Freitag, Februar 13, 2026

ordnung.

Der erste Urlaub ohne die Untermieterin steht an - nach acht Jahren. Ich weiß noch, wie wir hier damals eingezogen sind. Drei Wochen später bin ich ein einziges Mal ohne Kind weggeflogen. Roadtrip durch die UK für 8Tage. Mein Vater hat das Kind gehütet. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt mit vielen Tränen, beim Kind. Sie haben das großartig gemacht. Als ich zurückkam, warteten im Tiefkühlschrank sehr viele Dosen mit eingefrorenen vorgekochten Gerichten. Und ein kleines Mädchen, das mir sehr klar erklärte, dass sie sich zukünftig an mich kleben und mir überallhin folgen wird. Verrückterweise sagt sie das bis heute. 

Und irgendwie war das auch so. Es war nie wieder ein Thema. Sie ist der beste Urlaubsbuddy, den ich mir wünschen kann. Neugierig, unkompliziert, offen für Abenteuer. Ich liebe es, mit ihr zu reisen. Unsere Insiderwitze. Unsere Diskussionen über Frühstücksbuffets. Unsere gemeinsamen „Nur noch einmal ins Meer“-Momente. Wir zwei gegen den Rest der Welt. Jetzt testen wir das mal. Wir haben lange darüber gesprochen, ob das für sie in Ordnung ist. Nicht zwischen Tür und Angel. Nicht als Verkündung. Sondern als echtes Gespräch. Mit Raum für alles. Für Trotz. Für Angst. Für Ehrlichkeit. Sie bleibt hier. In ihrem Umfeld. Mit ihren Routinen. Mit Menschen, die sie kennt. Und ich merke trotzdem, es ist schwer für sie. Sie möchte uns das von Herzen gönnen. Sie möchte reif sein. Sie sagt, sie findet es gut. Und gleichzeitig liegt da diese leise Traurigkeit: Ich bin nicht dabei. Und das darf sie auch sein. Ich sehe es in den kleinen Pausen. In den längeren Umarmungen. In diesem Blick, der sagt: Ich schaffe das. Aber es tut ein bisschen weh. Es zerreißt sie ein bisschen. Und vielleicht zerreißt es mich auch ein bisschen. Liebe bedeutet nicht, dass man alles immer richtig gut finden muss. Manchmal bedeutet sie, etwas auszuhalten, obwohl es ein bisschen weh tut.

Für sie ist es vielleicht das erste Mal, dass sie spürt: Mama hat auch noch eine andere Rolle. Eine, in die ich nicht automatisch dazugehöre. Für mich ist es das erste Mal seit Jahren, dass ich bewusst einen Raum betrete, der nicht Mutter-Tochter ist, sondern Frau-Mann. Das ist Wachstum. Und Wachstum zieht manchmal. Ich gehe nicht, weil ich sie weniger brauche. Im Gegenteil. Ich gehe, weil ich auch Partnerin bin. Und weil ich mich tatsächlich so richtig freue auf diese bewusste Zeit zu zweit. Sieben Jahre lang waren wir ein System. Ein Team. Eine kleine eingeschworene Einheit. Reisen bedeutete: immer wir zwei. Diesmal bedeutet es: Ich gehe. Und sie bleibt. Und vielleicht ist genau das der nächste Schritt. Nicht weniger Nähe. Sondern mehr Raum.

Wir werden ihr selbstverständlich ganz viele Fotos schicken, wie schrecklich furchtbar dieser Urlaub ohne sie ist - und mit ihr Videotelefonieren, sofern sie Zeit für uns hat. Und ich weiß jetzt schon, wenn ich zurückkomme, wird sie wieder ein Stück größer sein. Ausserdem freut sie sich bereits jetzt auf den Sommer zu dritt. 

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