Freitag, August 29, 2025

handstand.

Manchmal wünsche ich mir, ich könnte all die unsichtbaren Protokolle des Alltags einfach an die Tür hängen, wie eine Quittung. Es gibt diese Tage, an denen ich das Gefühl habe, mein Leben bestünde aus Zwischenräumen. Zwischen Schultür, Firma und Zahnarzt. Zwischen Bergen aus Wäsche oder Pappe, Listen, Gesprächen, Hausaufgaben, Klassenarbeiten, Pubertätskrisen, dem Lachen, endlosen kleinen To-dos, den Nerven und der Liebe. Die Gedanken, wie man alles zusammenhält.

Niemand sieht, wie viele Kilometer man innerlich läuft, bevor überhaupt jemand klingelt. Manchmal rede ich mit einer Wand, manchmal mit dem Universum, meistens mit mir selbst. Ich kenne alle Abläufe, die Abkürzungen und Umwege, habe einen geheimen Masterplan für jedes Chaos. Zeit vergeht, Kinder werden älter, Gewohnheiten laufen mit - auf Zehenspitzen. Es sieht von außen aus wie Alltag. Es fühlt sich regelmäßig wie ein Handstand auf nassem Grund an. Ich bin zwischen Routinen und Revolutionen. Es gibt keine Pointe, keinen Applaus. Nur diesen kleinen Moment, wenn ich merke, dass ich mich selbst nicht verliere, während ich halte, was gehalten werden muss.

Nicht mehr. Und nicht weniger. Es geht nicht um Heldenmut oder Opferrolle. Sondern um Ehrlichkeit. Die Müdigkeit, die bleibt.

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