Samstag, Januar 03, 2026

365tage.

365 Tage, in denen die Welt weitergemacht hat, während sich alles innerlich neu sortiert hat. Ich habe gelernt, dass Trauer kein Zustand ist, sondern ein leiser Begleiter. Mal kaum spürbar, mal mit voller Wucht. Dass Menschen gehen können und trotzdem bleiben. In Gedanken. In Gesten. In Sätzen, die plötzlich auftauchen. Und in diesen stillen Momenten, in denen ich denke: Das hätte ich erzählen wollen.

Manchmal fühlt es sich an, als wärst Du nie wirklich gegangen. Du bist nur weniger sichtbar geworden. Du bist jetzt in meinem Tempo, in der Art, wie ich einen Raum betrete, in dieser inneren Ruhe, die nicht erklärt werden muss. Du hattest eine Präsenz, die nichts verlangte. Unaufgeregt und klar. Nähe war bei Dir kein Ereignis, sondern ein Zustand. Man konnte einfach da sein. Das Schwerste am Abschied ist nicht der Schmerz. Es ist zu wissen, dass man ohne diesen Menschen weiterlebt. Weiterleben kann. Wird. Und muss. Dass man lacht, liebt, Pläne macht und sich dabei manchmal fast schuldig fühlt. Als würde man etwas verraten, nur weil das Leben nicht stehen geblieben ist.

Dieses Jahr hat mich weicher gemacht. Und stärker. Der Verlust ist tief. Er nimmt Raum ein, ohne sich aufzudrängen. Du fehlst mir nicht in großen Gesten. Du fehlst mir in den kleinen Momenten, in denen ich kurz innehalte und weiß: Du hättest das verstanden. Und gleichzeitig hat dieses Jahr gezeigt, dass genau im größten Haltverlust neue Verbundenheit entstehen kann. Still. Echt. Tragend. Vielleicht, weil das, was Du mir gegeben hast, nicht an Deine Anwesenheit gebunden war. Ich trage Dich nicht nur als Erinnerung, sondern als Haltung. In mir. Und vielleicht ist genau das die sanfteste Form von Bleiben.

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