Ich wäre übrigens eine richtig gute Agentin geworden. Also wirklich. Das war mit 14 tatsächlich mal mein Plan. Nicht mal unbedingt wegen Waffen, Verfolgungsjagden oder dramatischer Sonnenbrillen-Momente an Flughäfen. Obwohl Menschen ab und zu einen unangespitzten Bleistift in den Hals rammen, würde manchmal einiges einfacher machen. Meine Superkraft ist offenbar eine andere. Ich kann nachts so leise nach Hause kommen, dass niemand etwas mitbekommt. Kein Schlüsselklimpern, kein Türenknallen, kein Absatzgeräusch im Flur. Nur lautlose Präzision. Ich habe mich völlig unbemerkt und lautlos ins Bett gelegt. Wirklich meisterhaft. Bis ich dieses Ding mit dem Ankuscheln gemacht habe und der Mann sich kurz fast zu Tode erschreckt hat, bevor er mich in den Arm genommen hat.
Der Abend hatte harmlos angefangen. Ich wollte gegen 22.20 Uhr austrinken, ein Uber rufen und sehr erwachsen nach Hause fahren. Das war der Plan. Dann eskalierte es plötzlich. Seitdem tanzten alle. Also wirklich alle. Einer muss halt den Anfang machen und das sind irgendwie immer wir. Es gibt Menschen, die betreten einen Raum und warten ab. Und es gibt uns. Wir betreten einen Raum und irgendwann tanzt plötzlich jemand auf einer imaginären Linie zwischen „noch seriös“ und „was passiert hier eigentlich gerade?“. Irgendwann trugen wir eine Wassermelone. Warum? Weiß ich nicht. Aber in dem Moment fühlte es sich vollkommen logisch an. Es gibt diese Partymomente, in denen niemand mehr fragt, warum eine Wassermelone Teil der Choreografie geworden ist. Man akzeptiert es einfach und tanzt weiter. Man ist quasi Teil eines sozialen Experiments. Besonders spannend war wieder die Dynamik, die entsteht, wenn ordentlich Alkohol über den Tresen geht. Menschen werden lauter, mutiger, weicher, aufdringlicher oder alles gleichzeitig. Und dann gibt es diese wunderbare stille Kompetenz unter einigen Teams, sehr betrunkene, aufdringliche Herren wurden einfach höflich in die Mitte genommen und rausbegleitet. Ohne großes Theater. Ohne Aufsehen. Fast elegant.
Meine beste Entscheidung des Abends war übrigens, das letzte Glas Wein gegen 22.45 Uhr einfach stehen zu lassen und nur noch Wasser zu trinken. Ich möchte nicht sagen, dass ich dadurch heute Morgen topfit war oder jetzt bin. Aber ich war zumindest noch in der Lage, mehrere Minuten lang darüber nachzudenken, wie dieses Online-Portal der Steuerverwaltung heißt. Elster! Eventuell arbeitet mein Gehirn etwas langsamer und zeitverzögert.
War ein guter Abend. Eine gute Party. Gut unterhalten. Viel getanzt. Viel gelacht. Mir sagen lassen, dass ich schon deutlich länger auf Parties geblieben bin. Und am Ende sogar fast ziemlich vernünftig gewesen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Ein Hinweis. Ein Blog gehört nur dem Schreiber und ist für ihn der Ort, um alles abzuladen - egal ob nichtssagend, reflektiert, unreflektiert, gewichtig, emotional, scheisse oder sonst was. Ein Blog ist auch ein bisschen als Zugang zu den Gedanken eines Menschen zu sehen, d.h. es ist ein Privileg mitlesen zu dürfen.