebracht, ich habe viel für mich mitgenommen und gelernt - vor allem auch über mich selbst. Finde ich gut. Und ich habe wieder festgestellt, wie grossartig die Menschen in meinem Leben sind. Es wird nicht gefragt, sondern Zeit einfach sofort möglich gemacht, eingecheckt, nachgefragt - für mich, die nie um Hilfe bittet, eine tolle Erfahrung. Offenbar habe ich einiges richtig gemacht in meinem Leben. 

Und jetzt werde ich zusammenpacken und heute mal eher ins Wochenende starten. Auf dem Programm steht ein asiatischer Abend mit Freunden und Jägermeister. 

Freitag, Januar 16, 2026

langstrecke.

Er sagt, ich habe unbedingt Wiedergutmachung zu leisten für all die Zeit und fulminanten Dinge, die ich ihm so lange absichtlich vorenthalten habe. Trotz seiner engagierten Bemühungen. Er hat das mal grob überschlagen. Das Ergebnis ist eindeutig. Das wird dauern. Länger. Sehr viel länger. Ich nehme das sportlich. Wiedergutmachung ist schließlich kein Sprint. Eher ein Langstreckenprojekt. Mit Pausen. Und vielen Wiederholungen. Ich will ja gründlich sein.

Donnerstag, Januar 15, 2026

waffe.

Sie hat lange nichts gefühlt. Der Körper funktionierte, die Haut reagierte, aber sie selbst war nie ganz da. Sex, eine Waffe. Gegen die Erinnerung. Gegen das Gefühl. Gegen den Kontrollverlust. Sie hat sich selbst zurückgeholt. Nicht durch Rückzug. Nicht durch Bitten. Sondern durch Kontrolle. Sie bestimmte das Tempo. Die Richtung. Die Regeln. Und wenn sie spielte, dann auf Sieg. Nicht aus Lust, sondern aus Macht. Selbstschutz folgt selten einem klaren Plan. Nur Instinkt. Ihr Körper sprach weiter, lange nachdem sie verstummt war. Sie wollte der Gegner sein, der zurückschlägt. Mit derselben Waffe, aber diesmal in ihrer Hand. 

Sie war nie kaputt. Nur auf Verteidigung programmiert. Der Versuch, die Kontrolle zurückzuholen - auf eigene Art. Wer gelernt hat, sich durch Funktion zu schützen, weiß nicht, wie man loslässt.

Mittwoch, Januar 14, 2026

walentynki.

Ich habe kurz gezuckt, als er es erwähnte und danach fragte. Nicht sichtbar, eher innen. Ein kaum merkliches Stolpern. Weil ich nie angenommen hatte, dass ihm so etwas wichtig ist. Oder überhaupt etwas bedeutet. Der Valentinstag gehörte für mich immer in die Kategorie der Dinge, die man besser nicht erwartet. Nicht, weil sie falsch sind, sondern weil sie nie erwidert wurden. Also legt man sie ab. Ordentlich. Still. Man erklärt sie für nebensächlich, bis sie sich auch so anfühlen. Vielleicht ist der Valentinstag genau deshalb grundsätzlich so ein Reizthema. Nicht, weil er so viel Bedeutung hätte, sondern weil er sichtbar macht, wo etwas lange keinen Raum hatte. Nicht laut, eher wie ein kleiner Spiegel, an dem man sonst vorbeigeht, ohne stehenzubleiben. Und es geht gar nicht darum, ihn plötzlich wichtig zu finden. Sondern darum, sich zu erlauben, dass er es sein dürfte. Ohne Druck. Ohne Bohei. Einfach als Möglichkeit.

Und dann steht da plötzlich jemand und spricht den Tag an, als wäre er nichts Besonderes und genau darin liegt die Irritation. Nicht Pathos, nicht Ablehnung. Einfach ein Satz. Eine Selbstverständlichkeit. Mein Zucken war kein Widerstand. Es war Überraschung. Vielleicht auch ein kurzes Nachjustieren der inneren Landkarte. Manchmal ist es nicht die große Geste, die etwas verschiebt. Sondern der Moment, in dem man merkt, dass der andere an Stellen hinschaut, an denen man selbst längst aufgehört hatte zu suchen. Ich freue mich auf den Abend zu zweit. Ganz gemütlich. Wir trinken Bier und klauen Autos. DAS mag ich. 

Dienstag, Januar 13, 2026

phase II.

Diese Woche geht es weiter und ich merke, wie viel Spannung das in mir auslöst. Nicht dramatisch, eher konstant. Eine innere Wachsamkeit, die da ist, seit klar ist, dass ich wieder tiefer gehe. Mich zu öffnen ist kein romantischer Akt. Es ist kontrollierter Kontrollverlust. Ein bewusster Schritt in etwas, von dem ich weiß, dass es nicht angenehm wird. Öffnen klingt nach Leichtigkeit, nach etwas Gutem. In Wahrheit fühlt es sich an wie das vorsichtige Lösen einer alten Struktur, die lange Stabilität versprochen hat und längst zu eng geworden ist. Da ist Angst. Leise, beharrlich, nicht hysterisch. Eher diese eine Frage. Ob das, was sich zeigt, zu viel sein könnte. Ob Aufmachen bedeutet, für einen Moment die Kontrolle aus der Hand zu geben und ob ich halten kann, was dann kommt, ohne dass mir alles um die Ohren fliegt.

Mein Körper reagiert schneller als mein Kopf. Druck. Enge. Dieses alte Bereitsein. Trauma ist kein Bild, es ist ein Zustand. Als das Wissen, dass der Körper Dinge trägt, die nie vollständig ausgesprochen wurden. Und genau dort liegt die Ambivalenz. Der Wunsch nach Erleichterung trifft auf die Furcht vor der Wucht dessen, was darunter liegt. Und genau deshalb kostet es Kraft, hinzusehen statt weiter zu funktionieren. Ich mache es trotzdem. Nicht, weil ich besonders mutig bin, sondern weil Wegschieben anstrengender geworden ist als Aushalten. Weil ich nicht mehr nur stabil sein will. Ich weiß nicht, was diese Woche freilegt. Ich weiß nur, dass das Aufmachen Konsequenzen hat. Und dass ich bereit bin, sie zu tragen.

Donnerstag, Januar 08, 2026

intimer als sex.

Man kann mit jemandem schlafen und trotzdem keinen Urlaub planen. Denn Urlaub ist keine Romantik, Urlaub ist Zukunft. Er bedeutet Abstimmung, Nerven, Wetter und ein erstaunlich hohes Enttäuschungspotenzial. Urlaub fragt nicht, ob man sich begehrt, sondern ob man sich gegenseitig aushält. Das ist Zeit ohne Ausweichbewegung. Sex zeigt Körper. Urlaub den Charakter - und es ist stellenweise intimer als Sex. 

Wir testen das mal. Mit diesem Urlaub. 2026 - ist fast durchgeplant. Tat irgendwie gar nicht weh. Der Teenie freut sich bereits so richtig auf den Sommer.  

Mittwoch, Januar 07, 2026

?

Vielleicht ist Nähe das, was übrig bleibt, wenn ich aufhöre, sie zu sichern und beweisen zu müssen? 

Dienstag, Januar 06, 2026

substanz.

Substanz erkennt man nicht an Worten. Sondern daran, was bleibt, wenn nichts inszeniert wird. Wenn Gespräche Gewicht haben, ohne schwer zu sein. Wenn Nähe nicht zieht, sondern trägt. Wenn Humor Platz hat, obwohl es ernst ist. Substanz ist, wenn man nicht überzeugen muss. Wenn man sich nicht kleiner macht, um größer zu wirken. Wenn Dinge nicht perfekt sind, aber ehrlich. Ich habe keine Lust mehr auf Leichtigkeit ohne Tiefe. Und keine Angst mehr vor Tiefe mit Gewicht. Substanz stellt Fragen. Sie fordert Präsenz. Sie braucht keine Bühne und kein Versprechen. Substanz fühlt sich nicht aufregend oder laut an. Sie fühlt sich ruhig an. Was Gewicht hat, muss ich nicht hochheben. Ich muss einfach nur stehen bleiben können. Substanz zeigt sich oft erst dort, wo niemand mehr geht - sondern jemand neben einem stehenbleibt. 

Montag, Januar 05, 2026

servicepost.

Kaum ist ein neuer Mann in meinem Leben, stehen sie Schlange. Der Ex als neuer bester Freund vom Liebsten. Der andere Ex als Casting-Agent fürs Schlafzimmer. Und irgendwer fragt, ob wir „offen für Experimente“ sind und eventuell einen zweiten Mann bräuchten. Alter, kannst Du Dir nicht ausdenken. Mein Leben ist schön. 

Samstag, Januar 03, 2026

365tage.

365 Tage, in denen die Welt weitergemacht hat, während sich alles innerlich neu sortiert hat. Ich habe gelernt, dass Trauer kein Zustand ist, sondern ein leiser Begleiter. Mal kaum spürbar, mal mit voller Wucht. Dass Menschen gehen können und trotzdem bleiben. In Gedanken. In Gesten. In Sätzen, die plötzlich auftauchen. Und in diesen stillen Momenten, in denen ich denke: Das hätte ich erzählen wollen.

Manchmal fühlt es sich an, als wärst Du nie wirklich gegangen. Du bist nur weniger sichtbar geworden. Du bist jetzt in meinem Tempo, in der Art, wie ich einen Raum betrete, in dieser inneren Ruhe, die nicht erklärt werden muss. Du hattest eine Präsenz, die nichts verlangte. Unaufgeregt und klar. Nähe war bei Dir kein Ereignis, sondern ein Zustand. Man konnte einfach da sein. Das Schwerste am Abschied ist nicht der Schmerz. Es ist zu wissen, dass man ohne diesen Menschen weiterlebt. Weiterleben kann. Wird. Und muss. Dass man lacht, liebt, Pläne macht und sich dabei manchmal fast schuldig fühlt. Als würde man etwas verraten, nur weil das Leben nicht stehen geblieben ist.

Dieses Jahr hat mich weicher gemacht. Und stärker. Der Verlust ist tief. Er nimmt Raum ein, ohne sich aufzudrängen. Du fehlst mir nicht in großen Gesten. Du fehlst mir in den kleinen Momenten, in denen ich kurz innehalte und weiß: Du hättest das verstanden. Und gleichzeitig hat dieses Jahr gezeigt, dass genau im größten Haltverlust neue Verbundenheit entstehen kann. Still. Echt. Tragend. Vielleicht, weil das, was Du mir gegeben hast, nicht an Deine Anwesenheit gebunden war. Ich trage Dich nicht nur als Erinnerung, sondern als Haltung. In mir. Und vielleicht ist genau das die sanfteste Form von Bleiben.

Donnerstag, Januar 01, 2026

happy new year.

2026 beginnt leise. Mit Tagen, die sich nicht beeilen. Mit Zeit, die nicht verplant ist. Mit uns zu dritt. Diese Tage waren so schön. Einfach da sein, lachen bis der Bauch wehtut, rumalbern, quatschen, kochen, schweigen, zusammen einschlafen und aufwachen. Entschleunigt. Entspannt. Nah. 

Ich merke, wie sehr mir das gefehlt hat. Nicht mehr immer zu funktionieren. Nicht alles zu optimieren. Sondern Zeit zu haben. Für Nähe. Für Alltag, der sich gut anfühlt. Wenn ich mir etwas für dieses Jahr wünsche, dann genau das. Mehr solcher Tage. Mehr Raum. Mehr Miteinander. Weniger Müssen. Mehr Sein. So darf ein Jahr anfangen. 

Starten Sie in ein fulminantes neues Jahr voller großer und kleiner Momente, die das Herz voll machen!