Sonntag, Juni 29, 2008

Fiiiiinaaaaaaleeeeeeeeeeeeeeee



Deutschland verliert das Finale

Spanien ist Europameister

Von Robert Müller

Die deutsche Mannschaft hat im ausverkauften Wiener Ernst-Happel-Stadion vor 51.428 Zuschauern das Finale der UEFA Euro 2008 gegen Spanien mit 0:1 (0:1) verloren.
Spanischer Jubel; Rechte: dpa Bild großSpanischer Jubel

Michael Ballacks Wade hat zwar gehalten und auch eine Platzwunde am Kopf konnte ihn nicht stoppen. Doch nach guter Anfangsphase hatte die deutsche Mannschaft den Spaniern das Feld allzu oft überlassen. Die Strafe, der Rückstand, folgte auf dem Fuß. Vergeblich auch das Aufbäumen in der zweiten Halbzeit. Die Spanier haben das Finale, wie zuvor das gesamte Turnier, dominiert.

Joachim Löws Mannschaft hatte das Spiel eigentlich gut begonnen. Sie hatte das spanische Kurzpassspiel erfolgreich verhindern können und kam zu einigen vielversprechenden Chancen: In der vierten Minute kam Miroslav Klose in Strafraumnähe an den Ball, kurz danach versuchte es ihm Philipp Lahm gleich zu tun. Kurz danach ein weiterer guter Angriff: Miroslav Klose startete an der linken Seite und legt auf für Thomas Hitzlsperger, doch der traf nicht voll. Bei den Spaniern ging runde zehn Minuten nicht viel zusammen.
Schreckschuss und der Rückstand
Fernando Torres schießt das 1:0.; Rechte: dpa Bild großFernando Torres schießt das 1:0.

Dann aber gab die deutsche Mannschaft das Heft aus der Hand und sorgte sogar für die erste Topchance der Iberer: Christoph Metzelder hatte einen Schuss von Xavi fast ins eigene Tor abgefälscht, doch Jens Lehmann konnte das mit einer tollen Parade verhindern. Anscheinend ein Weckruf für die Spanier: Die kamen in der Folgezeit immer wieder in den deutschen Strafraum.

In der 23. Minute war es der Pfosten, der ein Tor durch Fernando Torres verhinderte. Wenig später konnte Per Mertesacker den spanischen Stürmer nur mit großer Mühe stoppen. In der 33. Minute wurde die zögerliche Abwehrleistung der Deutschen bestraft: Fernando Torres traf zum 1:0. Phillipp Lahm war neben ihm hergelaufen und hatte ihn nicht am Schuss hindern können. Das tat weh – ebenso eine Platzwunde, die sich Michael Ballack kurz darauf bei einem Kopfballduell zugezogen hatte. Doch der Kapitän biss auf die Zähne und kam zurück ins Spiel.
Erfolgloses Aufbäumen

Die zweite Halbzeit begann mit einem weiteren Schock für die deutsche Mannschaft: Philipp Lahm hatte mit einer Fleischwunde in der Kabine bleiben müssen. Für ihn kam Marcell Jansen ins Team. Kurz darauf musste Miroslav Klose nach einem Zweikampf behandelt werden. Eine weitere bedrohliche Situation in der 55. Minute: Wieder einmal war Torres durchgekommen, Lehmann konnte gerade noch klären. Diesmal hatte Mertesacker das Nachsehen gehabt.

Löw versuchte es in der Folgezeit mit Kevin Kuranyi für Thomas Hitzlsperger. Sollte das der Weckruf für die Deutschen sein? Ja! Viermal direkt hintereinander kamen sie gefährlich in Strafraumnähe. Ballack und Schweinsteiger hatten jeweils zwei Chancen. Der spanische Trainer Aragones merkte, dass das deutsche Team besser wird und wechselte in der 66. Minute den defensiven Xabi Alonso für Cesc Fabregas ein. Die deutsche Mannschaft reagierte mit Biss: Jansen holte einen Freistoß heraus, Thorsten Frings konnte die Chance aber nicht nutzen. Joachim versuchte es in der 78. Minute mit Mario Gomez für Miroslav Klose. Doch ein effektiver Sturmlauf wurde das nicht. Es blieb beim 0:1. Spanien ist Europameister!
Ballack weiter ohne internationalen Titel
Enttäuschung bei Michael Ballack; Rechte: dpa Bild großEnttäuschung bei Michael Ballack

Michael Ballack ist mit Bayern München und dem 1. FC Kaiserslautern zwar viermal deutscher Meister geworden, dazu stehen drei Pokalsiege mit den Bayern in seiner Bilanz. Doch auch nach dieser Europameisterschaft gilt: Weder mit der Nationalmannschaft noch mit einem seiner Vereine hat der 31-Jährige bislang einen internationalen Titel gewonnen.

Dementsprechend zeigte er sich nach dem verlorenen Finale enttäuscht. "Wir haben ein, zwei Fehler zuviel gemacht und haben nicht unverdient verloren", sagte Ballack. Der Wille sei bei seiner Mannschaft zwar erkennbar gewesen, so der Team-Kapitän. "Aber wir konnten nicht mehr", sagte Ballack. Trotzdem bilanzierte er das gesamte Turnier genauso wie Löw mit den Worten: "Die Mannschaft hat großartiges geleistet." "Ins Finale gekommen zu sein, ist schon etwas besonderes", sagte der Bundestrainer.

Die spanische Bilanz dieser Endrunde: sechs Spiele, sechs Siege, 12:3 Tore. So erfolgreich waren sie lange nicht mehr: Den letzten und einzigen EM-Erfolg konnten die Spanier im Jahr 1964 erringen. Seit dem Endspiel der EM 1984 gegen Frankreich war das Team nicht mehr über ein Viertelfinale bei einem großen Turnier hinausgekommen. Dementsprechend glücklich zeigte sich Fernando Torres nach dem Spiel: "Wir hätten nie geglaubt, dass wir soweit kommen. Aber jetzt haben wir unseren Platz in Europa gefunden", sagte der Torschütze des Siegtreffers.

Für Spaniens Trainer Luis Aragones war das Finale mit dem Titelgewinn die letzte Partie mit der "Selección", wegen Unzufriedenheit mit seinem Verband tritt er nach der Europameisterschaft von seinem Amt zurück.

mit dpa/sid | Stand: 29.06.2008, 22:52



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